Ausblick auf die Börsenwoche: Die geopolitischen Risiken steigen, auch das Thema Inflation meldet sich zurück. Auf eine Jahresendrallye deutet derzeit wenig hin.
Die Lage am deutschen Aktienmarkt bleibt angespannt: Drohende Eskalationen im Krieg Russlands gegen die Ukraine ließen die Nervosität der Anleger zuletzt steigen. Hinzu kommt die anhaltende Verunsicherung durch die Zolldrohungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump, die den ohnehin schon schwachen deutschen Konjunkturausblick weiter eintrüben. Dass der Dax sich tapfer über der Marke von 19 000 Punkten behauptet, ist in diesem widrigen Umfeld schon fast beachtlich.
Teuerungsraten dürften wieder steigen
In dieser Börsenwoche meldet sich auch noch ein weiteres unangenehmes Thema zurück. Neue Preisdaten für Deutschland (Donnerstag), den Euroraum (Freitag) und die USA (Mittwoch) liefern Hinweise, ob das Inflationsproblem wirklich gelöst ist. Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerungsraten wieder deutlich angestiegen sind. Das ist noch kein Grund zur Unruhe, bei einem Aufwärtstrend wäre der an den Aktienmärkten einkalkulierte Zinssenkungskurs der Notenbanken aber in Gefahr.
Mit Blick auf den Dax scheinen die Chancen auf eine Jahresendrallye ohnehin begrenzt. Mit positiven heimischen Konjunkturimpulsen ist kaum zu rechnen, das dürften der Ifo-Index (Montag) und das GfK-Konsumklima (Mittwoch) abermals bestätigen. Da Deutschland nach dem Ampel-Aus auch politisch vorerst stillsteht, geht mit Blick auf Wirtschaftsreformen in der Strukturkrise wichtige Zeit verloren. Weiteres Ungemach droht durch Trump, vor dessen protektionistischer Agenda exportorientierte Industrieunternehmen zittern müssen.
Finanzprofis rechnen mit steigenden Kursschwankungen
Experten warnen bereits, dass die Turbulenzen an den Börsen bald ansteigen könnten. „Spätestens ab Trumps Amtsantritt im Januar ist jederzeit mit ‚Überraschungen’ zu rechnen“, meint Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. „Die Dax-Kursschwankungen werden 2025 deutlich zunehmen“, sagt Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Allerdings sind sich die beiden Marktkenner einig, dass größere Kursrücksetzer aufgrund einer insgesamt gesunden Marktverfassung gute Kaufgelegenheiten bieten dürften.