Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Nach dem Turbostart ins neue Jahr könnten die Börsianer voller Zuversicht nach vorne schauen – wenn da nicht Donald Trump wäre.
Die Neujahrsrallye ist gelaufen – der Leitindex Dax legt eine Verschnaufpause ein. Die optimistischen Erwartungen der Analysten, dass die Dax-Unternehmen ihre Gewinne im neuen Geschäftsjahr um 13 Prozent steigern werden, hätten für den vielversprechenden Jahresstart am Aktienmarkt gesorgt, ziehen die Commerzbänker eine erste Bilanz.
Internationale Investoren auffällig am Drücker
Venezuela, Iran, der juristische Angriff auf die US-Notenbank Fed: bisher werden alle Krisen weggesteckt. Ob das für die neueste Drohung von Donald Trump im Grönland-Konflikt, Importe aus acht EU-Staaten mit höheren Zöllen zu belegen, auch gilt, ist unklar – erst muss sich zeigen, wie ernst es dem unberechenbaren US-Präsidenten damit ist. Wackelt das Handelsabkommen mit den Europäern, dürften die Märkte nervös reagieren.
Ansonsten stehen die Chancen gut, dass wachsende Unternehmensgewinne in diesem Jahr zum Haupttreiber für den Dax werden. Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl sieht derzeit auch internationale Investoren am Drücker; angesichts der geplanten staatlichen Milliardeninvestitionen in Rüstung und Infrastruktur hätten sie eine optimistischere Sicht auf Deutschland als viele deutsche Investoren. Die Commerzbank-Analysten gehen für das neue Geschäftsjahr von einem Dax-Gewinnwachstum von sechs bis acht Prozent aus. Für andere wichtige Indizes wie den Euro Stoxx 50, S&P 500 und Nasdaq 100 werden noch höhere Unternehmensgewinne vorhergesagt.
Die Anleger dürfen nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.
Die LBBW-Analysten sehen einerseits ein gutes Omen: Nach einem positiven Start ins Jahr sei der Dax in der Vergangenheit mit großer Wahrscheinlichkeit auch am Jahresende im Plus gelandet. Siehe 2023, 2024 und 2025. Andererseits werde es schwierig, wenn das Pendel plötzlich in die andere Richtung ausschlägt und das Gros der Anleger auf dem falschen Fuß erwischt wird, sodass sie ihre Anlagen hastig umschichten müssen – wie etwa in der Finanzkrise von 2008/2009.
Warnsignale gibt es genug: So sind die wichtigen Aktienmärkte ihrer fundamentalen Entwicklung bereits vorausgelaufen. Die aktuelle Konstellation ähnele stark den Jahren 2005 bis 2007, die dem Einbruch im Zuge der Finanzkrise vorausgegangen sei, mahnt LBBW Research. Trump hätte das Zeug dazu, einen solchen Negativtrend einzuleiten.