Die Gerüchte über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank reißen nicht ab. Foto: dpa

Das Geldhaus und der Chemiekonzern Bayer sind die einzigen Dax-Konzerne, die auf der Liste der größten Kapitalvernichter 2018 landeten. Auch der Autozulieferer Elring-Klinger ist vertreten. Aber es gibt auch heimliche Börsen-Stars.

Frankfurt - Schon wieder eine Ohrfeige für die Deutsche Bank: Neben dem Chemiekonzern Bayer ist das Geldhaus die einzige Aktiengesellschaft aus der ersten Börsenliga, die auf der Liste der „größten Kapitalvernichter“ 2018 landete. Angeführt wird das Negativ-Ranking von Mologen, einem Berliner Pharmaunternehmen mit nur 50 Mitarbeitern. Aber auch an der Spitze der Top-Performer steht eine Firma mit eher geringem Bekanntheitsgrad: die Hypoport-Gruppe, laut Selbstbeschreibung „ein Netzwerk von Technologieunternehmen für die Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft.“

Die Liste der 50 größten Kapitalvernichter wird jährlich von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vorgestellt. Für das Ranking betrachten die Aktionärsschützer nicht nur die Kursentwicklung im Vorjahr, sondern auch über die zurückliegenden drei und fünf Jahre, wobei der Fünfjahreszeitraum am stärksten gewichtet wird. Genauso verhält es sich auch bei den Top-Performern. So stieg der Aktienkurs der Hypoport-AG 2018 nur um zwei Prozent, über die vergangenen fünf Jahre aber um mehr als 1400 Prozent. Das seit 2007 börsennotierte Unternehmen war 2015 in den Auswahl-Index S-Dax aufgenommen worden, was ihm mehr Aufmerksamkeit von Investoren einbrachte.

Börsen-Liebling Wirecard steht mittlerweile in der Kritik

Unter den Unternehmen im Deutschen Aktienindex Dax, also in der ersten Börsenliga, schnitt Neuzugang Wirecard am besten ab. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München steht derzeit allerdings unter erheblichem Druck, weil zu Jahresbeginn Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten am Standort Singapur bekannt wurden. Wirecard bestätigte am Mittwoch die Freistellung eines in diesem Zusammenhang verdächtigten Managers, was der Aktie neuerliche Kursverluste bescherte. Er hätte sich gewünscht, dass das Unternehmen früher von sich aus über seine eigene Untersuchung in Singapur berichtet hätte, kritisierte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding.

Wirecard hatte mit seinem Aufstieg in den Dax im Herbst die Commerzbank verdrängt, mit deren Aktie es seit Jahren bergab geht. Auf der Liste der größten Kapitalvernichter belegt das nunmehr im M-Dax gelistete Kreditinstitut Platz 25. Eine Fusion mit der Deutschen Bank würde den beiden Geldhäusern nicht nützen, meinte DSW-Vizepräsident Nieding zu den Spekulationen über einen Zusammenschluss: „Ich halte das für wirtschaftlich unsinnig. Diese Idee würde auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen.“ Denn die Geschäfte der beiden Banken überschnitten sich so stark, dass eine Fusion massiven Stellenabbau nach sich ziehen würde.

Jenseits der Diskrepanz zwischen strauchelnden Banken und aufstrebenden Neulingen im Finanzsektor fällt im diesjährigen Ranking noch eine weitere Branche auf: Mit Gerry Weber und Tom Tailor finden sich unter den zehn größten Kapitalvernichtern gleich zwei Modehersteller. Gerry Weber ist mittlerweile insolvent.

Autozulieferer aus Dettingen auf Platz acht

Mit Elring-Klinger steht auch ein Unternehmen aus Baden-Württemberg am Pranger. Der Autozulieferer aus Dettingen belegt im Negativ-Ranking den achten Platz. Die Aktien des Unternehmens verbilligten sich im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent, noch stärker als die Anteilsscheine von anderen Zulieferern wie Continental und Schaeffler oder von Autoherstellern wie Daimler. Elring-Klinger hatte im Sommer unter Verweis auf steigende Rohstoffpreise die Gewinnerwartungen für 2018 gesenkt; die Jahresbilanz wird Ende März veröffentlicht.

Das Dax-Schwergewicht Bayer landete auf der Liste der größten Kapitalvernichter auf Platz 34. Die Aktie des Chemiekonzerns leidet seit Jahren unter der Debatte über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Es wird unter anderem für Produkte des US-Unternehmens Monsanto verwendet, das Bayer im Sommer nach langwierigen Genehmigungsprozessen endgültig übernommen hatte. Die Bayer-Aktie brach 2018 um 41 Prozent ein, die der Deutschen Bank sogar um 56 Prozent. Im Schnitt kamen die 30 Dax-Unternehmen auf ein Minus von 18 Prozent.

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