Beim Parteitag in Heidelberg: Manuel Hagel, 37 Foto: Uwe Anspach/dpa

„Diplomierter Bankbetriebswirt“ darf sich der CDU-Chef nach einer Fortbildung nennen. Doch der obligate Zusatz der Hochschule fehlte öfter. Nun wird das korrigiert.

In Wahlkampfzeiten werden Lebensläufe ganz genau durchleuchtet, da sollte sich das Spitzenpersonal keine Blöße geben. Die Grüne Veronika Kienzle musste das erfahren, als sie 2020 Oberbürgermeisterin von Stuttgart werden wollte. Plötzlich kam die Frage auf, ob ihre „Studienabschlussbescheinigung“ von einer Berliner Eurythmieschule wirklich von einem Studium zeuge. Als Hochschule sah sich diese nur selbst, spöttisch war fortan von einem „Tanzdiplom“ die Rede.

 

Ähnliches widerfährt nun auch Manuel Hagel, dem CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026. Beim Parteitag in Heidelberg lag ein Flyer aus, in dem der Lebensweg des 37-Jährigen kurz skizziert war. Zum Beruflichen stand da nur „Diplomierter Bank-Betriebswirt“ und, bis zum Einzug in den Landtag, Filialdirektor der Sparkasse Ehingen. Hat Hagel neben Banklehre und diversen Weiterbildungen also auch ein Diplom, mithin einen akademischen Abschluss vorzuweisen?

Auch Späth und Teufel waren keine „Studierten“

Über die Qualität eines Politikers sagt das eigentlich nichts aus, wie zwei von Hagels erklärten Vorbildern zeigen. Beide beendeten ihre Schulzeit wie er mit der Mittleren Reife: Auch Lothar Späth war kein „Studierter“, Erwin Teufel hatte die Fachhochschule für Verwaltung besucht – doch sie wurden, jeder auf seine Art, zu guten Ministerpräsidenten, die bis heute in hohem Ansehen stehen.

Unschärfe im Lebenslauf

Präzision ist bei Lebensläufen freilich geboten. Schon lange ging das Gerücht um, bei Hagel gebe es da eine Unstimmigkeit oder Unschärfe. Schon im Sommer erbat unsere Zeitung daher genaue Angaben zu seiner beruflichen Vita. Neben Ausbildung und Weiterbildungen war in einer daraufhin übermittelten Übersicht von einer „akademischen Laufbahn“ die Rede. Das bezog sich auf einen Management-Studiengang an der privaten Frankfurt School of Finance & Management, den der Sparkassen-Mann von November 2013 bis November 2014 nebenberuflich absolvierte. Der Abschluss war darin korrekt aufgeführt: „Diplomierter Bankbetriebswirt“ samt Zusatz der Frankfurt School. Als Kaderschmiede für die Finanzbranche hat diese einen guten Ruf, viele Absolventen machen später Karriere.

Der Zusatz der Hochschule gehört zwingend dazu

Im Wahlkampf-Flyer oder auf der Kampagnen-Webseite stand indes nur der reine Abschluss. Ist das so zulässig? Die Antwort des Sprechers der Frankfurt School war eindeutig: Zum Abschluss gehöre der Zusatz der verleihenden Schule, entweder in der Lang- oder Kurzfassung; manche schreiben schlicht „FS“ dazu. Bei Hagel aber fehlte teilweise jeder Hinweis auf die Herkunft. Es handele sich offiziell auch „nicht um einen akademischen Abschluss“, so der Sprecher weiter, sondern um einen „Weiterbildungsabschluss auf akademischem Niveau“. Die Bezeichnung „diplomiert“ verwendet die Frankfurt School übrigens weiterhin, nach Auskunft eines Sprechers inzwischen aber für zwei auf „Leadership“ und „HR-Management“ spezialisierte Weiterbildungen.

Wussten Hagel und seine Leute nicht, dass die Zusatzangabe obligatorisch ist? Dass es eben kein wirklicher akademischer Abschluss ist, den man an einer Hochschule erwirbt? Ein Sprecher des CDU-Spitzenkandidaten beantwortete das nicht explizit. Er bedankte sich aber für den Hinweis unserer Zeitung und gelobte, man werde diesen künftig beherzigen.

Künftig mit Herkunftsangabe

„Die Frankfurt School of Finance & Management ist eine renommierte Hochschule“, hieß es in dem Statement. „Die explizite Nennung in einem Klammerzusatz ist daher ein Kriterium für Qualität und Wertigkeit.“ Man werde die Herkunft des Abschlusses „bei künftigen Publikationen in Klammer dem Abschluss hinzusetzen“. Auf der Kampagnen-Webseite war die unzulässige Kurzfassung am Montag bereits korrigiert.

Bei Veronika Kienzle fiel die „Diplom-Debatte“ am Ende vermutlich kaum ins Gewicht: Sie kam weit hinter dem CDU-Mann Frank Nopper auf gut 17 Prozent – und trat im zweiten Wahlgang nicht mehr an.