Wissenschaftsministerin Theresia Bauer will jungen Ingenieuren Brücken in den Arbeitsmarkt bauen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage halten sich Unternehmen mit Einstellungen zurück. Das trifft Maschinenbauer, Entwickler und Informatiker. Jetzt hat die Landesregierung neun Millionen Euro zur Verfügung gestellt. 500 Ingenieure können profitieren.

Stuttgart - Die Landesregierung stellt neun Millionen Euro zur Verfügung, um Absolventen der Ingenieurwissenschaften und der Informatik eine Brücke in den Arbeitsmarkt zu bauen. Mit dem Geld sollen bis zu 500 junge Akademiker ein Jahr lang finanziert werden. Das Projekt, das einmalig in der Bundesrepublik ist, steht im Zusammenhang mit Corona. Die Pandemie hat zu massiven Einbrüchen in der Wirtschaft geführt. Junge Ingenieure, die vor der Krise händeringend von den Unternehmen gesucht wurden, haben in der zurzeit unsicheren Lage kaum eine Chance.

Insgesamt haben im Prüfungsjahr 2019 an den Hochschulen im Südwesten rund 11 500 junge Leute mit Bachelor und 7500 mit Master im Bereich Ingenieurwissenschaften abgeschlossen. Zudem haben rund 4000 ein duales Studium in den Bereichen erfolgreich abgeschlossen. Zahlen, wie viele davon noch keinen Job haben, gibt es nicht. Nur so viel: 200 junge Ingenieure, die im vergangenen Jahr ihren Abschluss gemacht haben, haben sich arbeitslos gemeldet, sagt Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Es sind etwa Maschinenbauer, Entwickler und Konstrukteure sowie Informatiker. Teilweise stehen sie bereits seit einem Jahr in der Kartei. Und dies dürfte nur ein Teil der Arbeitsuchenden sein. Denn Absolventen haben teilweise überhaupt kein Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Mittelfristig werden die Fachkräfte gebraucht

Wie schwierig die aktuelle Lage ist, macht der Vergleich deutlich: Vor Corona hatten angehende Ingenieure häufig bereits ein Jahr vor ihrem Abschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Vor allem mittelständische Unternehmen halten sich wegen der wirtschaftlichen Lage mit Einstellungen zurück. Nicht einmal Praktika würden derzeit vergeben. Gleichzeitig würden mittelfristig aber dringend Fachkräfte gebraucht, denn Strukturwandel und Digitalisierung beherrschen nach wie vor den Arbeitsmarkt.

„Einen verlorenen Coronajahrgang können wir uns nicht erlauben“, sagt denn auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), die das Projekt vorgestellt hat. Mit dem „Brückenprogramm Ingenieurwissenschaften“, so der Name, soll auch ein Beitrag zum Erhalt der Innovationsfähigkeit Baden-Württembergs geleistet werden, fügt sie hinzu. Bauer will ein Signal setzen, wie sie sagt. Sie wolle verhindern, dass ein ganzer Jahrgang benachteiligt wird.

150 Unternehmen haben Interesse

Die Mint-Absolventen, die von dem Projekt profitieren, werden für ein Jahr bei der Apontis GmbH, einer Tochtergesellschaft des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft (Biwe), eingestellt. Mint steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. „Ziel ist es, über erste befristete Projekteinsätze die jungen Mint-Talente dauerhaft in hochinnovativen Unternehmen Baden-Württembergs zu vermitteln“, erläutert Stefan Küpper, Sprecher der Geschäftsführung der Biwe-Gruppe. „Wir setzen bewusst auf den Klebeeffekt“, fügt er hinzu. Soll heißen: Die Unternehmen sollen sich von der Qualifikation der jungen Leute überzeugen und sie fest einstellen. Das Interesse der Wirtschaft an dem Projekt scheint vorhanden. 150 Unternehmen hätten bereits im Vorfeld ihre Teilnahme signalisiert, sagt Küpper. Zuletzt seien noch zwei hinzugekommen. „Das ist nicht das Ende der Fahnenstange“, fügt er hinzu.

Aber die Absolventen werden nicht nur projektbezogen an Unternehmen vermittelt. In ihrer „freien Zeit“ sollen sie auch qualifiziert werden. Firmen wünschten sich Qualifikationen in den Bereichen Informationstechnik, Prozess- und Methodenkompetenz sowie Geschäftsenglisch.

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