Arbeitskreis 11. Juli fordert Aufklärung der Vorfälle bei der Abi-Feier in Sindelfingen.

Sindelfingen - Rund 20 Teilnehmer der Abifeier des Goldberg-Gymnasiums, die Sonntagnacht in einer Auseinandersetzung mit der Polizei endete, haben den "Arbeitskreis 11. Juli" gegründet. Sie fordern die "restlose Aufklärung der polizeilichen Angriffe auf Feiernde" und die Einstellung der Strafverfahren gegen zwei Abiturienten.

Aus über 20 Gedächtnisprotokollen und Zeugenaussagen sei das Geschehen vor und in der Sindelfinger Stadthalle rekonstruiert worden, so am Dienstag der Sprecher des Arbeitskreises. Das Ergebnis deckt sich weitgehend mit dem, was Teilnehmer der Feier schon tags zuvor dieser Zeitung berichteten. Auch die Polizei bleibt bei ihrer Darstellung der Vorfälle, will aber noch weiterermitteln und Zeugen vernehmen. Geprüft werde auch "das Verhalten unserer Kollegen", so ein Böblinger Polizeisprecher am Dienstag.

Für die "Bullenschweine" hat sich der Abiturient entschuldigt

Zwei Beamte des Sindelfinger Reviers waren am Sonntag gegen 3.40 Uhr zur Stadthalle gefahren. Anwohner hatten sich wegen Ruhestörung beschwert. Vor der Halle "saß eine Gruppe musizierender Jugendlicher zusammen mit 50 bis 70 anderen Feiernden", erklärt der Arbeitkreis. Die Polizei spricht von circa 40 Personen.

Unstrittig ist, dass ein Abiturient mit Gitarre "Wir wollen keine Bullenschweine" spielte und sang. Dafür hat sich der 20-Jährige am Montag beim Sindelfinger Revierleiter schriftlich entschuldigt. Er habe nicht bemerkt, dass "bereits zwei Beamte direkt hinter mir standen". Dass diese sich "durch das Singen dieses Liedes provoziert und beleidigt fühlten, kann ich verstehen. Ich bedauere dies ausdrücklich und möchte mich dafür entschuldigen". Der Sprecher des Arbeitskreises betont, dass der Abiturient damit aber nicht den "weiteren Beschuldigungen durch die Polizei" zustimmen würde.

Bei der Auseinandersetzung waren insgesamt 14 Streifenbeamte im Einsatz. Die von den zuerst eingetroffenen Polizisten angeforderte Verstärkung habe wahllos mit Schlagstöcken auf Leute eingeprügelt, behaupten Teilnehmer der Feier. Der 20-Jährige und ein weiterer Abiturient waren in der Nacht vorläufig festgenommen worden. Beide seien von Beamten verletzt worden, erklärt der Arbeitskreis. Beim Abtransport sei einer durch einen Schlag mit dem Schlagstock ans Bein niedergestreckt worden. Am Boden liegend, sei er dann noch aufs Auge geschlagen worden. Auf der Polizeiwache sei ihm ein Arzt ebenso verweigert worden wie ein Anruf beim Rechtsanwalt.

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