Die Preise auf Airbnb steigen während dem Cannstatter Volksfest (Symbolbild) Foto: IMAGO / photothek/ imagebroker

Während des Cannstatter Volksfests steigen die Preise auf Airbnb und Co. Eine Möglichkeit, daraus Profit zu schlagen? Ein Stuttgarter spricht über seine Erfahrungen.

Wenn das Cannstatter Volksfest läuft, herrscht Ausnahmezustand in Bad Cannstatt. Millionen Besucherinnen und Besucher drängen in die Stadt, Hotels sind oft ausgebucht oder werden immer teurer. So manche Stuttgarterinnen und Stuttgarter dürften sich in diesen Tagen die Frage stellen: Lässt sich daraus auch privat Profit schlagen?

 

Bo (Name geändert) hat es ausprobiert. Der junge Mann aus Bad Cannstatt vermietete im vergangenen Jahr erstmals seine Wohnung über die Online-Plattform Airbnb – zunächst während der Fußball-EM im Juni 2024, später auch zum Volksfest. Möglich war das nur, weil er zeitweise auf eine andere Unterkunft ausweichen konnte. Öffentlich über die Hintergründe sprechen will er nicht: „Ich möchte anonym bleiben, es ist ja ein heikles Thema“, sagt er.

Schnell eingerichtet, aber mit Aufwand verbunden

Der Einstieg sei überraschend einfach gewesen. „Etwa zwei Stunden habe ich gebraucht, um das Inserat anzulegen“, erzählt Bo. Deutlich mehr Zeit kostete es jedoch, die Wohnung vorzubereiten: Einen ganzen Tag räumte er persönliche Dinge aus den Regalen und Schränken. „Da fragt man sich schon: Wie sehr kann man Fremden vertrauen?“ Ganz steril wollte er die Räume allerdings nicht hinterlassen. Ein Bilderrahmen blieb an der Wand, kleine Alltagsgegenstände ebenfalls. „Und genau das mochten viele meiner Gäste – sie hatten das Gefühl, in einem echten Zuhause zu sein“, erzählt er.

Preislich orientierte er sich an vergleichbaren Angeboten auf Airbnb und anderen Portalen – und setzte bewusst im oberen Segment an. 260 Euro pro Nacht verlangte er – für die kleine 1,5-Zimmer-Wohnung, etwa 40 Quadratmeter groß. Trotz des hohen Preises seien die Buchungen schnell eingegangen. „Das ging weg wie warme Semmeln“, sagt er. Von den Einnahmen zog Airbnb rund zehn Euro pro Nacht ab, übrig blieben 250 Euro. Ungefähr zehnmal habe er die Wohnung vermietet, insgesamt sei er wohl auf 2.500 Euro gekommen, erinnert sich Bo.

Während des Volksfestes kommen etwa vier Millionen Besucher auf den Wasen. Viele davon reisen von außerhalb an und übernachten in Stuttgart. Foto: Lichtgut

Welche rechtlichen Grundsätze es in Stuttgart zu beachten gibt, dazu äußert sich Airbnb auf seiner Seite. „Es gibt keine zeitliche Begrenzung, wenn du weniger als 50 % deines Wohnraums vermietest. Wenn du mehr als 50 % deines Wohnraums vermieten möchtest, ist dies bis zu zehn Wochen pro Kalenderjahr mit einer Registrierungsnummer möglich“, führt das Portal aus. Darüber hinaus sei eine entsprechende Genehmigung notwendig, heißt es. Ausführliche Informationen stellt im Zweifel außerdem auch das Baurechtsamt Stuttgart zur Verfügung.

Hoher Reinigungsaufwand

Die meisten Gäste blieben nur eine Nacht, manche auch über das Wochenende, erzählt er. „Das war für mich ideal – so ließ sich die Vermietung gut mit meinem Job vereinbaren. Unter der Woche konnte ich dann in Ruhe putzen“, erzählt Bo. „Aber den Aufwand sollte man nicht unterschätzen“, betont der Stuttgarter. Schließlich gehe es nicht nur um eine oberflächliche Reinigung. Er habe nach dem Besuch der Gäste etwa auch die Bereiche hinter dem Bett oder unter der Couch gecheckt oder gereinigt.

Im Freundeskreis habe es gemischte Reaktionen gegeben. Manche fanden es befremdlich, Wohnraum in Zeiten knapper Mietangebote auf Zeit zu vermieten. Bo selbst sieht das pragmatisch: „Weil es nur wenige Tage waren, konnte ich das mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich war zu der Zeit froh über das Geld.“

Käse in der Küche

Die Erfahrungen mit den Gästen waren überwiegend positiv. „Die meisten haben die Wohnung ordentlich hinterlassen.“ Doch es gab auch Ausreißer: Einmal erschienen statt drei angekündigten Personen gleich fünf und das in einer Wohnung, die nur mit einem Bett und einer Schlafcouch ausgestattet ist. „Die anderen wollten auf dem Boden auf einer Isomatte schlafen“, erinnert sich Bo. Ein anderes Mal sei die Küche komplett verdreckt gewesen: „Alles voller Käse – wirklich unverschämt.“

Um Risiken zu reduzieren, ließ Bo keine Sofortbuchungen über die App zu, sondern nutzte das Anfrage-System von Airbnb. „So konnte ich mir die Profile anschauen und entscheiden. Das würde ich auch anderen empfehlen.“ Auch auf ein Schlüsselkästchen mit Sicherheitscode, eine typische Alternative bei Airbnb-Wohnungen, verzichtete er: „Ich habe die Schlüssel immer persönlich übergeben, um einen Eindruck von den Leuten zu bekommen.“

Bos Fazit

Finanziell hat sich das Experiment gelohnt, bilanziert Bo – trotz des hohen Aufwandes. Dennoch will er seine Wohnung aktuell nicht mehr vermieten – ganz einfach, weil er momentan keine Ausweichmöglichkeit mehr hat.