Die letzten Air-Berlin-Passagiere in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das letzte Kapitel von Air Berlin wird jetzt geschrieben und die letzten Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft erhalten die Kündigung. Eine Auffanggesellschaft scheiterte.

Berlin/Stuttgart - Das war’s. Mit dem letzten Flug AB 6210 von München nach Berlin am späten Freitagabend hat bundesweit das Schlusskapitel von Air Berlin begonnen. Nun folgt das abschließende Insolvenzverfahren und Tausende Mitarbeiter, die bis zuletzt auf eine Auffanglösung gehofft hatten, erhalten die Kündigung. Kein schönes Ende für die zweitgrößte deutsche Fluglinie, deren lukrative Teile sich Marktführer Lufthansa schnappt, falls die Kartellbehörden mitspielen.

Was bleibt, ist ein sehr bitterer Nachgeschmack. Mit einem 150-Millionen-Euro-Kredit verhinderte die Politik zwar nach dem Insolvenzantrag am 15. August das sofortige Aus. So blieben Zehntausende Reisende davon verschont, irgendwo im Ausland zu stranden. Doch den größten Nutzen hatte die Lufthansa, die sich frühzeitig und mit fragwürdiger Unterstützung der Bundesregierung den Zugriff auf große Teile der Flotte und den begehrten Ferienflieger Niki sichern konnte.

Krasses Beispiel für Missmanagement

Schon im Frühjahr war Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit Kanzlerin Merkel eigens nach Abu Dhabi gereist, um den Ölscheichen am Golf den Deal schmackhaft zu machen. Der dortige Großaktionär Etihad hat Air Berlin mit Finanzspritzen von insgesamt wohl zwei Milliarden Euro über Jahre am Leben gehalten, um sich mehr Zugang zum Markt in Europa zu sichern.

Zur bitteren Wahrheit gehört auch: Ohne diese gigantischen Hilfen wäre Air Berlin nach einer gescheiterten Expansion längst Pleite gewesen. Die Airline ist ein krasses Beispiel für fatales Missmanagement hoch bezahlter Manager und Schönredner, das in die Lehrbücher eingehen wird. Trauriger Höhepunkt: Das Millionengehalt von 4,5 Millionen Euro für den letzten Chef von Air-Berlin, Thomas Winkelmann. Der langjährige Lufthansa-Manager trat erst im Frühjahr sein Amt an, bestellte in der Air-Berlin-Zentrale das Feld für seinen bisherigen Arbeitgeber – und kassiert für sein Amt als Totengräber nun 4,5 Millionen Euro bis 2021.

Nur wenige Kunden bekommen verbilligte Tickets

Die Auffanggesellschaft für die übrigen mehr als 8000 Beschäftigten dagegen scheiterte. Nur eine Mini-Lösung wird es wohl geben. Hier sieht sich Lufthansa trotz Rekordgewinnen auch moralisch nicht in der Pflicht. Und es brauchte lange, bis der Konzern wenigstens einem kleinen Teil der mehr als 100 000 Kunden, die nun wertlose Air-Berlin-Tickets in Händen halten, wenigstens vergünstigte Preise bei der Neubuchung von Flügen zusagte, die nun Eurowings übernimmt. Dort darf sich nun Flugpersonal des insolventen Konkurrenten um deutlich schlechter bezahlte Jobs bewerben.

Kein schönes Ende also für Air Berlin. Zumal die Lufthansa im Inland und in Österreich auf vielen Strecken fast zum Alleinanbieter würde. Weniger und teurere Angebote für Flugreisende wären die Folge. Das zumindest könnten die Kartellwächter mit strengen Auflagen verhindern – und dafür sorgen, dass auch Konkurrenten wie Easyjet oder Condor Teile der begehrten Start- und Landerechte erhalten.

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