Viertklässler aus Aidlingen testen die Tafeln des Naturlehrpfads. Foto: factum/Simon Granville

Mit einem neuen Erlebnispfad soll das Naturschutzgebiet attraktiver werden. Sieben Informationstafeln, die speziell für Kinder konzipiert wurden, zeigen die Flora und Fauna der Wacholderheide.

Aidlingen - Vom Aidlinger Venusberg aus hat man einen guten Blick auf das Sindelfinger Mercedes-Benz-Werk. Diese Sichtbeziehung symbolisiert die Vielfältigkeit des Landkreises, der in Baden-Württemberg als der Industriekreis gilt: mit dem weltweit größten Produktionswerk von Daimler-Autos, dem Entwicklungszentrum des Konzerns, dem Forschungszentrum des Autobauers Porsche und vielen weiteren global agierenden Unternehmen.

„Doch der Kreis hat weit mehr zu bieten als Industrie: eine reiche Natur mit einer ganz eigenen Fauna und Flora“, sagte der Landrat Roland Bernhard am Montagvormittag auf dem Venusberg. Dort weihte er mit weiterer Prominenz und einer vierten Klasse der örtlichen Grundschule einen neuen Erlebnispfad auf dem Berg ein.

Wacholderheide prägt den Venusberg

Geprägt wird die Landschaft rund um Aidlingen von der Wacholderheide. Schäfer halten mit ihren Tieren die Pflanzen dort flach, sodass der Charakter der Landschaft bestehen bleibt. 1985 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt – es ist das größte im Kreis Böblingen. Richtig berühmt wurde der Venusberg 2002 mit einer Ausstellung, bei der überregional bekannte Künstler auf einem Kunstpfad am Berg 36 Skulpturen aufstellten. Ein Jahr lang war die Ausstellung „Eigenart“ zu sehen. „In dieser Zeit haben 100 000 Besucher den Venusberg erkundet“, sagt der Regierungspräsident Wolfgang Reimer am Montag. Seither ist der Berg etwas in Vergessenheit geraten. Ein neues Projekt soll das nun ändern.

Denn der neu eröffnete Pfad rückt die einzigartige Natur des Gebiets in den Vordergrund. Auf einem etwa zweieinhalb Kilometer langen Pfad wurden sieben Tafeln installiert, die die Flora und Fauna erklären. Das Besondere daran: Die Tafeln sind extra für Kinder konzipiert. Ein Vogel – der Neuntöter Linus – führt die kleinen und auch großen Besucher über den Venusberg­. Er erklärt, warum Wiesen nicht vor Juni gemäht werden dürfen (weil die Kräuter Zeit brauchen, um sich zu vermehren), welche Funktion die Hecken­ haben (sie dienen Insekten und Vögeln als Nistplätze), welche Beeren im Naturschutzgebiet wachsen und welche Schmetterlingsarten sich im Naturschutzgebiet tummeln. Eine Tafel zeigt Fotos der Blumen, die auf dem Berg wachsen. So können die Spaziergänger nachschauen, wie diese heißen.

Eine Tafel beispielsweise informiert über die vielen verschiedenen Vogelarten, die auf den Venusberg leben, eine andere erklärt die Lebensräume Wiese, Hecke und Steinriegel. Die durchweg analog gehaltenen Tafeln sind alle interaktiv: Es gibt bewegliche Elemente wie Rollen, Scheiben und Bildkärtchen, die sich drehen oder schieben lassen. Die Idee zu diesem Naturerlebnispfad hatte der Aidlinger Bürgermeister Ekkehard Fauth. Sein Vorschlag stieß beim Regierungspräsidium­ (RP) auf offene Ohren. Ulrike Möck, die Referatsleiterin Natur beim RP, beauftragte daraufhin die Diplom-Geografin Ulrike Kreh und das Ingenieurbüro Wegweiser, die die Tafeln entwarfen.

Die Spaziergänger sollen gelenkt werden

Zwei Funktionen haben diese. „Zum eine sollen sie die Bürger informieren, , vor allem die Kinder“, sagt der Regierungspräsident Wolfgang Reimer. „Zum anderen aber wollen wir die Bürger mit den Tafel auch ein wenig lenken.“ Denn es sei schön, wenn viele Besucher die Natur auf dem Venusberg erkunden. „Wir wollen aber nicht, dass am Wochenende die Massen hier oben alles kaputt trampeln und geschützte Pflanzen pflücken.“

Vor allem Schulkassen unter der Woche und Familien mit Kindern am Wochenende und in den Ferien will man mit dem neuen Erlebnispfad anlocken. Die Testpersonen – die Viertklässler der Aidlinger Buchhaldenschule – waren jedenfalls begeistert von den Infotafeln.

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