Mit der Blumenwerkstatt von Andrea Dilger schließt zum Jahresende im Aichwalder Ortsteil Aichelberg auch die Postagentur. Die Gründe.
Blumen sind die große Leidenschaft von Andrea Dilger. Fast 30 Jahre lang führte die gelernte Floristin ihre Blumenwerkstatt im Aichwalder Ortsteil Aichelberg. Zum Jahresende will sie ihr Geschäft am Ölschlägerweg aus persönlichen Gründen schließen.
Von Anfang an in den Laden integriert war auch eine Postagentur, die ebenfalls zum Jahresende schließen wird. Für die von ihr angebotene Grabpflege habe sie einen Nachfolger gesucht und bereits gefunden, der diese Aufgabe übernommen hat. Die Pflege der Gräber müsse ja weitergehen. „Ich will neue Wege gehen und blicke mit ein wenig Wehmut und großer Dankbarkeit auf die vergangenen 30 Jahre zurück“, sagt Andrea Dilger. Ob sie etwas vermissen wird? „Natürlich, das Geschäft war mein Kind und mein Leben“, sagt sie. Besonders fehlen werde ihr auch die große Wertschätzung, die ihr die Kunden in der Vergangenheit entgegengebracht hätten.
Blumen aus dem großen Garten der Eltern
Angefangen hatte Andrea Dilger im Jahr 1996, allerdings mit einem Getränkemarkt, den sie von einem Vormieter übernommen hat. Anfang der 1960er-Jahre hatte ihr Großvater in den Räumlichkeiten neben ihrem Elternhaus eine Werkstatt eingerichtet, wo er unter anderem Aquarien für die Wilhelma baute. Gleich zu Beginn sei sie von der Deutschen Post angesprochen worden, ob sie nicht zusätzlich eine Agentur aufmachen wolle. „Im nächsten Jahr hätte ich damit das 30-jährige Bestehen gefeiert“, sagt Andrea Dilger etwas wehmütig.
Die Umwandlung des Getränkemarkts zum Blumengeschäft verlief schleichend. Mit den Blumen aus dem großen Garten ihrer Eltern bot die Aichelbergerin nebenher selbst gebundene Blumensträuße an. „Die waren immer schnell weg, und die Leute fragten mich, ob ich nicht noch mehr hätte“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Später sei sie gefragt worden, ob sie nicht auch Hochzeiten und Beerdigungen mache. „Ich habe mich immer an alles ran gewagt und ausprobiert“, sagt Andrea Dilger.
„Ein vergangenes Leben durch Blumen aufleben lassen“
Besonders gerne habe sie sich um die sogenannte Trauerfloristik gekümmert. „Es war immer schön, ein vergangenes Leben durch die Wirkung von Blumen noch einmal aufleben zu lassen“, sagt sie. Auch als jemand ihr vorschlug, Grabpflege auf den Aichwalder Friedhöfen anzubieten, habe sie nicht Nein gesagt. Das sei einfach naheliegend gewesen.
Der Laden lief gut, und die Blumenwerkstatt entwickelte sich schnell zu einer Institution in Aichelberg. Das alles hatte jedoch seinen Preis. „Von den letzten beiden Jahren abgesehen habe ich den Laden nie geschlossen“, erzählt sie. Doch sei das nur möglich gewesen, weil sie immer genügend Personal gehabt hätte. „Das zu finden, ist in den vergangenen Jahren jedoch immer schwerer geworden und mit immer höheren Kosten verbunden gewesen“, so die Geschäftsfrau weiter.
„Die Zeiten haben sich einfach geändert“
Als eine langjährige Mitarbeiterin sich kürzlich beruflich verändern wollte und aus persönlichen Gründen aufhörte, musste Andrea Dilger auch ihr Angebot ausdünnen. „Vieles konnte ich nicht mehr anbieten“, erzählt sie. So gab sie beispielsweise die Grabpflege ab und schränkte die Öffnungszeiten ein. „Dann habe ich gemerkt, dass das wirtschaftlich alles so nicht mehr funktioniert“, erzählt sie. Die Kundschaft sei zusammen mit ihr älter geworden, gestorben oder weggezogen und die jungen Leute hätten ein anderes Einkaufsverhalten. „Die Zeiten haben sich einfach geändert“, sagt Andrea Dilger.