Die Stadt Aichtal (Kreis Esslingen) muss drastisch sparen. Das wirkt sich schon jetzt auf den Betrieb des Gartenhallenbades aus. Es droht gar das endgültige Aus. Wie geht es weiter?
In seinem Weihnachtsgruß schlägt Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz ernste Töne an: „Unsere Stadt steht vor Herausforderungen, die wir nicht kleinreden dürfen. Die Finanzkrise der Kommunen ist real – und sie trifft auch Aichtal“, stimmt er die Einwohner auf harte Zeiten ein. Dass die Spielräume enger werden, bekommen sie bereits konkret zu spüren: Das beliebte Gartenhallenbad im Stadtteil Neuenhaus bleibt tageweise geschlossen.
Nach Angaben der Stadtverwaltung müssen die Öffnungszeiten aufgrund von Personalmangel reduziert werden: Das Bad ist demnach am Donnerstag, 18.Dezember, am Wochenende 20./21. Dezember, sowie vom 2. bis 4. Januar außerplanmäßig zu. Diese Maßnahme ist erforderlich, weil ein Mitarbeiter fehlt – und man dadurch den auch aus Sicherheitsgründen vorgegebenen Mindestpersonalschlüssel nicht gewährleisten kann.
Eine schnelle Lösung des Problems ist nicht in Sicht, denn der Gemeinderat hat mit Blick auf die angespannte Haushaltslage beschlossen, die Stelle vorerst nicht neu auszuschreiben oder einen externen Dienstleister zu beauftragen. „Der Austritt eines Mitarbeiters löst grundsätzlichen personellen Handlungsbedarf aus“, heißt es in der Mitteilung aus dem Rathaus. Wie es zukünftig weitergehen soll, diese Frage soll „im Zusammenhang mit anderen das Hallenbad betreffenden Punkten geklärt werden“, kündigt die Stadtverwaltung an.
Betrieb des Gartenhallenbades verursacht jedes Jahr hohes Defizit
Das Gartenhallenbad steht in den laufenden Haushaltsberatungen zur Disposition. Der laufende Betrieb verursacht nämlich ein Defizit von rund 600 000 Euro jährlich – Geld, dass die Stadt Aichtal nicht mehr aufbringen kann. Im Haushalt 2026 wird ein Minus von rund 4,3 Millionen Euro erwartet. In der mittelfristigen Planung summieren sich die Fehlbeträge bis zum Jahr 2028 auf etwa zehn Millionen Euro, informiert die Verwaltung. Man werde „Entscheidungen treffen müssen, die wehtun“, räumt der Bürgermeister ein.
Um die Zukunft des Hallenbades zu sichern, hat sich Kurz nicht nur an das Land mit der Bitte um finanzielle Unterstützung gewandt, sondern auch an acht Nachbarkommunen. Schließlich werde die Einrichtung regelmäßig von Schulen aus Bempflingen, Altdorf, Altenriet, Großbettlingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Walddorfhäslach und Schlaitdorf für den Schwimmunterricht genutzt. Aus Sicht der Stadt Aichtal wäre es gerecht, wenn die Hälfte des Defizits anteilig auf die beteiligten Gemeinden verteilt werden, betont Kurz. Nur so könne das Gartenhallenbad als regionale Bildungseinrichtung erhalten bleiben.
Aichtals Nachbarkommunen sollen sich bis Ende Februar erklären
Die Zahlungsbereitschaft ist jedoch gering. Altdorf und Bempflingen haben bereits signalisiert, dass sie eine Kostenbeteiligung ausschließen. Von den anderen Kommunen erhofft sich Aichtals Bürgermeister bis spätestens Ende Februar nächsten Jahres eine Rückmeldung. Über die Schließung des Gartenhallenbades soll der Gemeinderat im Herbst kommenden Jahres final entscheiden.
Der Druck auf die Lokalpolitiker ist groß: Eine von der DLRG-Ortsgruppe Aichtal initiierte Online-Petition für den Erhalt des Bades haben inzwischen 4132 Menschen unterzeichnet. Sie betonen, die Schließung sei nicht alternativlos. Der langfristige Erhalt sei möglich „durch die Reduzierung der Betriebskosten durch effizientere Strukturen, eine stärkere Einbindung ehrenamtlicher Unterstützung, Kooperationen mit Nachbargemeinden sowie gezielte Investitionen in moderne und energiesparende Technik“.