Aiara Iturrioz Rico, hier als Tänzerin beim neuen Noverre-Abend in Aurora de Moris Choreografie „Ajna“, hat in der Coronapandemie Ballettunterricht für Kinder in Kenia gegeben. Foto: Stuttgarter Ballett/SB

Die in der Coronapandemie frei gewordene Zeit wollte die Stuttgarter Tänzerin Aiara Iturrioz Rico sinnvoll nutzen. Sie gibt Ballettunterricht für Kinder in Kenia und organisiert nun eine Live-Aufführung.

Stuttgart - Wie Fußball ist Ballett für viele Kinder in den Elendsvierteln der Welt ein Strohhalm. Das millionenfach geklickte Youtube-Video eines elfjährigen Jungen aus Nigeria, der mit Grand Jetés und Pirouetten dem Matsch trotzt, zeigt, was sie antreibt. Es ist nicht die Hoffnung, vom Slumdog zum Millionär zu werden. Es geht darum, wie man Haltung wahrt; wie man dem Chaos um einen herum mit der Disziplin und der klaren Ästhetik des Balletts etwas entgegensetzt – und ihm so entkommt.

Dem Ziel, Kinder in Afrika stark zu machen, hat sich im zurückliegenden Jahr auch die Stuttgarter Tänzerin Aiara Iturrioz Rico verschrieben. Die Baskin nutzte das Mehr an freier Zeit in der Coronapandemie, um sich bei der Organisation Artists Alliance for Africa (AAA, Allianz der Künstler für Afrika) zu engagieren und gab über Zoom jungen Schülerinnen und Schülern in Kenia Ballettunterricht.

Live aus der Cranko-Schule

Nun geht die Gruppentänzerin des Stuttgarter Balletts mit Unterstützung ihres Intendanten einen Schritt weiter und überträgt ein eigens für diesen Zweck zusammengestelltes Tanzprogramm nach Afrika. In „Dances for Kenia“ sind vor allem die Tänzer involviert, die nicht an den letzten beiden Produktionen der Kompanie beteiligt waren. Der Abend, der live von der Probebühne der Cranko-Schule exklusiv in die kenianische Partnerschule übertragen wird, zeigt nicht nur Höhepunkte aus dem Stuttgarter Repertoire wie Auszüge aus „Schwanensee“ und „Dornröschen“. Die Tänzer und Choreografen Louis Stiens und Shaked Heller steuern zudem eine Improvisation bei und Aurora De Mori zeigt ihr Noverre-Werk „Ajna“.

Ballettintendant Detrich freut sich über den Einsatz seiner Tänzerin und sagt: „Es ist toll, wie sich Aiara in dieser Zeit engagiert und ich freue mich, dass das Stuttgarter Ballett mit diesem Projekt einen Beitrag zu der wertvollen Arbeit von AAA leisten kann.“

Ehemalige Stuttgarter Tänzer wollen Zeichen setzen

Die Organisation AAA gründeten Julia Bergua und Nicholas Jones, beides Ehemalige des Stuttgarter Balletts, 2017 in Kanada. Involviert sind auch die beiden Brüder von Nicholas Jones, von denen vor allem Alexander als Solist beim Stuttgarter Ballett Spuren hinterlassen hat, sowie Robert Robinson, in Stuttgart ebenfalls kein Unbekannter. AAA arbeitet eng mit der Wohltätigkeitsorganisation Anno’s Africa / One Fine Day zusammen. Ziel ist es, Kindern in Kenia den Zugang zu künstlerischen Aktivitäten, wie Ballett- und Musikunterricht, zu ermöglichen und gleichzeitig die kenianische Kultur zu stärken. Spenden machen die Versorgung mit dem nötigen Equipment wie Ballettstangen, Trainingskleidung und Spitzenschuhen und jetzt die Live-Übertragung möglich.

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