Die Ahmadiyya-Gemeinde in Weil der Stadt lädt Besucher in die Moschee ein. „Liebe für alle, Hass für keinen“ ist das Motto der islamischen Gemeinschaft.
Willkommen, sagt Noor Ud Din Ashraf und lächelt freundlich. Am Tag der deutschen Einheit hat die Ahmadiyya Muslim Gemeinde wieder zum Tag der offenen Tür in die Qamar Moschee in Weil der Stadt geladen. Dort am hinteren Rand des Gewerbegebiets steht das große weiße Gebäude mit der blauen Kuppel, wo sich das Gemeindeleben der Angehörigen dieser islamischen Religionsgemeinschaft aus Weil der Stadt, Renningen und Leonberg, aber auch aus dem weiteren Umfeld abspielt. Noor Ud Din Ashraf ist seit vier Jahren der Imam der Gemeinde, die etwa 180 Mitglieder hat, die regelmäßig die Moschee besuchen oder an Veranstaltungen teilnehmen. Die meisten kommen wie er selbst aus Pakistan, viele auch aus Indien. „Aber wir predigen auf Deutsch“, betont er. Erst danach wird in andere Sprachen übersetzt.
Zweimal im Jahr öffnet das Haus, das es seit 2008 gibt, seine Türen. Am Eingang heißt es erst einmal, Schuhe ausziehen, denn der große Raum, in dem sich Gläubige zum Gebet niederknien, ist mit vielen weichen Teppichen ausgelegt. Für die Besucherinnen und Besucher sind an diesem Tag zahlreiche Informationstafeln aufgestellt, die über die Grundzüge der Gemeinschaft und des Islam informieren. Auf Tischen liegen aufgereiht Exemplare des Koran im arabischen Originaltext und vielen anderen Sprachen. „Sprecht mit uns, habt keine Berührungsängste“, soll die offene Tür signalisieren, erklärt der Imam. „Wir sind keine missionarische Gemeinde, sondern wir klären die Leute über unsere Religion auf“, sagt Noor Ud Din Ashraf und fügt hinzu: „Wir verstehen uns als Reformgemeinde innerhalb des Islam.“
An Silvester Müll wegräumen
Diese wurde 1889 im damaligen indisch-pakistanischen Raum von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad gegründet, der von den Mitgliedern der Religionsgemeinschaft als der „Verheißene Messias und Imam Mahdi des Islam“ angesehen wird. Mehrere Millionen Menschen weltweit gehören der Gemeinschaft an, die sich nach eigenen Angaben für die strikte Trennung von Politik und Religion einsetzt. Dennoch ist es der Gemeinde wichtig, mit dem Tag der offenen Tür ihre Verbundenheit mit dem Land zu zeigen, in dem sie leben. „Wir sind alle Deutschland“, lautet daher ein Slogan. „Wir versuchen, diesem Land etwas zurückzugeben“, so der Imam. Schon der Gründer habe gesagt, dass man das Land, in dem man lebt, lieben soll. Das machen die Gläubigen in Weil der Stadt, Renningen und Leonberg auch dadurch deutlich, dass sie seit Jahren am Neujahrstag den Müll wegräumen, den andere nach der Silvesterknallerei liegen lassen. „Sauberkeit ist ein Teil des Glaubens“, sagt der Theologe.
Frauen beten in einem separaten Raum
„Wir wollen die Herzen vereinen, Menschen sollen in Frieden und Harmonie zusammenleben“, beschreibt der Imam. Die Moschee sei als Haus Gottes grundsätzlich offen für jeden. Auch gebe es gute Kontakte zu den anderen Religionsgemeinschaften in der Umgebung. Er zeigt auf das Gebäude der Christus-Gemeinde, einer evangelischen Freikirche, in Sichtweite der Moschee. Erst dieses Jahr habe man mit den anderen Kirchen im Ort das Friedensgebet veranstaltet.
Am Tag der offenen Tür gibt es für Gäste Führungen durch die Moschee. So hat sich etwa eine Wandergruppe des Schwäbischen Albvereins aus Leonberg angekündigt. Dabei kann man auch einen Blick in den Gebetsraum der Frauen werfen. Dort betont die 16-jährige Anceqa, dass „bei uns auf Erziehung und Bildung großen Wert gelegt wird.“ Die Schülerin, die später mal „was mit Medizin“ machen möchte, erklärte das Motto der Gemeinschaft: „Liebe für alle, Hass für keinen“. Man solle niemanden schlecht behandeln, sondern immer mit Respekt. „Die Geduld dafür muss da sein“, sagt die junge Frau mit einem strahlenden Lächeln.