Rekordsommer oder Horrorjahr – auf jeden Fall Folge des Klimawandels: Diese Kühe stehen nicht in einer Savanne in Afrika, sondern auf einer ausgetrockneten Weide in Sachsen-Anhalt. Foto: dpa

Mehr Personal, mehr Leistung, mehr Anerkennung: Die Ludwigsburger Energieagentur startet neu durch. Dabei erschien ihr Ende zuletzt näher denn je. Für die Menschen im Landkreis ist die Wende ein großes Glück – wenn sie es zu schätzen wissen.

Ludwigsburg - Es gibt zwei erstaunliche Nachrichten aus der Hoferstraße 5 in Ludwigsburg: Erstens: Die Ludwigsburger Energieagentur (Lea), die dort ihren Sitz hat, lebt noch. Zweitens: Sie ist so agil wie noch nie. Letzteres liegt daran, dass es nicht nur einen neuen Geschäftsführer gibt, sondern auch vier neue Stellen – das sind vier Stellen mehr als bisher. „Ich sehe sehr viele Möglichkeiten“, sagt Anselm Laube, der neue Lea-Chef, der selbst ein Energiebündel zu sein scheint. Der 31-jährige Maschinenbauingenieur hat sich vorgenommen, die Lea vom Energieberatungszentrum zu einem Kompetenzzentrum zu entwickeln, das den Klimaschutz und die Energiewende im Landkreis maßgeblich voranbringt. „Wenn wir uns jetzt nicht die entschließen, die Welt zu retten, können wie sie für unsere Enkel vergessen“, sagt Anselm Laube.

Der alte Chef hat resigniert

Erstaunlich ist das alles deshalb, weil die Ludwigsburger Energieagentur seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren permanent vor dem Ende stand und fast nur dann von sich Reden machte, wenn mal wieder jemand das Ende der Lea an die Wand malte. Zuletzt hat das Sebastian Staudenmayer getan, der Ende des vergangenen Jahres seinen Job als Geschäftsführer resigniert gekündigt hatte.

Eine einzige Stelle, hatte er wieder und wieder gemahnt, reiche nicht aus, um Privatpersonen bei Gebäudesanierungen zu beraten, Handwerker in Energieeffizienz zu schulen und Energiekonzepte für Kommunen zu erstellen. Für mehr Personal hatte die als Verein organisierte Lea mangels Mitgliedskommunen aber kein Geld. Die Lea schaffte es in all den Jahren nicht, sich als unersetzliche Institution ins öffentliche Bewusstsein zu brennen – und mehr Mitglieder zu gewinnen und so mehr Geld für mehr Personal zu bekommen. Außer dem Landkreis gehören gerade mal acht von 39 Kreiskommunen zur Lea.

Doch nun soll alles anders werden, die Lea will den Teufelskreis durchbrechen. Mehr Personal, mehr Leistung, mehr Bedeutung, mehr Mitglieder – so die Überlegung. Letztlich, erklärt Laube, sollen sich die neuen Stellen selbst finanzieren. „Das Potenzial liegt auf der Straße.“

Der Bund hilft enorm beim Sparen

Die neu aufgestellte Agentur will nun noch mehr Bürger über Wärmedämmung, Solarenergie oder innovative Heiztechniken informieren. Die Beratungen sind seit jeher gefragt. Womöglich können sie nun sogar zuhause stattfinden. Auch Unternehmen sollen verstärkt den Nutzen der Lea kennenlernen. Besonders kleinen und mittelständischen Firmen soll sie den Weg zu erneuerbaren Energien weisen. „Drastisch stärken“ will Laube hingegen die Beratung der Kommunen im Landkreis. Wozu schon allein die großteils unbekannte Information eines Förderprogramms des Bundes gehört: Dieser übernimmt 65 Prozent der Kosten für einen (befristet eingestellten) Klimaschutzmanager. „Ich hoffe, dass viele Kommunen dieses Werkzeug nutzen“, sagt Anselm Laube, der seine berufliche Karriere bei der Energieagentur des Landkreises Lörrach begonnen hat.

Für seine neue Stelle hat er sich gegen „ein gutes Dutzend“ weitere Bewerber durchgesetzt, sagt Karl-Heinz Balzer, der Vorsitzende des Lea-Vereins, der im nächsten Jahr mal wieder eine Mitgliederinitiative starten will. Dieses Mal ist er zuversichtlicher als bei den bisherigen Akquiseversuchen. Die neuen Ideen, sagt Balzer, würden die Lea definitiv neu positionieren – wenngleich es noch einige Monate dauern werde, bis sie auch anders wahrgenommen wird.

Wenn er sich da mal nicht täuscht: Anselm Laube hat so viele Ideen, dass er schon jetzt scherzt: „Ich glaube, ich muss mehr Leute einstellen.“

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