Britta Zapletal zeigt aufwendigeEinbände und Materialien, die typisch fürs Buchbinderhandwerk sind. Foto: Ines Rudel

Handwerkliches Geschick von verschiedenen Fachleuten ist nötig, um besonders schöne Bücher zu fertigen. Solche Aufträge koordiniert eine neue Agentur aus Bad Boll.

Bad Boll - Ganz klein oder riesig groß, geheimnisvoll oder originell – so verschieden können Bücher sein. In diesem Fall ist weniger der Inhalt zwischen den Buchdeckeln gemeint als die unterschiedliche Gestalt, in der Druckwerke auftreten können. So wie beim Project-One-Eventkalender zum Beispiel, den Britta Zapletal und Peter Kunz von der Bad Boller Agentur Buch exklusiv für den Tuningspezialisten AMG verwirklicht haben. Aufwendige Buchprojekte in kleiner Auflage seien eine interessante Nische in einer Branche, die nach Zapletals Erfahrung sonst mit jedem Cent rechnen müsse.

Elektronik sorgt für die effektvolle Beleuchtung

Mit dem klassischen Buchbinderhandwerk habe der Auftrag nicht mehr viel zu tun gehabt, bekennt Zapletal und präsentiert eine Box mit beleuchtetem Plexiglasdeckel. Nach dem Öffnen dieser Box dimmt die Beleuchtung langsam hoch, bleibt einige Sekunden an und dimmt dann langsam wieder runter. Das Innenleben besteht aus zwei Ebenen: Oben liegt ein Stapel mit Karten, die den Inhaber der Box auf verschiedene Veranstaltungen aufmerksam machen, während die Elektronik auf der zweiten Ebene verborgen ist. Die Box sei für Kunden des neuen Hybridsportwagens Project One bestimmt und solle das Warten auf die Auslieferung ihres Lieblings versüßen.

2017 den Sprung in die Selbständigkeit gewagt

„Es macht Spaß, immer neue Herausforderungen anzunehmen“, erklärt die Diplom-Wirtschaftsingenieurin, die ähnlich wie ihr Geschäftspartner jahrelang in der Druckbranche tätig war. „Wenn ich Papier und Leim rieche, ist das Heimat“, berichtet Zapletal, die im elterlichen Buchbindereibetrieb in Weilheim (Kreis Esslingen) aufwuchs, Kunst studierte und eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolvierte. Jahrelang kalkulierte sie in Druckereien und Buchbindereien Aufträge und sammelte wertvolle Erfahrungen, bevor sie gemeinsam mit Peter Kunz 2017 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

In ihrer Agentur in Bad Boll hat Zapletal vom Angebot bis zur Auftrags­betreuung vor allem die Finanzen im Blick, während sich ihr Mitinhaber Kunz, der vor seinem Wirtschaftsingenieurstudium das Buchbinderhandwerk lernte, als Problemlöser bei den Kunden vor Ort verstehe. „Dank seiner langen Berufserfahrung kann er gut einschätzen, wie wir ein Projekt verwirklichen können“, beschreibt die Bad Bollerin die Aufgabenteilung.

Beide wollten weg vom industriell gefertigten Buch

Viele Jahre lang hatten beide den Wandel der Buchbranche miterlebt, wo um jeden Cent gekämpft werde, weil dort ein enormer Preisdruck herrsche. Dann wollten sie weg vom industriell gefertigten Buch und mithilfe ihrer guten Kontakte zu spezialisierten Handwerksbetrieben wie Buchbindern, Siebdruckern und Laserspezialisten lieber besondere Druckwerke verwirklichen, bei denen das handwerkliche Ergebnis im Vordergrund steht.

Auch der Buchdeckel wird häufig als Bühne genutzt. Da scheinen die gestalterischen Möglichkeiten fast unendlich zu sein. So ein Einband lässt sich auch mehrteilig gestalten, damit er sich wie ein Flügelaltar aufklappen lässt. Und sogar Furnierholz habe das Zeug zum Einband, was gleich zwei Projekte der Agentur beweisen, sagt Zapletal. Herausfordernd sei hier vor allem die Suche nach einem geeigneten Schreinerbetrieb gewesen, erinnert sich die Fachfrau.

Viel handwerkliches Geschick nötig

Viel handwerkliches Geschick stecke in diesen aufwendig gestalteten Buchhüllen, die die Fachleute als Decke bezeichnen. So wie bei dem Porsche-918-Buch zum Beispiel, das mit einem beleuchteten Unendlichkeitslogo auf der Vorderseite überrascht. Während dieses Buch mit einem Hardcover-Umschlag auskommt, werden andere Bände in einen Schuber gesteckt. Manchmal sind es auch der klassische Schutzumschlag oder eine Banderole, die ein so hochwertiges Buch schützen.

Tatsächlich sei der klassische Schuber weiterhin ein großes Thema, versichert Britta Zapletal. So einen haben sich die beiden Unternehmer für ihren eigenen Businessplan geleistet, während Aufträge von Kunden auch mal in einer mehrfarbig bedruckten Kartonfaltkassette oder sogar in einem Stehsammler aus transparentem Plexiglas platziert werden.

Exklusive Bücher sind im Kommen

Überhaupt entwickle sich das Thema „Besondere Buchprojekte“ immer mehr in Richtung Verpackung, nicht nur bei dem eingangs erwähnten Auftrag von AMG. Auch andere Kunden liebäugelten mit überraschenden und attraktiven Hüllen für ihre edlen Druckwerke, die in Kleinauflagen gefertigt würden. Solche exklusiven Spezialanfertigungen, oft mit Goldfolienprägung und Lesezeichenbändchen versehen, seien im Kommen – und das eben nicht nur bei Kunstverlagen.

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