Bei den Jazz Open entfacht Zucchero mediterrane Lebensfreude. Bei der After-Show-Party im La Commedia steht ein Rössle im Mittelpunkt – und Erinnerungen werden wach.
Ferrari-Chef Benedetto Vigna muss sich gefühlt haben wie daheim: Sein Landsmann Zucchero hat Stuttgart bei den Jazz Open am Freitagabend weit über die Alpen in den Süden verlegt. Tosender Applaus, mitreißende Rhythmen, tanzende Gäste auf der Tribüne und im Ehrenhof. Im Publikum sieht man, wie Innenminister Thomas Strobl, Dürr-CEO Jochen Weyrauch, Stihl-Chef Nikolaus Stihl, Scharr-Chef Rainer Scharr und viele andere jubeln. Das Konzert ist wie Urlaub. Die Nacht ist eine kollektive Liebeserklärung an Italien.
Das mediterrane Fest ist noch lange nicht vorbei, als die Musik vor dem Neuen Schloss nach donnerndem Beifall und nach „Senza una donna“ verstummt. Traditionell lädt Promoter Jürgen Schlensog Künstler, Promis und Sponsoren zur After-Show-Party ein – nicht zum ersten Mal ins Ristorante La Commedia im Hospitalviertel. Diesmal sind viele Gäste aus Modena dabei, aus jener italienischen Stadt, in der die Jazz Open in einem Jahr ihre italienische Premiere feiern.
OB Frank Nopper und seine Frau Gudrun Nopper stoßen dazu. Das Konzert auf dem Schlossplatz konnten die beiden nicht besuchen, da sie in Sindelfingen waren, wo der dortige Rathauschef verabschiedet wurde. Doch zur späten Stunde nutzt Nopper die Chance, im La Commedia einen berühmten Gast aus Italien zu treffen.
Frank Nopper heftet dem Ferrari-Chef ein Rössle ans Revers – es ist das Stuttgarter Wappen. Relativ häufig sei er in Italien, erzählt der OB. Wenn die Leute sein Rössle an der Jacke sehen, würden sie denken, er arbeite bei Ferrari. Denn es schmückt auch das Logo der Sportwagenmarke.
Das berühmte springende Pferd auf gelbem Grund – das sogenannte „Cavallino Rampante“ – wurde nicht von Enzo Ferrari erfunden, sondern stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Es war das Wappen des italienischen Jagdfliegers Francesco Baracca. Nach dessen Tod empfahl Baraccas Mutter Enzo Ferrari, das Pferd als Glückssymbol für seine Rennwagen zu verwenden. Ferrari kombinierte es mit einem gelben Hintergrund, der die Farbe seiner Heimatstadt Modena ist – und machte daraus das heute weltberühmte Logo.
Jazz Open gehen 2026 nach Modena
Seit Donnerstag ist der Ferrari-CEO in Stuttgart bei den Jazz Open – in Vorfreude darauf, dass das Stuttgarter Festival nach Modena kommt, nicht weit vom Firmensitz von Ferrari entfernt. Der Sportwagenhersteller ist Premiumsponsor der italienischen Ausgabe des Stuttgarter Musiktreffen, das auf Jazz setzt, aber den Blick nach vorne auf noch viel mehr richtet.
Frank Nopper, der OB einer Autostadt, und der Ferrari-Boss sitzen beim Essen auf der Außenterrasse des La Commedia nebeneinander. An Themen mangelt es den beiden nicht. Wie machen das die Italiener nur? Von der Autokrise ist bei der Luxusmarke aus Maranello nichts zu spüren. Ferrari hat im vergangenen Jahr den Gewinn auf 1,53 Milliarden Euro gesteigert, obwohl die Marke auch in China nicht mehr viel verkaufen konnte. Das Unternehmen verkauft vergleichsweise wenige Autos – aber dies hochrentabel.
Die After-Show-Party ist im La Commedia – Zucchero isst im Oggi
Wirt und Hausherr Luigi Aracri hat auf dem Handy ein 30 Jahre altes Foto, das ihn und Zucchero zeigt – der Sänger besuchte in den 1990ern Aracris damaliges Lokal an der Calwer Straße. Die Aufnahme sorgt für Staunen. „Heute siehst du besser aus“, hört Aracri. Einziger Wermutstropfen des Abends: Zucchero selbst kommt nicht zur After-Show-Party. Das ist ihm zu viel Trubel. Nach dem Essen tanzen die Gäste zu italienischer Musik. Zucchero selbst isst im kleinen Kreis im Oggi.
Vielleicht war es aber mehr als nur ein Zufall, dass Pferde über diesem Abend schwebten – nämlich das im Wappen der Stadt Stuttgart und das auf dem Ferrari-Logo. Die Pferde da wie dort sind stolze Symbole für Leidenschaft, Kraft und Tempo – genau das, was in dieser Nacht gilt: ein Ritt durch Emotionen, getragen von Leidenschaft und Lebensfreude.
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