US-Spezialeinheiten mit Osprey-Kipprotoren-Maschinen (hier im Bild auf dem Flughafen Entebbe) sollen helfen, einen der meistgesuchten Kriegsverbrecher der Welt zu fangen Foto: StN

Das Stuttgarter Oberkommando der US-Streitkräfte für Afrika (Africom) hat eine erhebliche Verstärkung bekommen für den Einsatz gegen die Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army, LRA).

Washington/Stuttgart - Das Stuttgarter Oberkommando der US-Streitkräfte für Afrika (Africom) hat eine erhebliche Verstärkung bekommen für den Einsatz gegen die Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army, LRA). Diese Truppe um den Ugander Joseph Kony gilt als eine der brutalsten Rebellenmilizen der Welt. Der Einsatz der Amerikaner konzentriert sich darauf, eine Eingreiftruppe der vier zentralafrikanischen Staaten (Uganda, Kongo, Südsudan und Zentralafrikanische Republik) zu unterstützen, in denen die LRA wütet.

Die große StN-Reportage zum Africom-Einsatz in Zentralafrika.

Das US-Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, Präsident Barack Obama habe den Kongress ersucht, der Verlegung von Transport- und Aufklärungsflugzeugen vom Typ Boeing CV-22A Osprey (Fischadler) sowie von Tankflugzeugen und Besatzungen ins ugandische Entebbe zuzustimmen. Die Zeitung „Washington Post“ berichtete, es gehe um „mindestens vier“ Ospreys. Die Vorlage für das Parlament sehe den Einsatz von zusätzlich gut 150 Soldaten der Spezialkräfte der US-Luftwaffe vor.

„Dies bedeutet keine Ausweitung der Mission gegen die LRA“, sagte Scott Rawlinson, Afrika-Sprecher des Kommandos für Spezialoperationen (Socom), unserer Zeitung. Es ändere sich nichts an der afrikanischen Führung des Einsatzes und auch nichts an den Einsatzregeln. Sie sehen vor, dass die Amerikaner die afrikanische Eingreiftruppe beraten und unterstützen, sie auch in Kämpfe gegen die LRA begleiten, ihre Waffen aber nur zur Selbstverteidigung einsetzen.

Gleichwohl verdeutlichen das erhebliche Anwachsen der eingesetzten US-Kräfte und der Zugriff, den Africom nun auf die Ospreys bekommt, dass die Regierung Obama und auch die Africom-Spitze der Bekämpfung von Konys Mörderbande hohe Bedeutung zumessen. „Wir haben lange daran gearbeitet, die Maschinen zu bekommen“, sagte Rawlinson. Bisher unterstanden diese Flugzeuge dem für den Nahen Osten zuständigen Oberkommando der US-Streitkräfte (Centcom). Ein Reporter unserer Zeitung sah eine Osprey der Spezialkräfte der US-Luftwaffe schon vor wenigen Wochen auf dem militärischen Teil des Flugplatzes Entebbe.

Das Wichtigste an der Entscheidung der US-Regierung sei, dass die afrikanische Eingreiftruppe dadurch zusätzliche Fähigkeiten bekomme, sagte Rawlinson. „Das betrifft vor allem die Luftbeweglichkeit und die Möglichkeit, auch nachts zu operieren.“ Konkret geht es darum, Verstecke der in vielen kleinen Trupps operierenden LRA ausfindig zu machen und Einheiten der afrikanischen Eingreiftruppe möglichst zügig gegen solche Verstecke zum Einsatz zu bringen. Die Osprey kann mit ihren Kipprotoren starten und landen wie ein Hubschrauber, mit ihren Flügeln aber bis zu 560 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Bis zu 24 voll ausgerüstete Soldaten finden in ihr Platz. Die Unterstellung der Ospreys sei zunächst befristet, sagte Rawlinson. Genaue Zahlen nannte der Oberstleutnant nicht. Africom führt den Einsatz gegen die Widerstandsarmee des Herrn seit 2011 von Stuttgart aus mit Soldaten, die dem Kommando für Spezialoperationen (Socom) unterstehen. Im Kern sind das bisher drei Teams der Heeres-Spezialkräfte und das Socom-Hauptquartier für Zentralafrika in Entebbe – zusammen etwa 100 Mann.

Kony kämpft seit 1987 für einen Umsturz in Uganda. Sein Operationsgebiet hat etwa die zwölffache Größe Baden-Württembergs. Extreme Dschungel prägen die Region. Die LRA hat Tausende Menschen getötet oder verstümmelt. Sie verschleppt Kinder aus den Dörfern, die sie überfällt, drillt die Jungen zu Kämpfern und macht die Mädchen zu Sexsklavinnen.

Hunderttausende gingen auf die Flucht vor der LRA. Der Druck der Eingreiftruppe und der Amerikaner hat die Miliz zuletzt in die Defensive gedrängt.

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