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Die Bundesregierung will den deutschen Einsatz in Afghanistan mit mehr Soldaten ausweiten.

Berlin - Die Bundesregierung will den deutschen Einsatz in Afghanistan ausweiten. Sowohl die Zahl der Soldaten als auch die der Polizisten wird erhöht, bestätigten Regierungsvertreter am Dienstag in Berlin. Auch die Entwicklungshilfe soll verbessert werden.

Die genauen Ergebnisse wochenlanger Beratungen will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Vormittag in Berlin bekanntgeben. Sie hatte am Montag ein "Gesamtpaket" von zivilem Wiederaufbau und Militärmission angekündigt, mit dem die Regierung auch in die internationale Afghanistan-Konferenz an diesem Donnerstag in London gehen wird.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte im ZDF: "Klar ist, dass der Schwerpunkt deutlich verlagert wird in Richtung ziviler Aufbaumaßnahmen." Die schwarz-gelbe Koalition hatte bereits in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass die Entwicklungshilfe für Afghanistan auf 250 Millionen Euro verdoppelt werde. Fakt sei auch, dass es eine "Anpassung" der Truppenstärke der Soldaten geben werde, sagte Niebel, ohne Zahlen zu nennen. Er sagte: "Wenn man sich in seinen Camps einigelt, dann wird man nicht das Ziel erreichen, dass man die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessert."

Im Gespräch ist eine Aufstockung des Bundeswehrkontingents um 500 bis insgesamt 1500 Soldaten. Dabei soll die Truppe dem Vernehmen nach direkt um rund 500 Mann verstärkt werden. Zudem solle eine "Reserve" gebildet werden, die ebenfalls 500 Soldaten umfassen könnte. Diese könne etwa zur Unterstützung bei der Absicherung der nächsten Wahlen in Afghanistan zum Einsatz kommen. Derzeit liegt die Obergrenze für das deutsche Kontingent bei 4500 Soldaten.

Über das Mandat für Awacs-Aufklärungsflüge mit rund 300 Soldaten werde vermutlich getrennt beraten, hieß es. Im vergangenen Jahr scheiterte der Einsatz an Turkmenistan, das die Überflugrechte verweigerte. Inzwischen soll im Golfstaat Bahrain ein neuer Standort gefunden worden sein, der ab Frühjahr genutzt werden könne.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte am Dienstag erneut, dass Deutschland die Zahl der Polizeiausbilder auf insgesamt 260 Mann erhöhen wird. Dies solle bis Mitte dieses Jahres geschehen, sagte er dem Rundfunksender NDR Info.

Am Dienstagmorgen war Merkel mit den Spitzen der Bundestagsparteien zusammengekommen, um zunächst mit ihnen über die neue Afghanistan-Strategie der Bundesregierung zu sprechen. Union und FDP setzen darauf, dass sie von der Opposition zumindest die SPD mit ins Boot holen können, um den Soldaten einen größeren Rückhalt im Parlament zu signalisieren. Die SPD fordert einen Abzug der Bundeswehr spätestens 2015. Am Vorabend hatte Merkel mit den für Afghanistan zuständigen Ressortchefs aus Außen-, Innen-, Verteidigungs- und Entwicklungshilfeministerium das neue Konzept vereinbart. Über Ergebnisse wurde aber Stillschweigen verabredet.

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