Der Affenberg in Salem feiert 50. Jubiläum. Er ist ein Besuchermagnet am Bodensee und sichert den größten Reservebestand von den auf der Roten Liste stehenden Berberaffen
Wer zum ersten Mal auf den Affenberg bei Salem kommt, mag überrascht sein. Denn das Begrüßungsritual ist ein stakkatoartiges Klappern vieler Schnäbel. Etwa 50 Storchenpaare, die größte frei fliegende Storchenkolonie Süddeutschlands, brüten rund um den Eingangsbereich und kommunizieren recht lautstark. Still ist es nur ein paar hundert Meter weiter, wo es durch die Felsen des neugestalteten Eingangsbereichs ins Reich der Berberaffen geht. Sonnenstrahlen brechen durch das dichte Blätterwerk des alten Buchenbestands und zaubern magische Lichtreflexe.
Der Rundweg führt durch den Wald und leicht bergauf. Und da sind sie – zwischen den Bäumen, nur ein paar Meter entfernt – zwei Berberaffen. Es ist ein schönes Bild, die Affenmutter mit ihrem etwa einjährigen Nachwuchs. Konzentriert fährt sie mit ihren Fingern durch das Fell des Kleinen, der sich an sie schmiegt. Allerdings dient das Lausen nur sekundär der Fellpflege. „Primär ist es ein Zeichen der Zuneigung“, erklärt Roland Hilgartner. Seit 20 Jahren ist er Direktor des Affenbergs und noch immer begeistert von dem kleinen Paradies, in dem seine Schützlinge leben und wo bereits bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden konnten.
Die Affen werden zwar gefüttert, aber sonst leben sie wild – artgerecht ohne Streicheleinheiten. „Kein Vergleich zu den Wäldern, in denen ihre letzten wild lebenden Artgenossen zu Hause sind“, sagt der Wissenschaftler, der regelmäßig zu Forschungszwecken nach Marokko und Algerien aufbricht, wo kaum mehr als 8000 Berberaffen übrig sind, weil ihnen der Lebensraum und ihre Jungtiere geraubt werden. „Man schätzt, dass rund 300 neugeborene Äffchen jedes Jahr gefangen werden, um sie als Touristenattraktionen oder als Haustiere zu missbrauchen.“ Daher ist ein wichtiger Grund für ihn und sein Team, Besucherinnen und Besucher zu sensibilisieren, um solche Missstände zu vermeiden, die Tiere zu schützen und vor dem Aussterben zu bewahren.
Private Einrichtung seit 1976
Auf dem Affenberg leben drei Primaten- Gruppen, die sich über das 20 Hektar große Gelände verteilen, das seit seinen Anfängen 1976 eine private Einrichtung ist und sich selbst finanziert. Gegründet wurde es vom elsässischen Baron Gilbert de Turckheim und Jacques Renaud, um zu zeigen, wie Wildtiere naturnah gehalten werden können – ohne Gitterstäbe. Es gibt zwei Partnerparks in Frankreich und einen in England.
Tiere setzen auf Koalitionen
Gerade läuft ein staatliches Männchen über den Weg und Roland Hilgartner bemerkt: „Körperliche Stärke reicht nicht aus, um an die Spitze einer Gruppe zu kommen. Und auch ein Einzelkämpfer wird es nie zum Chef bringen.“ Ähnlich wie bei den Menschen setzen die Tiere auf Koalitionen und Freundschaften. Daher ist die Kommunikationsfähigkeit wichtig, um das Vertrauen der Artgenossen zu gewinnen. Über das Zusammenleben der Affen gibt es viel zu erzählen und das machen die Guides auf ihren Runden durch den Park und bei den täglichen Fütterungen. Immer wieder greifen auch Tafeln am Wegesrand Themen rund um die Berberaffen auf, bei deren Beantwortung Kinder spielerisch mehr über die Tiere und ihren Lebensraum erfahren.
Neben den Primaten und den über 100 verschiedenen Vogelarten leben auch Hirsche im Park. Ihr Lebensraum ist am Ende des Parks, Hier dürfen bei den Fütterungen des Damwilds kleine und große Besucher mitmachen. Dabei ist das Klappern der Störche nicht zu überhören, denen der „Gesprächsstoff“ wohl nie auszugehen scheint.