Alle waren vorab gespannt: Wie würden sich Jan Böhmermann und Olli Schulz im Podcast „Fest & Flauschig“ zu Fynn Kliemann äußern? Nun sind die Fans gar nicht einig, was da eigentlich gesagt wurde.
War das jetzt genial? Wenigstens ziemlich pfiffig? Oder doch eher feige? Gar richtig widerlich? Zur neuesten Folge des Spotify-Podcasts „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz prallen die Hörermeinungen in den sozialen Netzwerken mal wieder hart aufeinander.
Die Spannung vorab war jedenfalls groß. Denn Olli Schulz galt bislang als gut verbandelt mit dem Social-Star, Musiker und Geschäftsmann Fynn Kliemann. Die beiden betreiben „Das Hausboot“, eine mietbare schwimmende Bude mit Studio, deren Entstehung Material einer Dokusoap war. Böhmermann hat Kliemann in der jüngsten Ausgabe seines Satiremagazins „ZDF Magazin Royale“ mit Hilfe von geleakten Dokumenten und Chatprotokollen als Betrüger und Heuchler an den Pranger gestellt.
Voll Thema oder gar nicht Thema?
Wie würde Schulz sich nun im Podcast verhalten? Wie forsch würde Böhmermann das Thema zur Sprache bringen? Das Plauderduo habe das Thema komplett vermieden, grollen nun die einen. Es sei die ganze Zeit, eine Stunde lang, um nichts anderes gegangen, aber eben in schlau verdeckter Form, jubeln andere.
Fynn Kliemann hat sich in den vergangenen Jahren als Typ mit großem Herzen positioniert, als sozial engagierter Jungunternehmer, für den der gute Zweck immer über dem Profit steht. So hat er auch sein Maskengeschäft zu Beginn der Pandemie positioniert: Die von ihm und seinem Geschäftspartner Tom Illbruck angebotenen Masken stammten aus fairer Produktion in Europa und kämen zum Selbstkostenpreis auf den Markt. Böhmermann hat diese Darstellung nachvollziehbar attackiert: Die Masken stammten aus Bangladesch und Vietnam, sie seien mit hohem Profit weiterverkauft worden, und eine Maskenspende an Notunterkunftslager für Geflüchtete sei in Wahrheit die Billigentsorgung unbrauchbarer Fehlproduktionsexemplare gewesen.
Der strittige Maskendeal
Die Redaktion des „ZDF Magazin Royale“ hatte Fynn Kliemann Tage vor der Sendung einen Fragenkatalog zukommen lassen. Den hat Kliemann nicht im stillen beantwortet, sondern mit einem Instagram-Video, das Böhmermann die Luft aus den Segeln nehmen sollte. Die Taktik hat nicht funktioniert. Böhmermanns Team wusste nun, wo und wie Kliemann ausweichen wollte, und hat das integriert.
Seitdem hat Fynn Kliemann, dessen Medien- und Geschäftspartner sich konsterniert zurückzuziehen beginnen, weitere Erklärungen und Berichtigungen folgen lassen, die seiner Sache eher nicht geholfen haben. So hat er etwa zu verstehen gegeben, es habe zwei Arten Masken gegeben: jene aus fairer europäischer Produktion für Endkunden, und andere aus Fernost für Großkunden, die über die Herkunft der Ware informiert gewesen seien. Die stark auf Influencer als Markenbotschafter setzende Modefirma About you hat diese Darstellung prompt bestritten: Man habe geglaubt, Masken aus europäischer Produktion zu erwerben.
Xavier Naidoo als Ausweichziel
An Wut uns Hohn, an Beschimpfungen, Verwünschungen und ätzend satirischen Vorschlägen für weitere Selbstdemontagen hat es Kliemann nicht gefehlt, seit am Freitag die „ZDF Magazin Royale“-Folge vorab ins Netz ging. Böhmermann und Schulz konnten es in ihrem Podcast also gar nicht richtig machen. Wären sie Kliemann frontal angegangen, hätten sie sich gewiss den Vorwurf eingehandelt, einen am Boden Liegenden auch noch zu treten – also jenen bedenklichen Vernichtungswillen weiter anzuheizen, der so viele Interaktionen in den sozialen Netzwerken so gruselig macht. Jeder mildere Umgang mit Kliemann lässt sich dagegen leicht in den Verdacht der Kumpanei stellen.
Also haben Böhmermann und Schulz leisere Töne angeschlagen, haben ohne direkte Bezugnahme auf Kliemann über versagende Promis gespottet, über Fehlbarkeit und Straucheln, über Versagen unter Druck, aber auch über die Notwendigkeit, als Fan irgendwann mal Abschied zu nehmen, weil sich ein Künstler allzu übel positioniert. Als eines der Ausweichzeile wählten Schulz und Böhmermann Xavier Naidoo. Dessen Reuevideo sei nur ein „Bitch Move“ gewesen, so beide einhellig, der Versuch, vorab die Wirkung der Ausstrahlung eines Naidoo- Porträts in der Reihe ZDF Zoom zu schwächen.
Von Kliemann muss mehr kommen
Da musste man nun wirklich an Kliemanns knieweiche Vorabentschuldigung denken, die im Netz mehrheitlich als „Nonpology“ gewertet wurde. Der Ausdruck meint ja das bei Promis und Politikern beliebte Stilmittel der Entschuldigung, der Apology, die eigentlich gar keine ist, sondern eigentlich die verblümte Aufforderung des Betroffenen, man solle es jetzt mal gut sein lassen. Dass auch Olli Schulz über den Umweg der Naidoo-Abwatschung seine Enttäuschung über Fynn Kliemanns Handeln und Abwiegeln ventiliert hat, ist wohl keine allzu gewagte Interpretation.
Kliemann wird ein bisschen mehr bringen müssen als diverse „Wusste ich nicht, hätte ich mich aber informieren müssen“- oder gar „Stand so wortwörtlich in keinem Vertrag“-Schlenker, um wenigstens ein paar Restsympathien zu halten. Was bei vielen nach einer geleakten „Krise kann auch geil sein“-Nachricht aber sowieso nicht klappen dürfte.