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Rund 200 000 Euro vom Land hat der Kabarettist Sonntag für ein Jugendprojekt erhalten. Mögliche Ungereimtheiten sind aufgefallen. Der Sozialminister geht nun auf Distanz zu seinem Duzfreund Sonntag.

Stuttgart - Für ein Jugendprojekt zur Demokratieförderung hat der Kabarettist Christoph Sonntag 211 000 Euro Fördergeld vom Sozialministerium erhalten. Sonntags Nochehefrau wirft ihm vor, einen Teil des Geldes mithilfe von überhöhten Rechnungen in die eigene Tasche gesteckt zu haben.Nun geht das Sozialministerium auf Distanz zu Sonntag. Das Ministerium prüft mögliche Rückforderungsansprüche. Das geht aus der Antwort des Ministers Lucha auf eine Anfrage der FDP hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Mit der Antwort „will Sozialminister Lucha offensichtlich seine Männerfreundschaft zu Christoph Sonntag beenden und kleinreden“, sagte der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke. Weiterhin gebe es viele offene Fragen. Die FDP werde umgehend eine neue Anfrage vorbereiten. „Wenn Herr Lucha auf diesem Wege nicht auskunftsfreudiger wird, dann müssen wir eben über einen Untersuchungsausschuss nachdenken.“ Dem Sozialministerium zufolge spielte der persönliche Kontakt zwischen Sonntag und Lucha, die sich seit einiger Zeit persönlich kennen und sich duzen, keine Rolle in der Sache.

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Vierte Rate überwiesen

Mögliche Ungereimtheiten bei dem Projekt waren nach Angaben des Sozialministeriums erstmals im Frühjahr aufgefallen. Damals hatte die Landeszentrale für politische Bildung, die mit der Projektdurchführung betraut ist, eine Ausgabenübersicht und eine Auflistung der bereits durchgeführten Demokratie-Workshops ans Ministerium geschickt und um eine Verlängerung der Finanzierung gebeten. Bei der Prüfung kamen in der Fachabteilung des Sozialministeriums Fragen auf.

Zum Beispiel hatte die Vereinbarung gelautet, dass Jugendverbände angesprochen werden sollten. Stattdessen sei die Zahl der Projektwochen an Schulen höher gewesen „und somit ein nicht ausreichender Bezug zur außerschulischen Jugendbildung vorhanden“, heißt es. Die zuständige Fachabteilung riet am 8. März von einer Fortsetzung des Projekts ab. Daraufhin ordnete die Leitungsebene des Ministeriums eine umfassende Prüfung an, die noch andauert. Trotzdem wurde am 4. April, also zeitlich nach den Zweifeln der Fachabteilung, die vierte Rate in Höhe von 91 000 an die gemeinnützige GmbH „Stiphtung Christoph Sonntag“ ausgezahlt.

Sonntag wollte schon mal Fördergeld

Es ist nicht das erste Mal, dass Sonntag beim Land Fördergeld beantragt. Das geht aus einer Antwort des Sozialministers an die SPD-Fraktion hervor, die ebenfalls eine Anfrage gestellt hatte. 2014 und 2015 waren Sonntags Firma im Rahmen verschiedener Förderprogramme zur Weiterentwicklung von Unternehmen insgesamt rund 18 000 Euro ausgezahlt worden. Das Geld stammte aus dem Europäischen Sozialfonds. Nach Rückfragen zu einem Verwendungsnachweis zahlte Sonntag das Geld zurück, „weil der Nachweis der ­Verwendung schwierig zu führen sei“. Außerdem hatte Sonntag letztes Jahr 90 000 Euro Fördergeld für die Maßnahme „Schwäbisch für Reingeschmeckte“ beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt.

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