Als dritter Vorsitzender verlässt Jörg Meuthen seine Partei. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Jörg Meuthen kehrt der AfD den Rücken und nennt die Radikalisierung als Grund. Ihm geht es damit um zwei Dinge: Er will seinen Gegnern schaden und den eigenen Ruf retten, kommentiert Katja Bauer.

Berlin - Der Abschied Jörg Meuthens von der AfD ist keine Überraschung. Lange Zeit war er der geschickteste Opportunist der Partei, zuletzt hatte er aber keine Handlungsoption mehr. Seine Macht erodiert spätestens, seit er seinen Rückzug vom Vorsitz beim nächsten Parteitag angekündigt hat. In dieser Woche nun erlitt er eine Demütigung, als er in der Frage des Kandidaten fürs Bundespräsidentenamt fulminant überstimmt wurde.

 

Indem Meuthen nun der Partei komplett den Rücken kehrt, versucht er zwei Dinge: Zum einen will er seinen Gegnern schaden. Denn was er über die Radikalisierung der AfD sagt, werden der Verfassungsschutz und ein Gericht, das im März über die Beobachtung entscheidet, mit Interesse hören.

Meuthen hat den radikalen Flügel lang gestützt

Zum anderen versucht der Hochschullehrer, seinen Ruf zu retten und sich als vergleichsweise gemäßigt darzustellen. Das sollte man ihm nicht abnehmen: Es war Meuthen, der mit seinem bürgerlichen Habitus dem radikalen Flügel zu Bedeutung verhalf, solange dieser ihm zum Machterhalt nützte. Nun ist die Strömung so mächtig geworden, dass sie Meuthen – wie vorher Bernd Lucke und Frauke Petry - nicht mehr braucht. Wird der Abschied Meuthens von der AfD die Partei verändern? Kaum. Interessant für den künftigen Kurs ist, wer an der Spitze neben Co-Chef Tino Chrupalla folgt, und wie die AfD bei den drei anstehenden Wahlen im Westen abschneidet. Viel spricht dafür, dass beides die radikale Strömung der Partei stützen wird.

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