Die Wasserwerfer der Polizei kamen an der Stuttgarter Messe nicht zum Einsatz Foto: 7aktuell.de/Heckel

Der AfD-Bundesparteitag an der Stuttgarter Messe löst einen massiven Polizeieinsatz aus. Hunderte Störer versuchen, die Veranstaltung zu blockieren und werden festgesetzt. Eine erste Bilanz der Geschehnisse.

Stuttgart - Vorläufig 400 Festnahmen, jede Menge Feuerwerk und einige Blockaden und Staus auf den Fernstraßen rund um die Landesmesse am Stuttgarter Flughafen - das ist die erste Zwischenbilanz der Polizei am Samstag zum Auftakt des AfD-Bundesparteitags, der von heftigen Gegendemonstrationen aus dem linken Spektrum begleitet war. Bei den Beamten, mit über 1000 Mann angerückt, war die Erleichterung zu spüren, dass alles relativ glimpflich ausging - trotz spektakulärer Zwischenfälle. Am Nachmittag verlagerte sich das Protestgeschehen in die Stuttgarter Innenstadt.

„Uns sind keine Verletzten bekannt geworden“, erklärte Polizeisprecher Josef Hönes gegen Mittag, „auch die Wasserwerfer mussten letztlich nicht in Aktion treten.“ Zwei Fahrzeuge der baden-württembergischen Bereitschaftspolizei und zwei der Bundespolizei aus dem bayerischen Deggendorf waren zusammen mit einem Tankwagen im Einsatz. Bilder wie im Stuttgarter Schlossgarten beim Schwarzen Donnerstag blieben den Beteiligten allerdings erspart. Sogenannte Demosanitäter sprachen indes von 58 behandelten Personen. Offenbar beim Einsatz von Pfefferspray, als eine Gruppe an der Absperrung Flaschen auf die Beamten warf.

Brennende Autoreifen auf der Bundesstraße 27

Wie befürchtet, hatten einzelne linksautonome Gruppen es durchaus wörtlich gemeint mit dem Motto: „Den Brandstiftern einheizen.“ Mit brennenden Autoreifen wurde am frühen Samstagmorgen versucht, die Bundesstraße 27 an der Ausfahrt Flughafen und die Autobahn 8 unmittelbar unterm Messeparkhaus zu blockieren. Beide Strecken mussten von der Polizei kurzzeitig gesperrt werden.

Dass auf der Autobahn zeitweise ein Tempolimit von 60 km/h galt, nutzte letztlich auch den Brandstiftern: Die flüchteten waghalsig über die Autobahn auf die Felder. Einige konnten aber wenig später festgenommen werden. Eine Hauptgruppe, die gleich nach Ankunft gegen 7 Uhr mit Bengalos und Leuchtraketen losgelegt hatte, wurde auf der Flughafenstraße von der Polizei eingekesselt. Dadurch war auch der Verkehr auf dem Flughafen-Areal nahezu lahm gelegt.

Leidtragende waren die Autofahrer - vor allem jene mit weiterer Anfahrt hatten vorher nichts von den drohenden Ereignissen mitbekommen. Eine Frau aus dem Kreis Böblingen bekannte, „keine Zeitung zu lesen“. Auch die Radiomeldungen vorab hatte sie nicht registriert.

Spießrutenlaufen der AfD-Mitglieder

Sprecher des Aktionsbündnisses gegen den AfD-Parteitag kritisierten, dass die Polizei viele Teilnehmer gehindert habe, den Demonstrationsort auf dem Fernbusterminal vor der Messepiazza zu erreichen. „Viele sind gar nicht erst durchgekommen“, heißt es. Ähnliches galt für verirrte Teilnehmer des AfD-Parteitags. Die gerieten auf der Suche nach dem Eingang mitten in die Menge der Gegendemonstranten. Polizisten mussten beim Spießrutenlaufen helfend eingreifen, was in der Menge wiederum als Provokation aufgefasst wurde. „Ihr schleust hier Rechte durch“, rief ein Sprecher, „und ihr greift Leute an, die sich ihnen in den Weg stellen.“ Auf dem Platz waren nach Angaben der Polizei letztlich mehr als 500 Protestierer dem Aufruf des Aktionsbündnisses gefolgt.

Mehr als 400 andere landeten freilich woanders: In der Gefangenensammelstelle der Polizei, die eine solche in einer der Messehallen eingerichtet hatte. Überhaupt erwies sich die Messe für die Polizei als strategisch ideal. In diversen Hallen wurden Verpflegungssäle, Lazarette, Gefangenencontainer und mobile Büros für Bereitschaftsstaatsanwälte und Richter eingerichtet - auch die große Zahl von Polizeifahrzeugen kam bequem unter. In der Landesmesse findet schließlich auch eine CMT, Caravan, Motor und Touristik, Platz.

Der Parteitag der AfD fand letztlich mit Verspätung statt. Erste Berichte sprechen von 2400 Teilnehmern. Der Parteitag soll bis Sonntag dauern.

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