Flagge zeigen: Mit einer klaren Ansage reagierten die Stuttgarter Staatstheater auf eine Demonstration, die sich im Oktober 2015 gegen die Genderpolitik der Landesregierung richtete. Foto: dpa

Die Kulturpolitik der AfD wird weiterhin auch im Ausland mit Sorge verfolgt. Nachdem bereits die „New York Times“ berichtet hat, setzt sich jetzt auch die in London erscheinende „Financial Times“ (FT) mit den Angriffen der baden-württembergischen AfD auf das Stuttgarter Staatstheater auseinander.

Stuttgart - Die Kulturpolitik der AfD wird weiterhin auch im Ausland mit Sorge verfolgt. Nachdem im Juli die „New York Times“ darüber berichtet hat, setzt sich jetzt die in London erscheinende „Financial Times“ (FT) mit den Angriffen der rechtspopulistischen Partei auf Theater und Oper auseinander. Abermals im Mittelpunkt des Interesses: die baden-württembergische AfD und ihre Landtagsanfrage, mit der sie die Nationalitäten der am Staatstheater beschäftigten Sänger, Tänzer und Schauspieler ermitteln ließ.

„In Deutschland wütet ein Kulturkampf gegen die Künste“ überschreibt James Imam seinen Beitrag für die Zeitung aus London. Iman arbeitet als Musik- und Opernkritiker und reist für die FT häufig zu Aufführungen ins Stuttgarter Staatstheater. Das Haus steht für ihn als „Symbol von Toleranz und Inklusion“. Doch als Ende Juni die AfD nach den Pässen der Künstler fragte, hätten „viele Beobachter darin bedrohliche Parallelen zum Aufkommen des Nationalsozialismus“ gesehen. Für seine breit angelegte Recherche hat er unter anderem mit Petra Olschowski gesprochen, Staatssekretärin für Kunst im Wissenschaftsministerium: „Ich habe niemals gedacht, dass das ein deutsches Problem werden könnte“, wird die Grünen-Politikerin zitiert. Und Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführender Intendant der Staatstheater, sagt in dem Artikel: „Manche unserer Beschäftigten hatten nach der AfD-Anfrage große Angst“.

„Die Stuttgarter Oper muss politischer werden“

Um die Ideologie der Rechtspopulisten zu skizzieren, hat der FT-Autor auch Kontakt zum AfD-Vordenker Hans-Thomas Tillschneider aufgenommen, der im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt. „Es genügt nicht, dass die AfD nur das Kunstministerium kontrolliert, sie muss die Regierung bilden“, antwortet Tillschneider, von Beruf Islamwissenschaftler, schriftlich auf die Anfrage der „Financial Times“. Und weiter: „Wir müssen unsere Kunstfreiheit vor den totalitären Neo-Linken beschützen, die die Kulturszene dominieren.“

Am Ende kehrt die Reportage wieder nach Baden-Württemberg zurück – und bringt die Strategien ins Spiel, mit denen sich die von der AfD attackierten Häuser wehren wollen. Thomas Koch, Kommunikationschef der Stuttgarter Oper, sagt: „Wir können nicht das Harry-Potter-Ding durchziehen und den Namen ,Voldemort“, sprich AfD, unerwähnt lassen. Wir müssen den Menschen zeigen, was hinter der Maske steckt.“ Und der Opernintendant Viktor Schoner antwortet auf die Frage, ob seine Oper angesichts der Bedrohungen politischer werden müsse, mit einem entschiedenen: „Yes.“ Ja, sie muss.

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