Willkommen im Leben – in Zukunft gibt es in Stuttgart nur noch vier Geburtskliniken. Foto: dpa

Das Charlottenhaus verabschiedet sich zum Jahreswechsel aus der Geburtshilfe. Die verbleibenden vier Stuttgarter Geburtskliniken sehen sich in der Lage, den Wegfall zu kompensieren. Auch eine technische Neuerung soll helfen, die Lage zu entspannen, wenn Kreißsäle in einer Klinik überfüllt sind.

Stuttgart - Müssen Schwangere, die im Jahr 2019 ihr Kind auf die Welt bringen, Sorgen haben, dass sie in Stuttgart nicht entbinden können? Die Geschäftsführer der vier verbleibenden Geburtskliniken in der Landeshauptstadt haben im Krankenhausausschuss an diesem Freitag Optimismus verbreitet, dass sie den Versorgungsauftrag auch im nächsten Jahr erfüllen können. Alle haben angekündigt, die Kapazitäten aufzustocken und mehr Geburten als bisher zu übernehmen.

Während das am Robert-Bosch-Krankenhaus, am Marienhospital und an der St. Anna-Klinik im Rahmen der bestehenden Räumlichkeiten gelingen soll, wird das Klinikum Stuttgart auch baulich erweitern: „Wir treffen bauliche Vorbereitungen, die Kreißsaalkapazitäten zu steigern“, berichtete der Geschäftsführende Ärztliche Direktor Jan Steffen Jürgensen in dem Gremium. Man baue einen sechsten Kreißsaal, konkretisiert auf Anfrage ein Klinikums-Sprecher. Dieser soll 250 zusätzliche Geburten ermöglichen. Das städtische Krankenhaus will laut Geschäftsführer Alexander Hewer zudem die Neonatologie erweitern. Man geht davon aus, dass bei mehr Geburten in der Frauenklinik auch mehr Plätze auf den Neugeborenenintensivstationen des Olgahospitals gebraucht werden.

1000 Schwangere haben pro Jahr im Charlottenhaus entbunden

Krankenhausbürgermeister Michael Föll (CDU) berichtete, dass in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche stattgefunden hätten, um sicherzustellen, dass alle Stuttgarter Schwangeren auch wirklich entsprechenden Platz in einer Geburtsklinik bekommen. Das ist nötig, da das Charlottenhaus sich zum Jahresende aus der Geburtshilfe verabschiedet. Für einen langjährigen Belegarzt konnte der Träger, das Robert-Bosch-Krankenhaus, keinen Nachfolger finden.

Im Charlottenhaus haben pro Jahr rund 1000 Frauen entbunden, 750 kamen dabei laut dem Ärztlichen Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses, Mark Dominik Alscher, aus Stuttgart. Alscher versicherte noch mal, dass man viel unternommen habe, um das Charlottenhaus als Standort der Geburtshilfe zu erhalten, das sei leider nicht gelungen.

Föll: „Ein Stück Vielfalt im Angebot entfällt“

„Rein quantitativ können die vier Träger den Wegfall des Charlottenhauses kompensieren“, sagte Krankenhausbürgermeister Föll – dass mit dem Charlottenhaus „ein Stück Vielfalt im Angebot entfallen wird“, nannte er „bedauerlich“. Das RBK sieht sich laut Alscher in der Lage, 300 bis 350 weitere Geburten zu bewältigen. Das Marienhospital soll ebenfalls für 300 weitere Geburten gerüstet sein. Die drei Kreißsäle seien 2004 erneuert worden und könnten mehr als die 1200 Geburten, mit denen man dieses Jahr rechnet, bewältigen, so der Geschäftsführer Markus Mord. Zum 1. Januar und zum 1. April werde man Personal neu einstellen, kündigte Mord an. An der St. Anna-Klinik wiederum wären räumlich 200 zusätzliche Geburten möglich, so der Geschäftsführer der Geburtsklinik, Michael Hinderer. Von belegärztlicher Seite wären 1200 Geburten leistbar, berichtete er. Die Klinik braucht aber mehr Hebammen. Von der Seite sei aber auch Bereitschaft signalisiert worden aufzustocken, so Hinderer.

Allerdings gibt es bekanntlich immer wieder Tage, an denen in einer Geburtsklinik alle Kreißsäle belegt sind und die Schwangeren an andere Kliniken verwiesen werden. Momentan ist es noch so, dass die Hebammen in dem Fall alle anderen Kliniken durchtelefonieren, um einen freien Kreißsaal auszumachen. Das soll in naher Zukunft schneller und unkomplizierter werden. Die leitenden Hebammen der verschiedenen Geburtskliniken hätten sich getroffen und eine unkomplizierte Lösung gefunden, berichtete Alscher: In das sogenannte Rescue-Track-System des Rettungsdienstes sollen die Kreißsäle mit aufgenommen werden. Darüber soll eine Hebamme, wenn eine Geburtsklinik voll ist, auf einen Blick am Bildschirm sehen können, wo ein Kreißsaal frei ist. Die Anrufe entfallen. „Das ist eine Entlastung für die Hebammen“, lobte Alscher.

Hebammen sollen über Bedarf ausgebildet werden

Von Seiten der Gemeinderatsvertreter wurde der Wegfall des Charlottenhauses bedauert und der trägerübergreifende Einsatz gewürdigt. Angesichts des Hebammenmangels wurde die Sorge geäußert, nicht genug Personal zu finden. Klinikumsgeschäftsführer Hewer berichtete, man bemühe sich, Hebammen kurz- oder mittelfristig „über den Bedarf hinaus auszubilden“.

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