Wer einen neuen Hausarzt sucht, tut sich offenbar auch in Leinfelden-Echterdingen schwer. Foto: picture alliance / Benjamin Ulmer/dpa

Bis zu 100 000 Euro ist Leinfelden-Echterdingen bereit auszugeben, wenn sich ein Hausarzt dort niederlässt. Auf diese Förderung setzt die Stadt nun noch was drauf.

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen wird dank ihrer Neubaugebiete immer größer. Wer allerdings neu in der Stadt ist, dürfte Probleme haben, dort einen Hausarzt zu finden. „Die Hausärzte sind alle voll. Sie nehmen keine neue Patienten auf “, sagt Eberhard Wächter, der nicht nur Kommunalpolitiker ist, sondern hauptsächlich Apotheker in Echterdingen. Wächter spricht berufsbedingt viel mit Menschen, die auf eine gute ärztliche Versorgung angewiesen sind. Und die sei in den vergangenen Jahren deutlich schlechter geworden, betont er. Es gebe von allem zu wenig: Zu wenig Haus-, Kinder- und Fachärzte. Es drohe „ein krasser Ärztemangel“, sagt der Chef der Freien Wähler/FDP-Fraktion.

 

Die Erkenntnisse die derweil Martin Felger, Geschäftsführer der Firma Diomedes gewonnen hat, bewertet Wächter als „komplett falsch“. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hatte den Experten beauftragt herauszufinden, wie hoch der Mangel an Hausärzten in der Stadt ist. Felger und sein Team hatten dafür Gespräche mit Hausärzten und Medizinern aus Kinder- und Jugendpraxen geführt. Sie hatten dabei unter anderem festgestellt, dass die hausärztliche Versorgungslage in Leinfelden-Echterdingen – zumindest jetzt noch – relativ gut ist, wenn auch in Echterdingen etwas schlechter, als in Leinfelden.

Auch Barbara Sinner-Bartels (SPD) sagt: „Es besteht jetzt schon Handlungsbedarf. Nicht erst in einer gewissen Zukunft.“ Die SPD-Stadträtin betont: Nicht nur für Neuzugezogene, sondern auch für Menschen, deren Hausärzte ohne Nachfolge in Ruhestand gehen, sei es schwer in einer Praxis unterzukommen. Gerade in den kleinen Ortsteilen gebe es zu wenig Angebote.

50 000 Euro für die Praxiserweiterung

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass örtliche Arztpraxen wachsen dürfen. Bis zu 50 000 Euro soll eine Echterdinger Arztpraxis dafür erhalten, dass ihr Angebot um einen weiteren Kassenarztsitz erweitert wird. Der Gemeinderat hat diese Summe schon bewilligt. Ganz in trockenen Tüchern soll das Ganze allerdings noch nicht sein. Das Fachamt verhandele noch mit der Praxis, heißt es.

Fest steht: Die entsprechende Förderrichtlinie wurde überarbeitet. Zur Erinnerung: Die Kommune hatte 2023 beschlossen, bis zu 100 000 Euro auszubezahlen, wenn sich ein Mediziner in der Stadt für mindestens zehn Jahre niederlässt. Und dabei eine Praxis übernimmt oder neu gründet. Im Einzelfall soll nun auch eine Praxiserweiterung gefördert werden können. Zumindest dann, wenn dadurch ein weiterer Kassenarztsitz eingerichtet wird und es dadurch zu einer quantitativ und qualitativ besseren medizinischen Versorgung kommt.

„Der Bewerber oder die Bewerberin kommt dann zu uns ins Gremium“, erklärte Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell das Vorgehen. Die Stadträte seien dann völlig frei zu sagen, ob sie in dieser Konstellation die Förderung bewilligen wollen – oder eben nicht. Von einer solchen Einzelfallentscheidung könne kein Anspruch auf eine Förderung abgeleitet werden, heißt es in dem Papier der Stadt. „Wir wollen ja einen Entscheidungsspielraum haben“, erklärte der zuständige Amtsleiter Roman Stuiber.

Nicht alle Fraktionen zeigten sich im Sozialausschuss zufrieden mit der neuen Regelung, die schlussendlich doch beschlossen wurde. „Geht das überhaupt?“, wollten die Grünen wissen. Ihnen fehlten genauso wie den Freien Wähler/FDP sauber formulierte Kriterien. Es sei unklar, unter welchen Bedingungen Investoren das Geld erwarten dürfen, erklärten die FW/FDP. Eine solche Summe dürfe nicht nach Gutdünken rausgegeben werden.

Runder Tisch mit der Ärzteschaft

„Das ist Steuerzahlergeld. Es muss nachvollziehbar und gerecht verteilt werden“, argumentierte die SPD. Die CDU hielt dagegen „nicht ins Klein-Klein verfallen zu wollen“, die L. E. Bürger/DiB wollen „kein Bürokratiemonster schaffen“.

Bei einem runden Tisch mit der Ärzteschaft, denn die SPD schon vor längerer Zeit gefordert hat und an dem auf CDU-Antrag auch Stadträte teilnehmen werden, soll über die neuen Fördermöglichkeiten informiert werden. Dort soll auch geklärt werden, ob die Richtlinie nochmals überarbeitet werden muss. Denn: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, sagte Bürgermeister Kalbfell.