Die ärztliche Versorgungslage in Alfdorf wird immer schlechter, Bürgermeister Krötz ist längst aktiv geworden, bisher ohne Erfolg. Foto: dpa, Stoppel (Archiv)

Die Versorgung in Alfdorf bröckelt: Von einst vier Ärzten sind zwei übrig. Wie lange noch, ist offen – eine der beiden sucht einen Nachfolger. Der Bürgermeister hilft, wo er kann.

Keine Vorankündigung, kein Anschreiben, nichts: Gabriele Patitsis ist aus allen Wolken gefallen, als sie Anfang April bei ihrem Hausarzt angerufen hat, um einen Termin auszumachen, und dabei erfuhr, dass er die Woche drauf für immer schließen wird. „Die Ärzteversorgung ist mittlerweile die reinste Katastrophe. Er hat wohl nach einem Nachfolger gesucht und keinen gefunden, und dann steht man als Patientin quasi von einem Tag auf den anderen da und hat keinen Arzt mehr“, sagt die gebürtige Schorndorferin.

 

Sie wohnt seit 1997 – also seit mittlerweile 28 Jahren – in Alfdorf. Und exakt so lange hatte sie Zdzislaw Jan Kadlubiec als Hausarzt. „Ich bin nach Alfdorf gezogen und habe mir relativ zeitnah hier vor Ort auch einen Arzt gesucht“, sagt Gabriele Patitsis und fügt an, dass sie mit ihrer Wahl eigentlich auch immer sehr zufrieden gewesen sei. „Ich habe einige chronische Sachen. Da baut man dann schon ein Vertrauensverhältnis auf über all die Jahre“, sagt die dreifache Mutter und könnte sich noch immer ärgern, dabei ist sie mittlerweile bei einem neuen Arzt untergekommen.

Patientin Gabriele Patitsis wusste sich zu helfen und hat einen neuen Hausarzt, aber sie bemängelt das System. Foto: privat

Suche nach Hausarzt: Gabriele Patitsis telefoniert sich die Finger wund

Doch bis sie den gefunden hatte, musste sich die 65-Jährige die Finger wund telefonieren. „Man macht und tut, und nichts passiert. Ich habe meinen neuen Hausarzt nach langem Suchen jetzt in Schwäbisch Gmünd gefunden. Für mich ist das noch kein Problem, aber was machen betagtere Patienten, die nicht mehr so mobil sind?“, sagt Gabriele Patitsis und fügt an, dass sie meist die gleichen Sachen zu hören bekommen habe. „Entweder hieß es, die Praxis sei voll, man nehme nur Ortsansässige oder man könne mich nur auf eine Warteliste setzen.“

Zudem riet man ihr, beim Patientenservice unter 116 117 anzurufen. „Das habe ich gemacht und den Tipp gekriegt, dass ich, wenn ich keinen Arzt finde, zu wechselnden Tagesärzten müsste.“ Ein No-Go für die 65-Jährige, die ihren Arzt kennen und nicht bei jedem Termin bei null anfangen möchte. „Da stimmt etwas grundlegend im System nicht, aber die Politik kümmert sich nicht.“

Hausärzte finden keine Nachfolger

Dieses Problem sieht auch Ronald Krötz. Die Ärztesituation für die gut 7000 Einwohner seiner Gemeinde treibt ihn täglich um, denn der Alfdorfer Bürgermeister kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als seine Bürger bei insgesamt vier Hausärzten in drei Praxen gut und ausreichend versorgt waren. Doch seit 2023 bröckelt diese Versorgung. Nachdem vor nicht einmal zwei Monaten nun auch Zdzislaw Jan Kadlubiec ohne Nachfolger aufgehört hatte, hat sich die Bilanz nochmals deutlich verschlechtert. Und auch wenn die noch verbliebenen Kolleginnen, Ulrike Steudle und Ekaterina Behrendt, Zdzislaw Jan Kadlubiec wohl sicherlich seinen Ruhestand gönnen, sind sie und mit ihnen die Patienten nun die Leidtragenden einer Situation, die sich immer mehr zuspitzt: Es wird immer schwieriger, Nachfolger für Ärzte zu finden.

Heißt für Alfdorf Stand jetzt: Von vier Ärzten sind noch zwei Medizinerinnen übrig, und eine davon plant, im Frühjahr 2026 ebenfalls in den Ruhestand zu gehen und sucht bereits nach einem Nachfolger. „Die Lage ist alles andere als gut. Als Herr Doktor Behrendt mir damals mitteilte, dass er schwer krank ist, war das eine schreckliche Nachricht“, sagt Krötz. Als der Mediziner starb und seine Frau mit der Praxis allein ließ, fing der Bürgermeister an, aktiv mitzuhelfen. „Ich nutzte die Schwarmintelligenz, suchte mittels Annoncen im Amtsblatt und mithilfe der sozialen Medien.“

Lage bei Hausärzten wird immer schlechter – Lockmittel für junge Ärzte fehlen

Doch statt Erfolge zu verbuchen, musste Ronald Krötz mit der Schließung der Praxis von Zdzislaw Jan Kadlubiec nun den nächsten Rückschlag einstecken. „Ich habe immer wieder Gespräche, und es sah schon einige Male gut aus, aber bisher treten wir auf der Stelle.“ Angedacht sei beispielsweise, erfahrene Mediziner zu einem Außenstandort zu überreden, oder hinsichtlich eines Medizinischen Versorgungszentrums voranzukommen. „Ich hatte auch schon Verhandlungen mit ehemaligen Alfdorfern, die als Ärzte in die große weite Welt hinausgezogen sind und sich durchaus vorstellen könnten, aufs Land zurückzukommen. Aber der durchschlagende Erfolg ist bisher ausgeblieben“, sagt Krötz und kann sich auch erklären, warum. „Viele Ärzte wollen keine eigene Praxis mehr. Die Bürokratie, kaum Freizeit, viel Verantwortung. Die Bedingungen müssten verbessert und vereinfacht werden, aber die Politik macht gar nichts.“

Ärztemangel: Bürgermeister bemängelt die Einteilung der KVBW

Daneben bemängelt Krötz noch einen grundlegenden Fehler im System – nämlich die Einteilung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW). „Da gehört Alfdorf zum Mittelbereich Schorndorf, wodurch auf dem Papier keine Unterversorgung vorliegt und die KVBW auch nicht mit irgendwelchen attraktiven Lockmitteln aktiv wird, aber tatsächlich sieht es natürlich ganz anders aus, und wir sind auf uns allein gestellt“, sagt Krötz. Das sei das Dilemma und mache das Ganze besonders schwierig. Deshalb versucht sich der Bürgermeister als Vermittler, auch wenn er sagt, dass das eigentlich nicht kommunale Aufgabe sei. Dass Alfdorf genügend Ärzte ausweisen kann, ist als Standortfaktor aber natürlich im Interesse der Gemeinde, und Ronald Krötz will seine Alfdorfer gut versorgt wissen. „Deshalb werden wir weiter unterstützen, bis die Lage endlich wieder besser aussieht, und das hoffentlich, bevor die Nächste geht.“