Auf dem Land kämpfen die Gemeinden schon seit Jahren um Nachfolger für Hausarztpraxen. Jetzt kommt der Mangel an Medizinern auch in den Städten des Landes an Foto: dpa

Ländliche Gemeinden tun sich schon länger schwer, Hausärzte zu finden. Doch das Problem kommt auch in den Städten an. In Stuttgart gibt es bereits mehrere unterversorgte Stadtbezirke.

Stuttgart - Derzeit gibt es in Baden-Württemberg noch rund 7100 Hausärzte. Rein rechnerisch stehen für jeden Landkreis 161 Ärzte bereit. In der Realität sieht es jedoch anders aus, denn die Mediziner sind nicht gleichmäßig verteilt. Laut Statistischem Landesamt kommen in Stuttgart auf einen Arzt 448 Einwohner, im Hohenlohekreis dagegen 800 Einwohner. Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren jedoch deutlich zuspitzen könnte: Denn in Baden-Württemberg sind über 25 Prozent der niedergelassenen Hausärzte älter als 60 Jahre.

In vielen Regionen sind bereits jetzt zu wenige Hausärzte vorhanden, um den Bedarf in allen Gemeinden decken zu können. Laut einer Prognose der Kassenärztlichen Bundesvereinigung soll es im Jahr 2020 etwa 7000 Hausärzte weniger geben als noch im Jahr 2010. Davon sind nicht nur ländliche Regionen betroffen – auch in Stuttgart gibt es mit Stammheim, Zuffenhausen und Weil­imdorf bereits jetzt Stadtbezirke, die medizinisch unterversorgt sind. „Dem Stuttgarter Patient geht es zwar immer noch besser als dem in Bopfingen“, sagt Johannes Fechner, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, „dennoch werden auch die Praxen in Stuttgart voller, die Wege für die Patienten länger und die Ärzte häufiger wechseln.“

Nicht nur das geringe Einkommen und die hohe Arbeitsbelastung schrecken den medizinischen Nachwuchs ab. Auch mangelndes Sozialprestige und fehlende Infrastruktur halten Studenten davon ab, den Schritt zu wagen. Besonders Frauen sehen wenig Möglichkeiten, den Hausarztberuf mit der Familie zu vereinbaren. In einer zehnteiligen Serie untersucht unsere Zeitung, wie es zu dem Mangel kommen konnte und welche Lösungen Experten vorschlagen.

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