Am Sindelbach in Möhringen wird für rund drei Millionen Euro ein Hochwasserschutzbecken errichtet. Die Arbeiten laufen jedoch nicht wie geplant, die Fertigstellung verzögert sich.
Der Lautlinger Weg in Stuttgart-Möhringen stellt für Radfahrer und Fußgänger eine wichtige Verbindung zum Leinfeldener Stadtteil Oberaichen dar. Seit vielen Monaten ist er aufgrund einer Baustelle jedoch kurz nach den Stadtbahngleisen dauerhaft gesperrt. Für Verärgerung sorgte, dass in den vergangenen Wochen dort nur wenig voranging und zugleich Umwege in Kauf genommen werden müssen.
Auf einer Wiese am Sindelbach, der parallel zu den Schienen verläuft, wird seit September 2024 ein Hochwasserrückhaltebecken errichtet. Es soll verhindern, dass der Bach über die Ufer tritt und Schäden in den angrenzenden Wohngebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen verursacht. Geschützt vor Hochwasser werden auch die Klärwerke in Möhringen und Plieningen. Welche Auswirkungen solch ein Szenario haben kann, zeigte sich sowohl im Juli 2013 als auch im Mai 2024: Damals war das Freibad Rosental in Stuttgart-Vaihingen überschwemmt und technische Anlagen beschädigt worden.
Das Becken sollte ursprünglich schon am 22. Dezember 2025 fertiggestellt sein. „Wie so oft ist der vorgesehene Zeitplan nicht exakt einzuhalten“, sagt Helmut Schönleber, Geschäftsführer des Zweckverbands Hochwasserschutz Körsch, dessen namensgebender Fluss sich in Möhringen aus dem Sindel- und dem Aischbach bildet.
Überraschender Fund
Die Arbeiten habe man auf dem Baugelände bis kurz vor Weihnachten abgeschlossen. „Allerdings kam es in der Bauumsetzung des Lautlinger Wegs zu Verzögerungen, da beim Bau des Durchlasses für den Sindelbach unbekannte Leitungen angetroffen wurden, die aufwendig gesichert und geprüft werden mussten“, sagt Schönleber. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse habe die Stuttgart Netze parallel zu unserer Baumaßnahme eine umfassende Leitungssanierung im gesamten Lautlinger Weg samt Erweiterung der bestehenden Stromtrasse beschlossen. Nach Angaben der Stadt Stuttgart werden derzeit Leerrohre für eine 110-Kilovolt-Stromleitung verlegt.
Im Januar und in Teilen des Februars musste die Baustelle wegen schlechter Wetterbedingungen ruhen. „Das Wiederverfüllen von Leitungsgräben kann eben nur in frostfreier Zeit erfolgen“, sagt Schönleber. Er betont, dass die Stuttgart Netze beabsichtigt, die Maßnahme in den kommenden Tagen fertigzustellen. „Die Planung und die bauliche Umsetzung für die Leitungserweiterungen waren aufwendig. Daran anschließend ist für März der Wegebau und die Asphaltierung des Lautlinger Wegs durch unsere Baufirma vorgesehen. Mit allen weiteren Maßnahmen, wie Straßenmarkierungen und Geländer am Durchlass des Sindelbachs, rechnen wir, dass der Lautlinger Weg Anfang April für den Verkehr wieder freigeben werden kann.“
Das Becken am Lautlinger Weg in Möhringen ist das sechste von insgesamt acht Rückhaltebecken, die der Zweckverband entlang der Körsch realisiert. Die Kosten für das Schutzbauwerk, das bei Bedarf bis zu 25 700 Kubikmeter Wasser speichern kann, wurden Ende Januar 2024 auf 2,7 Millionen Euro brutto geschätzt. „Im Juli 2024 war abzusehen, dass diese Kosten aufgrund der erweiterten Ausführungsplanung nicht ausreichen und sich auf circa drei Millionen Euro brutto erhöhen werden“, sagt Schönleber. „Ein Erhöhungsantrag zur Förderung durch das Land Baden-Württemberg wurde an das Regierungspräsidium Stuttgart gestellt und im Bescheid vom 10. November 2025 wurden die förderfähigen Baukosten auf 2,8 Millionen Euro brutto erhöht. Die Restkosten werden vom Zweckverband zu 100 Prozent getragen.“