Da fotografiert ja einer Adam und Eva: Wehe ihm, wenn er das Bild der Kunst auf Facebook stellt. Foto: dpa

Belgiens Museen locken auf Facebook mit Rubens-Gemälden. Das Netzwerk löscht die Bilder – wegen zu viel Nacktheit. Auf Youtube schlagen die Belgier gegen so viel Prüderie witzig zurück.

Brüssel - Realität oder Satire? Martialisch auftretendes Sicherheitspersonal entert belgische Museumsräume. Einen Moment lang fürchtet man, es gebe eine „Terrorlage“, wie das mittlerweile kühl heißt. Dann befragen die Uniformierten die Besucher, die sich gerade Gemälde von Peter Paul Rubens anschauen, ob sie einen Social Media Account besitzen. Wer mit Ja antwortet, wird sofort von den Bildern mit nackten Menschen weggeleitet – als sei er etwa als einfacher Konzertbesucher in einer geschlossenen VIP-Loge ertappt worden. Damit der ein oder andere nicht noch im Vorbeigehen Adam und Eva im Paradies anschielen kann, breitet das Personal schon mal blicksperrend die Arme aus.

Hier gibt’s das Video:

Das über Youtube auf dem Tourismus-Werbekanal „visitflanders“ verbreitete Filmchen ist – noch – Satire. Auch wenn es nach dem Versteckte-Kamera-Prinzip mit nichtsahnenden echten Museumsbesuchern gedreht wurde. Mit dieser Zensurpersiflage stemmen sich Belgiens Museen und Fremdenverkehrswerber gegen die Prüderie von Facebook.

Feigenblätter reichen nicht mehr

Mit den weltberühmten Bildern des flämischen Meistermalers Peter Paul Rubens (1577-1640) möchte man Menschen weltweit via Facebook daran erinnern, warum sich ein Kultururlaub in Belgien schon mal lohnen könnte. Facebook aber hat wenig Sinn für Kultur, edle Nacktheit und Kunst, die weder Pornografie noch Erniedrigung ist.

Mittels vollautomatisierter Zensur werden die Gemälde ausgeblendet, Diskussion zwecklos. Ein Fünftel der Facebook-Postings von „visitflanders“, sagen die Betreiber, sei so schon beseitigt worden.

Die Bewunderung für Rubens’ Bilder zieht sich zwar durch die letzten vier Jahrhunderte, verklemmtes Anzetern gegen die sinnlichen Körper aber auch. Dabei hatten doch schon die Tugendwächter zu Lebzeiten des Malers Zurückhaltung erzwungen. Seine Venus-Figuren mussten Lendenschürze tragen. Die Blößen von Adam und Eva musste er mit den sprichwörtlich gewordenen Feigenblättern bedecken.

Kunstzensur ist Programm

Den menschlichen Zensoren und den Schamverletzungs-Suchprogrammen von Facebook aber ist dieser Kompromiss im 21. Jahrhundert nicht mehr gut genug. Während sie gegen eine Burka wohl gar nichts hätten. Dümmer kann man als Netzwerk kaum dastehen.

Genüsslich stellt das Youtube-Video von „visitflanders“ dar, wie es aussähe, wenn man diese sture „Huch-nackt-darf-gar-nicht-sein“-Politik in die nicht-virtuelle Welt übertragen würde. Dabei ist Kunstzensur klipp und klar in den Facebook-Richtlinien festgeschrieben: Zu den anstößigen Inhalten zählen demnach „Nacktheit, Darstellung von Menschen in expliziten oder zweideutigen Stellungen oder Aktivitäten, die offen erregend und sexuell provozierend sind“. Und es folgt die klare Ansage, dass auch Rubens und Kollegen gemeint sind: auch „angedeutete Nacktheit, selbst künstlerischer und bildender Natur“ werde aussortiert.

Facebook erkennt das Problem

Vielleicht lässt sich Facebook ja durch den Appell von einem Dutzend belgischer Kulturbeauftragter, die an Mark Zuckerberg geschrieben haben, ein wenig beeindrucken. Facebook nennt das blamable Kunstzensieren zumindest ein Problem, dessen man sich bewusst sei.

Der Nachrichtenagentur AP teilte man mit, die Kunstproblematik sei Teil einer seit längerem laufenden Überprüfung: „Wir wollen sicherstellen, dass Museen und andere Institutionen einige ihrer berühmtesten Gemälde teilen können.“ Wenn man aber die guten Vorsätze von Facebook, beispielsweise rassistische Hetze zu erkennen und zu bannen, mit der miserablen Umsetzung vergleicht, bekommt man nicht viel Hoffnung, dass Rubens bald als Kunst erkannt wird.

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