Landwirte appellieren , Wiesen und Felder von Hundekot freizuhalten. Foto:  

Landwirte und Gärtner wünschen sich mehr Rücksichtnahme von Spaziergängern und Hundebesitzern. Sie appellieren, Wiesen und Felder von Hundekot freizuhalten.

Fellbach - Mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt nicht nur die Vegetation auf Feldern und Wiesen zu sprießen, sondern auch Jogger, Radfahrer und Spaziergänger mit wie ohne Hund sind häufiger unterwegs. Weil sich nicht alle Freiluftaktivisten an die Regeln halten und mitunter Abfall oder Hundekot die Felder verunziert, fordert der Landesbauernverband Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung „Hundehalter und Freizeitsuchende wie Landwirte zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf“.

Als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Schmiden kennt Wolfgang Bürkle das Problem, auch wenn er als Getreidespezialist nicht so stark davon betroffen ist, wie Anbauer von Sonderkulturen. Er stellt weniger bösen Willen, als vielmehr gelegentliche Unkenntnis bei Hundebesitzern fest: „Ein Getreidefeld ist für sie eine Wiese, bis die Ähren draußen sind.“

Ein Hund könnte auch die Rebhühner aufschrecken

Ein dort quer übers Schmidener Feld rennender Hund könne nicht nur – überschaubaren – Schaden anrichten, sondern auch die dort lebenden Rebhühner aufschrecken. Weniger erbaut ist der 40-Jährige allerdings, wenn Hundekot erst in die aus Spendern entnommenen Tüten verpackt, dann aber doch in die freie Natur geworfen wird. Über etwas mehr Umweltbewusstsein und gelegentlich auch etwas mehr Präsenz des Feldschütz würde sich Wolfgang Bürkle deshalb freuen.

Zu allgemein den stärker betroffenen Bewirtschaftern von Sonderkulturen zählt auch der Rommelshausener Markus Fischer. Auf seinen knapp 20 Hektar Freilandfläche wachsen unter anderem Salate, Kohlrabi, Rosenkohl, Radieschen und Fenchel. Auch er spricht nicht von einem gravierenden, aber auch nicht von einem kleinen Problem. Besonders ärgerlich sei es, wenn ein Hund im Frühjahr Abdeckvliese zerstöre. Dann könne auch mal ein größerer Schaden entstehen, weil der darunter wachsende Salat dann ebenfalls kaputt gehe. Wie Wolfgang Bürkle setzt auch Markus Fischer auf das Problembewusstsein der Spaziergänger: „Fast alle Hunde sind gut erzogen.“

Es ist sinnvoll Hunde von Gemüsekulturen fernzuhalten

Während es unbestritten sinnvoll ist Hunde von Gemüsekulturen fernzuhalten und auch Wengerter bei der Lese ungern mit tierischen Tretminen Bekanntschaft machen, ist die Gefahr fürs Vieh offenbar aber nicht ganz so hoch einzuschätzen, wie es der Landesbauernverband gerne suggeriert.

Dass die Aufnahme von verunreinigtem Futter vor allem bei trächtigen Rindern zu Fehlgeburten führen kann, ist aus Expertensicht zwar richtig, allerdings trägt kaum ein normaler Stadthund den Erreger Neospora caninum in sich. „Überträger ist fast immer der eigene Hofhund“, sagt Doktor Ingo Schwabe, ein anerkannter Experte und Fachtierarzt für Pathologie am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart in Fellbach. Beispielsweise wenn sie Nachgeburten von Rindern fressen, können die Hofhunde mit dem Parasit in Berührung kommen. Diese Einschätzung des Fellbacher Fachmanns bestätigt auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einer Veröffentlichung.

Auch in Sandkästen findet sich immer wieder Tierkot

Allerdings kann die Hinterlassenschaft von Haustieren, vor allem von Katzen, durchaus Krankheiten auf den Menschen übertragen. In Sandkästen von Kinderspielplätzen findet sich immer wieder Katzenkot, der Spulwürmer und Hakenwurmlarven übertragen kann. In ganz seltenen Fällen komme es nach den Erkenntnissen von Doktor Ingo Schwabe vor, dass Hunde die Eier des für Menschen gefährlichen Fuchsbandwurms ausscheiden.

Vor allem kann man sich aber Durchfallerkrankungen bei Hunden holen. Relativ häufig ist nach Einschätzung des 46-Jährigen vor allem der einzellige Durchfallerreger Girardia intestinalis. Eine generelle Gefahr sieht der Fachmann, der ebenfalls für gegenseitige Rücksichtnahme und das Entfernen von Hunde- und Katzenkot plädiert, aber nicht: „Wir haben in Deutschland keine Krankheit, bei der Hundekot epidemiologisch eine Rolle spielt.“

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