Die Parkscheibenregelung im Fellbacher Gewerbegebiet war im vergangenen September gestartet worden. Foto: Dirk Herrmann

Die Stadt Fellbach setzt auf eine Parkscheibenregelung, damit im Gewerbeareal Siemensstraße keine Wohnmobile mehr tagelang die Parkplätze belegen können.

Der Begriff Vergrämung ist in den vergangenen Jahren auch in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) öfter mal gefallen. Zumeist ging es dabei um die Vertreibung lästiger Nilgänse, die im Fellbacher Freibad oder im Stadtpark in unerwünscht hoher Zahl auftraten. Dank diverser entsprechender Aktionen bieten die Vögel mittlerweile nur noch selten Stoff für ausgiebige Diskussionen und Initiativen, wie man sie wieder loswird oder ganz woanders hin vertreiben kann.

 

An eine erfolgreiche Abschreckung kann man auch denken, wenn man durch das neue, riesige Fellbacher Gewerbegebiet Siemensstraße fährt. Auch das nennt man wohl erfolgreiche Vergrämung: Den lästigen Dauerparkern, worunter vor allem Wohnmobile und Wohnwagen zu verstehen sind, hatte die Stadt Fellbach bereits im Juli 2025 den Kampf angesagt. Der Erste Bürgermeister Johannes Berner kündigte seinerzeit eine Parkscheibenregelung für das gesamte Areal an. Die entsprechenden Schilder wurden dann Mitte September errichtet – mit durchaus beeindruckendem Erfolg. Wohnmobile sind allenfalls noch vereinzelt zu sehen.

Für Mitarbeiter keine Probleme: 10 Stunden Parkzeit

Bürgermeister Berner erklärte: „Die Ausschilderung erfolgt über eine sogenannte Zonenbeschilderung und betrifft nahezu den gesamten Bereich zwischen Siemensstraße und Schaflandstraße.“ Die Stadt stellt überdies klar: „Die Mitarbeitenden in den Unternehmen können auch künftig unbesorgt ihre Fahrzeuge auf den Parkflächen abstellen. Von montags bis freitags gilt zwischen 8 und 19 Uhr die Parkhöchstdauer von zehn Stunden.

Ziel der neuen Parkordnung ist, eine Zweckentfremdung der Parkflächen als Abstellraum beispielsweise für Wohnmobile zu verhindern. Die Stadt Fellbach kündigt an, die Einhaltung der Parkzeiten gerade in der Anfangszeit streng zu kontrollieren. Sollte sich das „Pilotprojekt“ im Gewerbegebiet bewähren, könne man es auch ausweiten. Das scheint nun auch im Stadtteil Schmiden der Fall zu sein.

Denn kürzlich wurde bekannt, dass die dortige Neugestaltung der Bushaltestellen Friedrichstraße genutzt werde, um südlich der Gotthilf-Bayh-Straße vorerst testweise eine neue Parkzonenregelung umzusetzen. Das Parken und somit die Höchstparkdauer in diesem Bereich werden mit Parkscheibe bis zu 10 Stunden möglich sein.

„Die neue Regelung wird eingeführt, um das Fremd- und Dauerparken im Gewerbegebiet unter Kontrolle zu bekommen, und soll parallel dazu dienen, die vorübergehend wegfallenden Parkplätze durch die beidseitigen Halteverbote in der Gutenbergstraße auszugleichen“, hieß es in einer Erläuterung aus dem Tiefbauamt. Bei positiver Evaluierung werde die Regelung bleibend eingeführt.

Im Winter wurden im Fellbacher Gewerbegebiet immer mal wieder noch Wohnwagen gesichtet, doch auch diese sind mittlerweile verschwunden. Foto: Dirk Herrmann/Archiv

Doch zurück zur neuen Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Siemensstraße: Hat die Verwaltung bei der Parkscheibenregelung dort also durchaus Tempo gemacht, so stagniert das Areal in seiner Bebauung ansonsten schon etwas. Dies ergibt sich auch aus dem jüngsten Bericht der Wirtschaftsförderin Anette Popp im Fellbacher Verwaltungsausschuss.

30 Unternehmen haben sich nach Popps Angaben um Flächen im Gewerbegebiet beworben, das imposante zwölf Hektar umfasst, was etwa 17 Fußballfeldern entspricht. Die Anträge der ansiedlungswilligen Interessenten wurden gemäß den vom Fellbacher Gemeinderat beschlossenen Kriterien bewertet.

Baukrise und Ukrainekrieg hemmen Expansion

Diese Kriterien umfassen Aspekte wie Innovationsgrad, Umsatz und Mitarbeiterzahl (unter Berücksichtigung sozialer Gesichtspunkte) sowie die Gewichtung, ob die Unternehmen bereits in Fellbach ansässig sind oder ihren Sitz nach Fellbach verlagern möchten. Seitdem sei kontinuierlich mit den Unternehmen über ihre Planungen und Kaufmodalitäten gesprochen und verhandelt worden.

Popp: „Bis heute haben Faktoren wie Baukrise, Krieg in der Ukraine und Wirtschaftskrisen maßgeblichen Einfluss auf die Vergabe von Bauflächen für die Unternehmen.“ Bau- und Expansionsüberlegungen wurden zurückgestellt oder aufgegeben. Dadurch erfolgten im Vergabeverfahren Verzögerungen in Entscheidungsprozessen, Neuausrichtung der Unternehmensentwicklungen und Rücknahmen von Bewerbungen.

Durch die veränderte Bewerberlage konnten, so die Erläuterung der Fellbacher Wirtschaftsförderin, auch allen Nachrückern im Verfahren geeignete Reservierungsflächen im Gewerbegebiet angeboten werden, sodass alle Bewerber ein Angebot erhielten. Bis heute wurden dem Fellbacher Gemeinderat demnach sieben Beschlussvorlagen zur Entscheidung über Grundstücksverkäufe vorgelegt.

Zwei Unternehmen beginnen demnächst dort ihren Betrieb

Zwei Unternehmen haben in dem „grünen Gewerbegebiet par excellence“ (OB Gabriele Zull) mit den Baumaßnahmen begonnen: Den Auftakt mit dem ersten Spatenstich machte im Februar 2025 die Firma Svendsen Antriebstechik, die vom bisherigen Domizil in der Max-Planck-Straße an ihren künftigen Standort Otto-Hahn-Straße zieht. Das zweite Unternehmen ist die Firma Mühleisen Rohrreinigung aus Stuttgart-Neugereut, die in Fellbach ein neues Büro und Lager eröffnet.

Wer seinen Blick über das riesige Areal schweifen lässt, kann jedoch konstatieren, dass sich außer diesen beiden Bauprojekten – bei Svendsen sieht es bereits nach Endspurt aus – auf dem größten Teil der Gesamtfläche des Fellbacher Gewerbegebiets noch recht wenig tut.