Wer in Feuerbach nicht zu Hause ist, wenn die DHL ein Paket liefert, muss es eventuell in Weilimdorf und Stuttgart-Nord abholen. Das finden viele Bürger unsinnig. Foto: dpa

Der Unmut der Bürger im Stadtbezirk über das Vorgehen der DHL wächst. Denn zahlreiche Kunden fahren nun ihren Päckchen in die Nachbarbezirke hinterher, um sie dort abzuholen. Ein Bezirksbeirat sammelt Unterschriften gegen die neue Regelung.

Feuerbach - Martin Härer ist ein hilfsbereiter Zeitgenosse. Wenn es darum geht, für die Nachbarn und Bewohner in seiner Umgebung, die mal wieder nicht zu Hause sind, deren Päckchen anzunehmen, lässt sich der Berufsschullehrer im Ruhestand vom Postboten nicht lange bitten. Die DHL-Angestellten kennen ihn schon als einen, der zuverlässig dafür sorgt, dass all die Päckchen auch wirklich beim richtigen Adressaten landen. Er komme sich inzwischen fast schon wie jemand vor, der quasi kostenlos Paketshop-Dienstleistungen erfülle, meint Härer halb im Spaß. So lerne er jedenfalls die Leute in seiner Straße kennen. Da komme man ganz ungezwungen mit dem einen oder anderen ins Gespräch, sagt der Kommunalpolitiker, der im örtlichen Bezirksbeirat sitzt.

Glück hat, wer nahe der Filiale wohnt

Doch mal abgesehen von Härers Hilfsbereitschaft tun sich die Bürger in Feuerbach ziemlich schwer mit den neuen Regelungen zum Paketempfang, welche die Deutsche Post bereits 2017 angekündigt hat und nun rigoros umsetzt. Zustellbezirke werden demnach neu zugeordnet, bestimmte Tätigkeiten umverteilt, Lagerkapazitäten an einigen Standorten überprüft.

Unterm Strich bedeutet das für viele Post-Kunden in Feuerbach vor allem eines: Sie müssen ihre Pakete seit vergangenem November in anderen Stadtbezirken abholen und kilometerweit fahren, sofern sie nicht zuhause waren, als der Paketbote klingelte (wir berichteten). Nur noch Empfänger mit Adressen in näherer Umgebung der Postbank-Filiale an der Stuttgarter Straße 74-74a können darauf hoffen, dass ihr Paket dort bereit liegt.

Weil die neue DHL-Praxis in der Bevölkerung für gehörigen Unmut sorgt, hat nun Martin Härer eine Unterschriftenaktion auf der Internet-Plattform „openPetition“ gestartet. Dort fordert er die Post auf, den alten Status Quo wieder einzuführen: „Die DHL soll ihre unsinnige und kundenfeindliche Zustellpraxis beenden und zur früheren Praxis – Abholung in der Postfiliale Feuerbach – zurückkehren“, schreibt Härer im Netz. Und die Begründung liefert er gleich hinterher: „Wer in Feuerbach nicht zu Hause ist, wenn die DHL ein Paket liefert, muss es eventuell in Weilimdorf und Stuttgart-Nord abholen. Der Grund: Die DHL sortiert die Bezirke scheinbar neu“, führt Härer aus. 418 Unterstützer hat der Initiator der Protestaktion bereits auf seiner Onlinepetitionsseite gesammelt. Als Zielmarke hat er 500 Unterschriften ausgegeben. Die Unterschriftenliste will er der Post vermutlich nach den Herbstferien überreichen, kündigt er an.

Post-Sprecher empfiehlt Packstationen

Doch Post-Sprecher Hugo Gimber will Härer und den Unterzeichnern keine falschen Hoffnungen machen. So wie die Regelung jetzt sei, werde sie bleiben, sagt er. Ganz so gravierend scheint aus seiner Sicht das Problem auch nicht zu sein: „Der Großteil der Pakete wird ja beim ersten Zustellversuch an den Empfänger ausgeliefert.“ Außerdem könne man „sich in Feuerbach Pakete an drei Packstationen schicken lassen, wo sie täglich rund um die Uhr abgeholt werden können“, verweist Gimber auf mögliche Alternativen.

Doch das dürfte den Ärger der Betroffenen kaum dämpfen. Auf der Internet-Plattform „openPetition“ ballt sich der Frust: Eine berufstätige Mutter von drei Kindern klagt dort, es sei ihr zeitlich kaum möglich, „nach Weilimdorf oder sonst wohin zu fahren, um zur Post zu gehen: Ich bitte dringend, den Paketdienst in Feuerbach zu lassen“, schreibt sie. Andere berichten von ihrer Odyssee durch benachbarte Stadtbezirke: „Ich war selbst betroffen und musste eines der Päckchen in Weilimdorf und das andere in der Nordbahnhofstraße abholen – und das im Zeichen des Feinstaubes.“ Beide Filialen habe der Betroffene aber zwei Mal anfahren müssen, „da die Päckchen nicht zum angegebenen Zeitpunkt dort waren“.

Insbesondere einigen älteren Bürgern ist nicht geholfen

Bürgervereinsvorsitzende Ruth Maier kritisiert zudem, dass die Bürger im Vorfeld nicht benachrichtigt wurden: „Das muss man rechtzeitig bekannt machen.“ Auch sie hat kräftig für Härers Unterschriftenaktion die Werbetrommel gerührt: „Ich habe alle unsere Mitglieder angeschrieben und beim letzten Bürgertreff Unterschriften gesammelt.“ Außerdem habe sie verschiedene Fraktionen im Bezirksbeirat auf den Missstand aufmerksam gemacht.

Anfang des Jahres hatten sich einige Bürger auch an das örtliche Bezirksrathaus gewandt. Dort versuchten zuletzt Feuerbachs Bezirksvorsteherin Andrea Klöber und auch deren Stellvertreterin Susanne Ramp die DHL zum Umdenken zu bewegen und schrieben die Post an. Doch deren Antwort war ernüchternd: „Leider lässt es sich nicht ganz vermeiden, dass die neue Zuordnung von Sendungsmengen für einzelne Kunden zu einem weiteren Weg führt“, schrieb der Regionale Politikbeauftragte der Deutschen Post AG, Hubert Knecht. „Ist der neue Ausgabe-Standort ungünstig gelegen, besteht bereits heute die Möglichkeit für alle Kunden der Post, ihre Pakete an eine sogenannte ,Postfiliale Direkt‘ senden zu lassen und diese dort abzuholen.“

Das geht aber nur übers Internet. Und das haben eben nicht alle. Mit solchen Antworten sei insbesondere einigen älteren Bürgern nicht geholfen, findet Klöber. Daraufhin bat sie die Post erneut, die Entscheidungen zu überdenken. Auf die Antwort wartet sie noch: „Ich habe seitdem nichts gehört.“

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