Die Anwohner erwarten, dass sich das Park- und Verkehrsproblem in der Eierstraße mit dem Bau der Kita weiter verschlimmert. Foto: Heike Armbruster

Der Standort in der Eierstraße ist umstritten. Nun muss das Regierungspräsidium entscheiden. Anwohner befürchten, die sowieso schon chaotische Verkehrssituation könnte sich noch weiter verschlechtern.

S-Süd - Kaum ist der gesetzliche Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder rechtskräftig, schon kommt es zu Auseinandersetzungen – im Stuttgarter Süden etwa. Zwei Gruppen stehen sich gegenüber: Die Eltern, die seit August einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben, und die Anwohner in der Eierstraße. Sie bestehen darauf, dass das Grundstück auf der anderen Straßenseite wie im Bebauungsplan festgehalten, eine öffentliche Grünfläche wird.

Nachbarn fühlen sich hinters Licht geführt

Seit klar ist, dass in Stuttgart Betreuungsplätze fehlen werden, ist die Stadtverwaltung auf der Suche nach Standorten für Kitas in sogenannter Fertigbauweise. Sie sollen laut Bauantrag nur befristet genutzt werden, bis dauerhafte Lösungen gefunden sind. Entscheidend für die Auswahl der Standorte war, dass sie sich im Besitz der Stadt befinden. Der Gemeinderat hatte im April dieses Jahres unter anderem den Bau einer Fertigbau-Kita für 40 Kinder an der Eierstraße 144 genehmigt. Zwei Millionen Euro soll das Projekt laut Hochbauamt kosten und auf fünf Jahre befristet sein.

Das bei ihnen eine Kita entstehen soll, passt den Nachbarn in der Eierstraße jedoch nicht. Sie fühlen sich hinters Licht geführt. In dem Anschreiben der Stadt sei zuerst ein falsches Flurstück angegeben worden, sagt Michael Kuhn, einer der Anwohner. Weiterhin seien die Informationen in der Vergangenheit sehr widersprüchlich gewesen. Eine weitere Nachbarin, Verena Walz, hatte dem Bezirksvorsteher geschrieben und um Aufklärung gebeten. Sie habe vom Baurechtsamt gehört, dass schon im Februar 2014 mit dem Bau begonnen werden solle. Anderen Informationen zufolge solle das Projekt gar nicht realisiert werden, da die Bebauung zu schwierig sei. Im November bekamen die Anwohner dann Post von der Stadt mit dem Antrag auf Baugenehmigung.

Beim Kita-Bau sind nur drei Parkplätze geplant

Diese Pläne sind für die Nachbarn auch deshalb ein Ärgernis, weil sie sich schon seit Oktober 2012 für eine Lösung ihres Parkplatz- und Verkehrsproblems einsetzen. Durch die Nähe zum Marienhospital sind dort viele Autofahrer auf Parkplatzsuche, vor allem Patienten, Besucher und Angestellte des Krankenhauses. Damals hatte die Nachbarschaftsinitiative viele Vorschläge gemacht, wie sich aus ihrer Sicht die Situation verbessern ließe. So könnte zum Beispiel eine bessere Beschilderung der Parkplätze des Marienhospitals eine Erleichterung bringen.

Nun sieht es allerdings so aus, als würde sich die Lage zunächst einmal verschlimmern. „Stellen Sie sich den Hol- und Bringverkehr für 40 Kinder vor“, sagt der Anwohner Kuhn. Außerdem seien bei dem Bau der Kita nur drei Parkplätze geplant. Wo die 20 Mitarbeiter der Kita parken würden, stehe somit ebenfalls nicht fest. Schon jetzt müssten die Müllabfuhr oder andere Lieferwagen manchmal umdrehen und zu einem anderen Zeitpunkt erneut anfahren, da sie nicht bis zum Wendepunkt der Sackgasse durchkämen, sagt Kuhn. Darum haben er und seine Mitstreiter Ende November Einspruch gegen den Bauantrag erhoben. Die schlechte Verkehrssituation in der Eierstraße sei ein Grund dafür, die Forderung nach Erhalt der Grünfläche ein weiterer. Insgesamt stehen noch neun weitere Einwände in dem Schreiben.

Stadt versucht, den Verkehrsproblemen entgegenzuwirken

Nach dem Einspruch muss nun das Regierungspräsidium Stuttgart über den Bauantrag entscheiden. Eine Sprecherin der Stadt bestätigt, dass davor nicht mit dem Bau begonnen werden dürfe. Die Einspruchsfrist endete laut Kuhn am vergangenen Mittwoch, 4. Dezember. Der Nachbar glaubt nicht daran, dass die Stadtverwaltung von ihren Plänen abweichen wird.Kuhn hat gemeinsam mit einer weiteren verärgerten Nachbarin etwa 100 Briefe in der Eierstraße verteilt, um alle Anwohner zu informieren. Wie viele Einsprüche noch beim Baurechtsamt eingegangen sind, ist noch unklar.

Die Sprecherin der Stadt sagte auf Anfrage, dass die Stadt versuche, den Verkehrsproblemen entgegenzuwirken: Ursprünglich seien für die Eierstraße sogar acht Betreuungsgruppen mit insgesamt 80 Kindern geplant gewesen. Um das Parkplatzproblem nicht zu sehr zu verschlimmern, sei die Größe auf vier Gruppen beschränkt worden. Klar sei, dass die Kita-Plätze irgendwo entstehen müssten, und das am besten schnell. Die Anwohner wünschen sich, dass die Stadt ihnen unter anderem mit einer verbindlichen Rückbauzusage entgegenkommt. Dazu will die Sprecherin der Stadt aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen.

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