Ärger in Wohnhaus Sicherheitsdienst soll in Neugereut Ruhe schaffen

Von Jürgen Bock 

In Neugereut gibt es Unruhe in einigen Wohnblocks – die GWG versucht, mit einem Sicherheitsdienst Mieter und Lage zu beruhigen Foto: Fotolia/alphaspirit
In Neugereut gibt es Unruhe in einigen Wohnblocks – die GWG versucht, mit einem Sicherheitsdienst Mieter und Lage zu beruhigen Foto: Fotolia/alphaspirit

Eine ziemlich ungewöhnliche Entwicklung: In Wohnblocks des Immobilienunternehmens GWG in Neugereut gibt es Probleme mit Müll, fremden Personen und Vandalismus. Deshalb soll jetzt ein Sicherheitsdienst die Lage in den Griff bekommen. In der Wohnungsbranche sieht man das mit Skepsis.

Stuttgart - Die Bewohner mehrerer Wohnblocks in Neugereut staunten dieser Tage nicht schlecht. In den Treppenhäusern fanden sich Aushänge. Darin teilt ein großes regionales Sicherheitsunternehmen mit, es habe seit 1. Februar die Bewachung der Wohnanlage übernommen. Dazu gibt es Ansprechpartner und Telefonnummern.

Und manches Fragezeichen. Denn so ganz klar ist nicht jedem, was es mit dieser Mitteilung auf sich hat. Inzwischen machen Gerüchte die Runde, der Sicherheitsdienst habe etwas mit den künftigen Nachbarn zu tun. Denn im betroffenen Gebiet zwischen Rohrdommel- und Sturmvogelweg baut die Stadt Stuttgart derzeit Flüchtlingsunterkünfte.

Die betroffenen Häuser gehören zur Stuttgarter GWG-Gruppe, einem großen Immobilienunternehmen, das über 10 000 Wohnungen vorwiegend in Baden-Württemberg besitzt und noch mehr verwaltet. Von dort kommt ein klares Dementi, was die Flüchtlinge betrifft: „Damit hat der Sicherheitsdienst nichts zu tun“, sagt Sprecherin Katrin Lebherz. Vielmehr gebe es Unruhe innerhalb und um die Gebäude selbst.

Auf dem Spielplatz wurden Spritzen gefunden

„In den vergangenen Monaten ist es wiederholt dazu gekommen, dass sich am späten Abend fremde Personen in den Häusern befunden haben, die versucht haben, im Keller zu übernachten“, so Lebherz. Außerdem sei immer wieder Müll und Sperrmüll nicht sachgemäß entsorgt worden – möglicherweise auch von Nichtmietern. Es habe Vandalismus durch Graffiti gegeben, auf dem Spielplatz sei es nachts zu Beschädigungen und vor kurzem zu Spritzenfunden gekommen. Und ein Feuer in einer benachbarten Garage vor einem halben Jahr habe sich als Brandstiftung entpuppt. Deshalb habe man zunächst probeweise eine Sicherheitsfirma engagiert. Die soll besonders in den Abendstunden Präsenz zeigen.

Die Polizei spricht davon, keine besonderen Erkenntnisse zu haben. „Von einem Brennpunkt dort wissen wir nichts“, sagt ein Sprecher. Auch mancher Anwohner wundert sich. „Von solchen Problemen habe ich noch nie etwas mitbekommen“, sagt einer von ihnen.

Mit temporärem Einsatz von Sicherheitsfirmen gute Erfahrungen gemacht

Allerdings teilt die GWG mit, man habe in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche mit den Mietern geführt und den Einsatz der Sicherheitsfirma in Aussicht gestellt. Es gehe nicht darum, einzelne Mieter zu überwachen, sondern für Verbesserungen zu sorgen. „Damit trägt die GWG ihrer Fürsorge den Mietern gegenüber Rechnung. Wir wollen die Wohnqualität vor Ort verbessern und den Mietern ein sicheres Gefühl geben“, sagt Lebherz. Man habe an anderen Orten bereits gute Erfahrungen mit dem temporären Einsatz von Sicherheitsfirmen gemacht.

Weit verbreitet scheint die Methode dennoch nicht zu sein. „Wir beschäftigen keine Sicherheitsdienste und haben das auch noch nie thematisiert“, heißt es etwa beim Bau- und Wohnungsverein Stuttgart, der in Stadt und Region fast 5000 Wohnungen vermietet. Der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein betreut nicht nur seine Mitglieder, sondern verwaltet auch selbst Häuser. „Von dort kennen wir Themen wie vermüllte Keller in größeren Objekten auch, aber wir arbeiten nicht mit Sicherheitsfirmen“, sagt Geschäftsführer Ulrich Wecker. Von den Mitgliedern habe er ebenfalls noch nichts über Sicherheitsdienste gehört. „Das kann aber auch daran liegen, dass die meisten nur kleinere Häuser haben, in denen die soziale Kontrolle untereinander noch funktioniert“, so Wecker.

Bei der SWSG wurde das Experiment abgebrochen

Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat sich bereits vor Jahren mit Sicherheitsdiensten im Lauchhau und in Botnang versucht, wo es massive Probleme mit Jugendgruppen gab. Das Experiment wurde nach einiger Zeit abgebrochen. „Derzeit beschäftigen wir keine Sicherheitsdienste mehr“, sagt Sprecher Peter Schwab. Dafür habe man mit anderen Ansätzen gute Erfahrungen gemacht. Im Lauchhau etwa unterstützt die SWSG den dortigen Jugendtreff finanziell. In Botnang gibt es seit Jahren ein Concierge-Büro. Langzeitarbeitslose dienen als Ansprechpartner für die Bewohner, drehen ihre Runden durch die Siedlung, helfen dem Hausmeister oder nehmen Pakete entgegen. Sie selbst sollen so den Wiedereinstieg in eine Beschäftigung finden. „Das hat sich sehr bewährt“, weiß Schwab.

Beim Stuttgarter Mieterverein steht man dem Modell der GWG skeptisch gegenüber. „Einen Sicherheitsdienst zu holen halte ich für ungewöhnlich. Vor allem, wenn es sich um Müllprobleme oder andere Aufgaben handelt, die eigentlich ein Hausmeister oder Verwalter erledigt“, sagt der Vorsitzende Rolf Gaßmann. Bei Straftaten sei die Polizei zuständig. „Ein Sicherheitsdienst kennt sich in der Regel auch nicht im Mietrecht aus. Und dass dessen Leute die Richtigen sind, um bei Konflikten zu vermitteln, bezweifle ich“, so Gaßmann.

Bei der Sicherheitsfirma bestätigt man lediglich, dass man für die GWG in einem anderen Objekt bereits seit mehreren Jahren erfolgreich tätig sei. Andere Aufträge dieser Art verzeichne man bisher nicht. Ob der Einsatz der Sicherheitsleute in Neugereut für Ruhe sorgt, bleibt abzuwarten. Wenn ja, dürfte das Modell wohl nicht zum letzten Mal zum Einsatz gekommen sein.

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