Ärger in Stuttgart-Plieningen Radstationen: Die Idee sei richtig, der Ort der falsche

Von Caroline Holowiecki 

An mehreren Stellen in Stuttgart-Plieningen werden aktuell Verleihstationen aufgebaut. Während sich die Bezirksverwaltung über das neue Mobilitätskonzept freut, wollen die Sozialdemokraten die Pläne stoppen. Das hat drei Gründe.

Ulrich Berger hat eine andere Idee für das Problem am Wollgrasweg.Foto: Caroline Holowiecki

Plieningen - Es sind nur ein paar Poller, aber für Ulrich Berger sind sie ein Dreifach-Ärgernis. Seit Kurzem keilen Abschrankungen drei Parkplätze am Wollgrasweg in Plieningen ein, direkt am Rathaus. Bürger haben ihn als SPD-Bezirksbeirat gefragt, was es damit auf sich hat. Und er habe – Ärgernis Nummer eins – keine Antwort gehabt, weil das Gremium übers Projekt nicht informiert worden sei.

Ulrich Berger hat sich schlaugemacht und weiß mittlerweile: Auf diesen drei Parkplätzen entsteht eine Radverleihstation. Dafür werden eben diese drei Parkplätze vor der Verwaltungsstelle ersatzlos wegfallen – Ärgernis zwei. Außerdem wird der Behindertenparkplatz rund zehn Meter in Richtung U-Bahn verlegt, und das ist für ihn das dritte Ärgernis, „nachdem der Zugang zum Plieninger Rathaus eh nicht besonders behindertenfreundlich gestaltet ist“. Ulrich Berger hat zudem herausgefunden, dass es noch einen Standort gibt, nämlich an der Einmündung Halfgarten in die Filderhauptstaße.

Auch dort fällt ein Stellplatz weg

Dort entfällt ebenso ein Stellplatz. Alles in allem finden er und seine SPD-Kollegen weder die Standorte geeignet noch das Prozedere glücklich. Ortskundige hätten gefragt werden müssen, moniert er, „das Mindeste wäre gewesen, den Beschluss bekannt zu machen“.

Stephanie Reinhold, die stellvertretende Bezirksvorsteherin, versteht die Aufregung nicht. Das Fachamt habe sich stadtweit nach Standorten umgesehen – und dann eben geeignete auf Plieninger Gemarkung ausgemacht, „das ist nichts, was man ausdiskutiert“. Martin Thronberens, ein Sprecher der Verwaltung, betont, dass nach einem Beschluss des Gemeinderats von 2015 jeder Bezirk mindestens eine solche Station bekommt, zudem sei der Bezirksbeirat sehr wohl zu einer ersten Rundfahrt 2016 eingeladen gewesen. Stephanie Reinhold befürwortet neue Mobilitätskonzepte, sie seien „durchaus in unserem Sinne“, und zu einer attraktiven Gestaltung gehörten nun mal prominente Platzierungen. Auch an der Uni wird eine Station gebaut. „Es ist zu erwarten, dass zwischen diesen Stationen ein sehr reger Verkehr stattfinden wird“, so Martin Thronberens.

Dem Rad den Vorzug geben

Regio-Rad-Stuttgart nennt sich das interkommunale Verleihsystem, das von der Bahn-Tochter DB Connect im Auftrag der beteiligten Städte betrieben wird. Die Infoblätter zu Tarifen und Leihoptionen mit der Polygo-Karte liegen bereits im Bürgeramt aus. Vor dem Gebäude sollen Ständer für ein Dutzend Räder entstehen und zunächst mit acht Leihrädern bestückt werden, erklärt Stephanie Reinhold, außerdem sind drei Pedelec-Ständer vorgesehen, in die zwei Leih-E-Bikes gestellt werden. Am Brunnen an der Filderhaupt­straße sollen zudem vier Räder und ein Pedelec Platz finden. Martin Thronberens betont: „Die angesprochen Stellplätze werden nicht entwidmet, sondern einer anderen Verkehrsart, nämlich dem Fahrrad, zur Nutzung überlassen.“

Dass Behinderte am Wollgrasweg nun weiter gehen müssten, lässt Stephanie Reinhold nicht gelten. Es handle sich schließlich um keinen rathauseigenen Stellplatz, und wer etwa zur Apotheke wolle, sei nun sogar näher dran. „Man hat sich das wirklich sehr gründlich überlegt“, stellt sie klar.

Ulrich Berger bleibt indes dabei: Die Ideen an sich seien gut, die Standorte aber schlecht. „Die Parkplätze fallen ohne Not weg, denn vorne könnte man es problemlos machen“, findet er und zeigt auf eine Fläche direkt am U-Bahn-Stopp. Seine Fraktion hat einen Antrag formuliert, der in der Sitzung am 24. September behandelt werden soll. Dessen Kern: Alles soll „unverzüglich“ rückgängig gemacht werden. Ulrich Berger kündigt an: „Das sehen andere Fraktionen genauso.“