Für die Anwohner in Luginsland sind die Grünflächen wichtig. Foto: Sebastian Steegmüller

Der SPD-Antrag zur Wohnbebauung des Landschaftsschutzgebiets Flohberg stößt auf Kritik

Luginsland - Die Wohnungsnot in Untertürkheim ist nicht neu. Schon in den 1990er-Jahren hat die CDU im Bezirksbeirat den Antrag gestellt, die Gärten zwischen der Dietbach- und der Maximilianstraße in ein Baugebiet umzuwandeln. Die Anwohner liefen gegen dieses Vorhaben jedoch Sturm und schlossen sich sogar zu einer Schutzgemeinschaft Luginsland zusammen. Letztlich legte auch der Gemeinderat ein Veto ein.

Das Thema war damit vom Tisch, dachten die Anwohner. Doch weit gefehlt. Im vergangenen Frühling stand das Gebiet, das aus Sicht der Anwohner, eine wichtige Frischluftschneise bildet, wieder auf der Tagesordnung des Bezirksbeirats. Mit einer Mehrheit von 8:2-Stimmen wurde die Wohnbebauung abgenickt – und wieder stimmte man im Rathaus dem Vorhaben nicht zu. Das Umwelt- und das Stadtplanungsamt hatten festgestellt, dass „die Fläche eine wichtige siedlungsnahe Freifläche mit Erholungsfunktion darstellt.“ Grund genug, für den Gemeinderat im April zu beschließen, den Bebauungsplan Dietbachäcker aufgrund des Artenschutzes und der Eingriffe in Natur und Landschaft nicht weiter zu verfolgen. Das dritte Kapitel hat die SPD im September aufgeschlagen. Sie beantragt jedoch nicht erneut den Wohnungsbau auf der viel diskutierten Fläche, sondern hat ein Auge auf die Gärten am Flohberg geworfen, die nur einen Steinwurf entfernt liegen. Wenn es nach der SPD-Fraktion geht, sollen sie einem Neubaugebiet weichen. Immerhin stünden mehr als 25 000 Quadratmeter zur Verfügung. „Auf dieser Fläche wäre eine drei- bis viergeschossige Bauweise mit begrüntem Flachdach möglich“, heißt es im Antrag.

Widerstand regt sich

Man konnte es ahnen: Obwohl im Bezirksbeirat noch keine Entscheidung gefallen ist, regt sich Widerstand in Luginsland. Anwohner, die die Grünanlage zwischen der Luginslandschule, der Bertramstraße und dem Paul-Collmer-Heim bis zur Flohbergstraße als Naherholungsgebiet nutzen, gehen auf die Barrikaden. „Die Gärten sind über Generationen gewachsen, werden seit Jahrzehnten von Familien gepflegt. Am Dietbach wurden die Pläne schon zurecht abgelehnt, auch hier wäre solch eine Maßnahme verheerend“, sagt Marco Merloni. Nicht nur für Jung und Alt, sondern auch ökologisch. „Die Grünflächen stellen eine Frischluftschneise und auch einen wichtigen Lebensraum für Tiere wie Schmetterlinge und Füchse dar.“ Ein Imker züchte Bienen, selbst Bussarde würden hier nisten. Argumente, die übrigens schon die Pläne am Dietbach zunichtegemacht haben. Gutachter hatten den seltenen und streng geschützten Wendehals sowie Grünspechte beobachtet, die in den Obstgärten brüteten. Zudem handle es sich um eine „Freifläche mit hoher Klimaaktivität“.

Hinweisschilder kaum zu übersehen

Die Anwohner kritisieren indes nicht nur den SPD-Antrag, sondern waren auch vom Bezirksbeirat überrascht. Als zuletzt über die mögliche Wohnbebauung diskutiert wurde, sei gerätselt worden, ob es sich bei den Gärten um ein Landschaftsschutzgebiet handelt oder eben nicht. „Die Hinweisschilder sind aber kaum zu übersehen“, sagt Lina Merloni. Und sie hat Recht: Am 5. Oktober 2005 wurde das Landschaftsschutzgebiet „Blick“ zu dem die Dietbachäcker und der Flohberg im Bereich der Maximilan- und Erikastraße, also am westlichen Siedlungsgebiet Luginslands, zwar etwas verkleinert. Gerade die Gärten, um die es den Anwohnern und der SPD geht, tastete der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster nicht an.

Lydia Laessing hofft, dass die Stadt die Wohnbebauung auch weiterhin ablehnt. „Luginsland wird nicht umsonst als Gartenstadtgemeinde bezeichnet. Wer hier wohnt, verzichtet bewusst auf Infrastruktur, will nicht verdichtet, sondern im Grünen leben.“ Sie befürchtet, dass der Verkehr durch eine Wohnbebauung deutlich zunehmen würde. „Vor allem, wenn noch eine Verbindung von der Bertram- zur Dietbachstraße gebaut würde.“

Marco Merloni versteht nicht, warum man in Stuttgart das Hauptaugenmerk auf Grünflächen richtet. „Es gibt zahlreiche Gewerbe-Immobilien, die man in Wohnungen umwandeln sollte. Hier arbeiten die Behörden aber zu langsam, Potenziale werden nicht genutzt.“

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