Die Wilhelm-Hachtel-Straße in Musberg ist in einem schlechten Zustand. Sie muss saniert werden. Muss sie aber auch umgestaltet werden? Darüber gehen die Meinungen auseinander.
Die Sonne schickt kurz vor 17 Uhr noch letzte Strahlen vom Himmel. Eine Jugendliche versucht das Schauspiel mit ihrem Handy festzuhalten. Sonst ist nichts los an der Musberger Wilhelm-Hachtel-Straße. Obwohl noch nicht alle Feierabend haben dürften, sind schon viele Stellplätze an der Straße belegt. „Abends und am Wochenende findet man hier keinen Parkplatz“, sagt Beatrix Hess. Wenn die FW-Stadträtin, die mit ihrer Schwester einen Blumenladen betreibt, hierher Blumen liefert, muss sie ihr Fahrzeug oft in zweiter Reihe parken.
Die Straße ist in keinem guten Zustand. Sie muss saniert werden. Die Stadtwerke wollen dort zudem den Abwasserkanal zum Teil und alle Wasserleitungen erneuern. Diese Arbeiten haben die Fraktionen schon abgesegnet. Anders sieht es mit der Sanierung aus, deren Kosten nun auf etwa 1,2 Millionen Euro geschätzt werden. Denn das Amt für Grünflächen und Tiefbau möchte auch gleich das Straßenbild neu gestalten. In der Gemeinderatssitzung am 25. März soll ein Beschluss fallen. Sollten die Fraktionen ihr Go geben, könnten im Sommer die Bauarbeiten beginnen. Wobei zunächst die Stadtwerke mit ihren Arbeiten beginnen würden.
Sinn und Zweck der Umgestaltung ist es, den Straßenraum unter Fußgängern, Radlern und Autofahrern gerecht aufzuteilen, teilt der Bürgermeister Benjamin Dihm mit. Aktuelle Richtlinien sowie der Stand der Technik seien zugrunde gelegt. Die Klimaziele und die Mobilitätsstrategie der Stadt fänden ihre Anwendung. Nicht zuletzt sei die Verkehrssicherheit von hoher Bedeutung. „Die Straße soll an das Heute angepasst werden“, sagte Oberbürgermeister Otto Ruppaner in der jüngsten Gemeinderatssitzung, wo die Pläne vorgestellt wurden. Parkstreifen mit Betonpflastersteinen sind an der nördlichen Fahrbahnseite geplant. Dazwischen will das Amt klimaresistente Bäume pflanzen. Sogenannte Gehwegnasen sollen entstehen, damit Fußgänger die Straße sicher überqueren können. Zwischen dem Lortzingweg und dem Luchsweg soll sich der Verbindungsweg in eine Spielstraße wandeln. Dort ist dann nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Gefährliche Situationen im Kurvenbereich sollen so entschärft werden.
Anlieger befürchten aber, dass sie an der Straße künftig noch schlechter einen Parkplatz finden werden. Sie sprechen sich gegen einen Wegfall von Stellplätzen aus. Deren Anzahl werde sich von derzeit 34 auf 30 verringern, heißt es dazu seitens der Verwaltung. Doch auch die Einrichtung einer Spielstraße wird teils kritisch gesehen. „Die Anwohner möchten keine beruhigte Wilhelm-Hachtel-Straße“, sagte Beatrix Hess in der Sitzung. Die Fraktion der Freien Wähler/FDP und auch die CDU sprachen sich dagegen aus, so viel Geld in eine Anliegerstraße zu stecken. Schließlich müsse die Stadt sparen. Es gebe dort viele Gärten, weitere Bäume seien nicht nötig.
Bäume verbessern das Mikroklima
„Bäume haben unabhängig davon, ob Gärten angrenzen, eine hohe Bedeutung“, argumentiert derweil die Stadtverwaltung. „Sie beleben den Straßenraum, spenden Schatten und wirken dem Aufheizen der befestigen Flächen entgegen“, betont der Bürgermeister. Stadträte der Grünen, der SPD und von L. E. Bürger/DiB sprachen sich für das neue Straßenbild aus, das mehr Aufenthaltsqualität verspreche und das Mikroklima der Stadt positiv beeinflusse. Und jetzt? Im Sinne der Kostentransparenz versprach das Amt, die Maßnahme noch mal durchzurechnen und darzulegen, was die Straßensanierung ohne eine Umgestaltung kosten würde.