Ärger in der Wilhelma „Wie viele Affen müssen noch sterben?“

Von Michael Deufel 

Schon knapp zwei Jahre nach dem Einzug der Bonobos (im Bild) und Gorillas ist das Menschenaffenhaus der Wilhelma ein Sanierungsfall Foto: dpa
Schon knapp zwei Jahre nach dem Einzug der Bonobos (im Bild) und Gorillas ist das Menschenaffenhaus der Wilhelma ein Sanierungsfall Foto: dpa

Gehegeneubauten in der Wilhelma wie das geplante Elefantenhaus sollen künftig erfahrene Zoo-Architekten planen. Der Tierparkchef und der Förderverein des Zoos reagieren mit dieser Forderung auf die erheblichen Mängel beim Betrieb des 2013 eröffneten Menschenaffenhauses.

Stuttgart - Koseka Anfang 2014, Alima Mitte Januar – innerhalb eines Jahres sind in der Stuttgarter Wilhelma zwei Bonobo-Äffchen gestorben, beide an Lungenentzündung. Bonobos sind sehr empfindlich; ausgewachsene Tiere bekommen rasch einen Schnupfen, wenn es zugig ist. Bei Jungtieren kann Zugluft verheerende Folgen haben.

Beide Äffchen haben das 2013 eröffnete Menschenaffenhaus bewohnt. Die Anlage wurde landauf landab als eines der modernsten Gehege Europas für Primaten gelobt. Gewissermaßen der Mercedes unter den Affenhäusern, aber ein Luxusbau mit erheblichen Mängeln. Unter anderem funktioniert die Belüftung der Innengehege nicht. Im Affenhaus ist es ungesund zugig.

Zookritiker, auch manche Besucher zählen nun eins und eins zusammen: Tod der Affen kann seine Ursache nur in der fehlerhaften Lüftungsanlage haben. „Klar ist: Die beiden Tiere sind an einer Lungenentzündung gestorben“, sagt Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Ob aber infolge von Zugluft sei weder erwiesen, noch lasse es sich ausschließen. „Wir wollen das herausfinden.“

Georg Fundel wird deutlicher: „Wie viele Affen müssen noch sterben“, sagt der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma. Für ihn ist es völlig unverständlich, dass die schon aus der Bauphase bekannten Mängel nicht längst behoben sind. Neben der Lüftung funktioniert nämlich auch die Kameraüberwachung der Tiere nicht wie gewünscht – ein Sicherheitsrisiko. Zudem bröckelt an manchen Stellen in- und außerhalb der Gehege der Beton – mit unvorhersehbaren folgen, sollten die Affen abgeplatztes Material fressen. Fundels Kritik richtet sich dabei weder gegen Thomas Kölpin, noch gegen dessen Vorgänger Dieter Jauch. „Sie finden und fanden kein Gehör“, sagt Fundel.

Die unausgesprochenen Adressaten seiner Rüge: die Hochbauverwaltung des Landes und die Planer des renommierten Büros Hascher Jehle Architekten. Deutlich wird dies aus der Forderung von Kölpin und Fundel für die Abwicklung künftiger Gehegeneubauten wie das künftige Elefantenhaus. Beide sind sich darin einig, dass nur noch Planungsbüros beauftragt werden dürften, „die Erfahrung mit Zoobauten haben“. Auch soll die Wilhelma in Zukunft selbst stärker Bauherrenfunktionen übernehmen.

In der Vergangenheit hatte offenbar die Hochbauverwaltung des Landes die Funktion des alleinigen Bauherrn inne. Der Stuttgarter Zoo war deshalb bei vielen Entscheidungen „als reine Nutzer hintangestellt“, wie es Kölpin formuliert. Er traut sich diesen Job durchaus zu, zumal er an seiner vorherigen Wirkungsstätte, dem städtisch getragenen Zoopark in Erfurt, auch bei Großprojekten als Bauherr immer wieder Kontrollfunktionen ausgeübt habe.

Georg Fundel kritisiert die Strukturen, in die der Landesbetrieb Wilhelma eingebettet ist, auch mit Blick auf seine Vereinsmitglieder, „die ich nicht vor den Kopf stoßen will“. Der Förderverein hatte beim Affenhaus 9,5Millionen der 22 Millionen Euro Baukosten übernommen. Fürs geplante Elefantenhaus, dessen Investitionsvolumen intern offenbar auf deutlich über 20 Millionen Euro geschätzt wird, wollen die Wilhelma-Förderer einen voraussichtlich zweistelligen Millionenbetrag beisteuern. Für Fundel gilt dann: „Nur was bestellt ist, wird bezahlt.“

Beim Menschenaffenhaus hat der Chefförderer, der im Hauptberuf Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart ist, starke Zweifel, ob während des Baus eine ausreichende Qualitätssicherung und nach Fertigstellung eine sachgerechte Baufreigabe stattgefunden habe. All das seien Aufgaben eines Bauherrn. Bei Großprojekte übernimmt diese oft ein externer Projektsteuerer.

Das Wirtschafts- und Finanzministerium des Landes Baden-Württemberg prüft laut einer Sprecherin derzeit – auch im Hinblick auf Schadenersatzansprüche – „was genau schiefgelaufen ist“. Fundel verlangt, dass die Mängel umgehend beseitigt werden, „egal, was es kostet“.

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