Ein rares Gut: So sehen sie aus, die Rollen mit Gelben Säcken, die im Landkreis Göppingen extrem selten geworden sind. Momentan ist auch keine Lösung für die Mangelwirtschaft in Sicht. Foto: Beniamino Raiola

Erst werden die vollen Säcke nicht mitgenommen, jetzt gibt es keine leeren Beutel mehr. Der Abfallwirtschaftsbetrieb sagt, der EntsorgerBraig weigere sich, neue Rollen in größeren Mengen zu liefern.

Für ungläubiges Kopfschütteln sorgt derzeit ein kleines Schild, das am Wertstoffhof beim Göppinger Müllheizkraftwerk hängt: Die Rollen mit Gelben Säcken seien vergriffen, Nachschub gebe es erst im Juni. Das ist in vier Monaten. Auch berichten Kreisbewohner in Sozialen Medien von fehlenden Säcken in den Rathäusern, die aber, genauso wie der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB), gar nichts für die Mangelwirtschaft können.​

 

Verantwortlich für die Versorgung mit den Wertstoffsäcken ist der Entsorger Gebr. Braig aus Ehingen, der die Säcke auch einsammelt. Eine Göppingerin berichtet, dass ihr am Wertstoffhof gesagt worden sei, sollte es wieder Gelbe Säcke geben, dürften diese nur einzeln abgegeben werden. Ernsthaft? Ein Anruf beim AWB schafft Klarheit. Geschäftsführer Julian Kuhn ist zwar am Montag nicht im Haus, doch ein Mitarbeiter kann Auskunft geben. Und in der Tat, diesen Ratschlag habe es von Braig gegeben, berichtet er: einzelne Säcke auszugeben statt Rollen.

Firma Braig will erst wieder im Juni liefern

Er hat auch eine Erklärung für die Misere: „Das Problem ist Folgendes: Die Firma Braig weigert sich, uns Gelbe Säcke zu liefern. Wir haben das aber schon mehrfach angemahnt.“ Braig verweise darauf, dass die Erstauslieferung mit den Säcken stattgefunden habe und jeder Haushalt eine Rolle mit 26 Stück erhalten habe.

Vertraglich sei das Unternehmen nach eigener Aussage verpflichtet, erst im Juni neue Rollen zur Verfügung zu stellen. „Allerdings ist es so, dass viele Haushalte noch gar keine Gelben Säcke erhalten haben“, berichtet der Mitarbeiter des AWB. Beispiel Mehrfamilienhäuser: Hier würden die Rollen oft im Eingangsbereich abgelegt und manche Haushalte bedienten sich dann eben reichlich und für andere bleibe nichts. Aber es seien auch längst nicht alle Einfamilienhäuser beliefert worden, die Verteilung werde oft von Vereinen übernommen und weise Lücken auf. Und mit dem Entsorger sei eigentlich abgesprochen, dass immer genügend Gelbe Säcke da sind.

Beim Abfallwirtschaftsbetrieb gehen Beschwerden ein

Bis Ende vergangenen Jahres habe der AWB vom bisherigen Entsorger Remondis eine ganze Palette mit Rollen pro Monat bekommen. Jetzt würden hin und wieder nach Intervention durch den AWB einige Kartons vorbeigebracht, „die reichen uns für einen Tag“. Ausbaden müssten es die Kollegen vor Ort: „Die Mitarbeiter in den Wertstoffhöfen schwätzen sich den Mund fusselig.“ Und im AWB trudelten jeden Tag haufenweise E-Mails mit Beschwerden ein.

Die Firma Gebr. Braig bestätigt die Problematik, eine Mitarbeiterin sagt aber auch: „Die Entsorgungshöfe bekommen wöchentlich immer kleinere Lieferungen und die Rathäuser auf Anfrage.“ Der Grund für den Mangel liege auf der Hand: „Das Problem ist einfach, dass im Landkreis Göppingen viel zu viele Gelbe Säcke verbraucht werden, weil die Leute ganz viel falsche Sachen in die Säcke tun. Wenn man da auch ganze Wäschekörbe reinstopft ...“

Seit Januar bleiben viele Säcke am Straßenrand stehen

Also ist die Verknappung der Beutel eine erzieherische Maßnahme? Das will die Mitarbeiterin nicht ganz von der Hand weisen: „Aber leider geht’s nicht anders, wenn wir so weitermachen, müssen wir palettenweise Gelbe Säcke liefern.“ Stimmt es dann also, dass erst im Juni mit der nächsten größeren Lieferung zu rechnen ist? „Ja, aber bis dahin liefern wir schon auch immer wieder welche. Und vielleicht bekommen Sie ja dazwischen welche vom Bürgermeisteramt“, rät die Mitarbeiterin der Firma Gebr. Braig.​

Die Misere mit den fehlenden Gelben Säcken ist das nächste Kapitel dieses leidigen Themas im Landkreis Göppingen: Seit Januar bleiben an vielen Orten die befüllten Säcke stehen, weil dort nach Angaben von Braig nicht nur die zugelassenen Wertstoffe entsorgt wurden. Es sollen sich darin auch Hausmüll, nicht zugelassener Kunststoff und beispielsweise Teppiche befinden.

Die Abfuhrmenge ist fast doppelt so hoch wie andernorts

Erst vor wenigen Tagen war ein Vertreter der Dualen Systeme als Auftraggeber von Braig im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags zu Gast. Er bestätigte die Angaben des Ehinger Unternehmens: Bei 20 bis 22 Kilogramm pro Kopf und Jahr liege die Menge der Gelben Säcke in anderen Landkreisen mit 14-tägiger Abfuhr, im Kreis Göppingen erreiche dieser Wert 36,2 Kilogramm. „Wir haben hier also ungefähr 16 Kilogramm Müll drin“, schlussfolgerte er.​

Verantwortlich für Gelbe Säcke und Glascontainer

Entsorger
 Gebr. Braig aus Ehingen sammelt seit Januar im Landkreis Göppingen die Gelben Säcke ein und ist auch für deren Verteilung zuständig. Das Unternehmen ist damit von den Dualen Systemen beauftragt worden, nachdem es deren Ausschreibung gewonnen hatte. Die Dualen Systeme sind Entsorgungsbetriebe, die deutschlandweit für die Wiederverwertung der Verpackungen mit dem Grünen Punkt zuständig sind. Der Landkreis oder die Kommunen haben weder mit der Ausschreibung noch mit der Entsorgung und Wiederverwertung etwas zu tun.​

Ausschreibung
Gemeinsam mit den Gelben Säcken wurde auch die Leerung der Dosencontainer (für Weißblech) von den Dualen Systemen ausgeschrieben. Nach Auskunft des AWB umfasst diese gemeinsame Ausschreibung auch die Reinigung der Bereiche um die Dosen- und Glascontainer. Demnach müsste Braig an den Containerstandorten für Sauberkeit sorgen.