Alexander Zverev steht im Halbfinale – und wird trotzdem kritisiert Foto: AP/Seth Wenig

Der Erfolg ist groß, die Kritik hinterher war trotzdem deftig. Die Tennislegende Martina Navratilova attackiert Alexander Zverev nach dessen Halbfinaleinzug bei den US Open – doch der Konter sitzt.

New York/Stuttgart - Da stand Alexander Zverev nun und zupfte sich seine Maske zurecht, weshalb man nicht sah, ob der beste deutsche Tennisprofi erstaunt oder sogar entsetzt den Mund aufriss, als er nach seinem Halbfinaleinzug bei den US-Open in New York mit der deftigen Kritik der Legende Martina Navratilova konfrontiert wurde. Das übernahm ein Fernsehreporter, der Zverev nach seinem Viersatzsieg im Viertelfinale gegen den Kroaten Borna Coric die Navratilova-Aussagen übermittelte. Er, also Zverev, werde mit dieser Spielweise viele Spiele gegen kleinere Gegner gewinnen, hatte Navratilova gesagt. Aber, so Navratilova weiter: wenn Zverev so spiele, dann habe er keine Chancen, besonders viele Matches zu gewinnen. Schon gar nicht gegen die Besten in diesem Sport.

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Da stand er er nun also, dieser in der Regel auch bei Interviews schnell reizbare Tennisvulkan Zverev – und packte wohl einen seiner besten Returns des Abends aus. Denn Zverev drosch nicht wie schon oft geschehen drauf, er passierte Navratilova, wenn man so will, eher mit einem wunderbar getakteten, exakt platzierten und gar nicht mal harten Return. „Sie ist natürlich eine mehrfache Grand-Slam-Siegerin“, sagte Zverev in Richtung Navratilova, „aber vielleicht sollte sie sich mal meine Bilanzen gegen die Besten ansehen.“

Der Bruder leidet

Zverev hat gegen die Großen der Zunft wie Novak Djokovic oder Roger Federer ja wirklich schon gewonnen, und das nicht nur einmal. Seine Bilanz gegen Federer, das nur als Beispiel: vier Siege, drei Niederlagen. Nun, nach dem Halbfinaleinzug von New York, setzte er seinen Konter gegen Navratilova fort: „Ich weiß, dass ich besser spielen kann“, sagte Zverev, und dann setzte er doch noch den ultimativen Schmetterball: „Aber ich bin jetzt im Halbfinale der US Open, zum zweiten Mal nacheinander bei einem Grand-Slam-Turnier, da interessiert mich diese Meinung nicht.“

Diese Haltung konnte man aus Zverevs Sicht durchaus einnehmen, denn wer Erfolg hat, der hat meistens recht. Dennoch, und das wusste auch Zverev, war dieser erste Satz (1:6) gegen Borna Coric erschreckend: „So kann man nicht das Viertelfinale in einem Grand Slam spielen. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig aufgewacht.“ Sein Bruder Mischa, der hinterher aus Monte Carlo bei einem TV-Interview zugeschaltet war, beschwerte sich umgehend: „Sascha! Wenn ich heute Nacht Bauchschmerzen habe, ist es deine Schuld, ich musste vor lauter Aufregung die ganze Geburtstagstorte von meinem Kleinen essen.“

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