Pfützen, Platzmangel oder Dreck – die Umgebung des Flughafens ist nicht besonders radfahrerfreundlich. Foto: ADFC, Steegmüller (2)

Enger Tunnel oder matschige Feldwege: Am Stuttgarter Flughafen ist die Radroute ein Ärgernis. Weil seit Monaten nichts vorangeht, fordert das Radbündnis Filder Maßnahmen.

Radfahrer, die regelmäßig zwischen Plieningen und Bernhausen pendeln, haben am Flughafen Stuttgart die Wahl: Entweder unter der Start- und Landebahn hindurch fahren oder auf Feldwege ausweichen. Der gemeinsame Rad- und Gehweg im mehr als 500 Meter langen Tunnel ist auch aus Sicht des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) zu eng für den Radverkehr. Auf der Ostumfahrung ist der Untergrund regelmäßig durch die landwirtschaftlichen Arbeiten stark verdreckt. Cornelius Gruner, Sprecher des Radbündnisses Filder, kritisiert beide Optionen und fordert erneut Maßnahmen.

 

Projektgruppe zur Problemlösung

Bereits im vergangenen Jahr hat das RPS im Auftrag des Verkehrsministeriums die Projektgruppe „Radverkehr Flughafen“ ins Leben gerufen, um diese Probleme zu lösen. Daran waren neben den betroffenen Kommunen auch der Landkreis Esslingen, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Vertreter der Landwirtschaft und das Radbündnis Filder beteiligt. Das Ergebnis der letzten Sitzung, die mehr als sechs Monate zurückliegt: Der Konflikt ist bekannt, es müssen gemeinsam Lösungen gefunden werden. „Geschehen ist seither wenig“, sagt Cornelius Gruner. Ein erneutes Treffen der Projektgruppe ist für Mai angesetzt.

Das Radbündnis bezeichnet die gesamte Umgebung am Flughafen als „nicht besonders radfahrerfreundlich“ und drängt schon jetzt auf konkrete Schritte. „Kurzfristig sollten beide Fahrspuren in dem Flughafentunnel für den Radverkehr freigegeben und zugleich Tempo 30 angeordnet werden.“ Die rasche Umsetzung dieses Vorschlags ist unwahrscheinlich. Bereits im Januar 2006 hat das Verwaltungsgericht Stuttgart das Durchfahrtsverbot aus Sicherheitsgründen bestätigt – immerhin fahren 19.500 Autos am Tag durch den Tunnel. Die Gefahrenlage bliebe laut RPS auch bei 30 Kilometer pro Stunde bestehen, da rechtswidrige Überholvorgänge durch die Reduzierung der Geschwindigkeit faktisch nicht verhindert werden können.

Auch aus Sicht von Cornelius Gruner ist die Durchfahrt nur etwas für unerschrockene E-Bike-Fahrer oder fitte Rennradfahrer. Der Großteil würde sich sowieso nicht in den Tunnel trauen. Daher plädiert er langfristig für eine Umweltspur, die Radfahrern, Taxis und Bussen vorbehalten ist. Wie sich solch eine Maßnahme auswirken könnte, bekommen Autofahrer vom 27. Januar bis 24. August 2027 zu spüren. Rund sieben Monate wird der Tunnel saniert, während der Arbeiten ist er gesperrt – allerdings in beide Richtungen.

„Wird die Umweltspur im Tunnel nicht realisiert, besteht auf der Alternativroute rund um die Start- und Landebahn Handlungsbedarf“, betont Gruner. Auf den Wegen der Ostumfahrung sollen zwar noch Schlaglöcher ausgebessert, farbige Randstreifen aufgemalt und mehr Wegweiser aufgestellt werden, aber das reicht dem Radbündnis nicht. Sobald Bauern mit ihren Traktoren auf den Feldwegen wenden oder sie überqueren, würde sich der Asphalt vor allem an regnerischen Tagen oder nach starker Bewässerung in eine Schlammpiste verwandeln. „Wenn es trocken ist, ist es kein Problem. Ansonsten geht es teilweise über eine schmierige Masse, dann besteht akute Sturzgefahr. „Zwei Drittel des Jahres sind die Feldwege sowohl für Pendler als auch Freizeitradler inakzeptabel“, schätzt Gruner, der auch seit Jahrzehnten für den ADFC aktiv ist.

Reinigung der Wege ist Landwirten nicht zumutbar

„Wie bereits bei der vergangenen Projektsitzung besprochen wurde, ist eine Reinigung unmittelbar nach der durchaus berechtigten Feldarbeit den Landwirten nicht zumutbar und aufgrund des hohen Lehmanteils des Erdreichs wohl auch nicht erfolgversprechend“, so Gruner. Sollte man sich gegen die Öffnung des Tunnels für den Radverkehr entscheiden, sei die Konsequenz unumgänglich: „Eine Radwegführung, die landwirtschaftlichen Verkehr dauerhaft ausschließt.“

Auf der Plieninger Seite schlägt Gruner vor, den Radweg entlang der Landesstraße 1204 mit Büschen oder einem Holzzaun von den Äckern zu trennen. Dies würde jedoch den Verzicht auf einen kleinen Teil der Felder bedeuten. Am Ende der Landebahn sei der Feldweg ausreichend breit. „Dort kann man den Dreck umfahren.“ Auf der Bernhäuser Seite fordert das Bündnis den Bau eines Radwegs entlang des Rollfelds, um die Querung der landwirtschaftlichen Flächen zu vermeiden.