Chef Ulrich Meißner und die Mitarbeiterin Brigitte Raff von Zoo Schreiter in Fellbach haben rührende Grüße zum Abschied des Traditionshauses bekommen. Foto: Eva Schäfer

Zoo Schreiter schließt nach 97Jahren. Viele Kunden werden das Fellbacher Traditionshaus mit seinen langjährigen Wurzeln in Stuttgart vermissen.

Die Worte auf Papier sind in Rosa geschrieben: „Danke, dass wir so oft bei euch sein durften. Ihr wart immer so nett! Es ist so schade, dass ihr schließen müsst, das war so schön! Wir wünschen euch ein schönes Leben! Eure Romy, Amanda, Greta.“ Neben dem Text prangt ein großes grünblaues Herz.

 

Die Kinderzeichnung hängt im Geschäft von Ulrich Meißner nahe dem Kassenbereich. Sie ist einer der rührenden Grüße, die er mit seinem Team erhält, seitdem klar ist, dass er das Traditionshaus, das in Stuttgart gegründet wurde, nach 97 Jahren aufgeben wird.

„Kinder freuten sich über Hasen, Hamster und Meerschweinchen“

„Die Kinder sind oft vorbeigekommen und haben sich gefreut, unsere Hasen, Hamster und Meerschweinchen zu besuchen“, sagt Ulrich Meißner. Die Hamster sind schon in neuen Händen. Die Löwenköpfle-Hasen sind noch da und auch einige weiße Mäuse.

Junge Besucher des Zoofachgeschäftes haben Herzen zum Abschied gemalt. Foto: Eva Schäfer

Das Aus des Traditionshauses bewegt. Viele Kunden drücken persönlich ihr Bedauern aus. „Ich muss ein Hühnchen mit Ihnen rupfen“, sagte eine treue Kundin kürzlich. „Sie können doch nicht einfach zumachen“, erzählt die langjährige Mitarbeiterin Brigitte Raff. Beide seien schließlich zu Tränen gerührt an der Kasse gestanden.

„Wo gehen wir jetzt bloß hin?“, würde es immer wieder mal heißen. Ulrich Meißner hat gemeinsam mit seinem Team, Mitarbeiterin Brigitte Raff und Mitarbeiter Florian Kuhn, eine große Kundenbindung in dem inhabergeführten Geschäft aufgebaut. Das ist spürbar. Zudem kommen Besonderheiten im Sortiment. „Manche Kunden kommen eigens aus Stuttgart, um lebende Mehlwürmer zu kaufen“, sagt Ulrich Meißner. Diese seien für die Wildvögel eine willkommene Nahrung.

Und es gibt einzelne Stammkunden, die dem Betrieb seit Jahrzehnten verbunden sind. Ein Stammkunde hat vor Jahren einen Graupapagei erworben, den Ulrich Meißner dann auch im Urlaub betreute. Schließlich hat Meißner den Papagei „Polly“ privat übernommen, da der Kunde das Tier aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr versorgen konnte. „Jedes Jahr bringt der Stammkunde uns ein Geschenk zu Weihnachten vorbei“, erzählt der Chef.

Susanne Maier aus Weinstadt schätzt das inhabergeführte Zoogeschäft von Ulrich Meißner in Fellbach. Foto: Eva Schäfer

Eine Nachfolge habe bisher nicht geklappt, so Meißner. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch ein Ausbildungsnachweis, der im Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes geregelt sei. Der Paragraf sieht vor, dass man im Zoohandel seine Sachkunde im Umgang mit Tieren durch Prüfungen nachweisen müsse. Sonst dürfe man keine lebenden Tiere verkaufen.

Dass man auch keine größeren Berührungsängste mit Insekten haben sollte, sei klar. Und Ulrich Meißner erinnert sich an eine Anekdote aus ganz frühen Jahren. Da sei eine Nagelprobe für Azubis gewesen, wie man auf die Tubifex-Würmer, schlammliebende Ringelwürmer, die als Lebendfutter für Fische dienen, reagiere. „Man sollte die roten Würmchen essen“, sagt er, „doch das habe ich nicht gemacht.“ Diese Art von Dschungelcamp-Probe habe er ganz bewusst ausgelassen.

Gesundheit zwingt Ulrich Meißner zur Geschäftsaufgabe

Viele Erinnerungen kommen hoch, schließlich ist Ulrich Meißner lange erfolgreich in der Branche. Er gibt das Geschäft nicht aufgrund mangelnder Nachfrage auf, sondern aus gesundheitlichen Gründen, wie er sagt.

Dass das Aus beschlossen ist, daran gibt es nichts zu rütteln. In Fellbach gibt es dann noch den Verkauf von Tierfutter von Gudrun Bürkle, die früher ein inhabergeführtes Zoogeschäft hatte. Der Garagenverkauf ist im Lager des Modegeschäfts Annas Mode in der Cannstatter Straße untergebracht. „Ich habe meine IHK-Prüfung damals Ende der 1980er Jahre bei Gudrun Bürkle gemacht“, sagt Ulrich Meißner. Man kenne sich in der Branche. Ein inhabergeführtes Zoogeschäft gebe es dann noch in der Umgebung – in Weinstadt etwa mit Zoo Finkbeiner.

Ein regionales Fernsehteam sei inzwischen auch dagewesen. „Es ist heavy, der Abschied“, sagt Brigitte Raff und ringt immer wieder um Fassung. Was erhalten bleiben soll, ist die Auslieferung. Ab einem Betrag von 25 Euro wird frei Haus in der Umgebung ausgeliefert. „Wir versuchen, unseren Lieferservice nach der Schließung des Ladens auf neue Füße zu stellen und aufrechtzuerhalten“, sagt Meißner. Unter der Nummer 0155/ 63 623 285 könne man Bestellungen abgeben, ebenso wie unter der E-Mail-Adresse zoo-schreiter@t-online.de. Diese Kontaktdaten würden erhalten bleiben.

Noch bis 15. August ist das Team von Zoo Schreiter vor Ort. Für Kundin Susanne Maier aus Weinstadt wird das Aus von Zoo Schreiter auch ein Verlust sein. Sie kauft dort regelmäßig ihr Futter für ihren Hund Aron. „Es ist hier so persönlich, man kennt sich“, sagt sie. Und im Hinausgehen sagt sie mit Nachdruck: „Wir sehen uns noch mal.“

„Schweren Herzens: Zoo Schreiter schließt nach 97 Jahren“

Mancher Kunde wird Erinnerungen mitnehmen, das ist offensichtlich. Für Ulrich Meißner und sein Team ist das Aus offensichtlich auch mehr als der geschäftliche Einschnitt: Auf dem Aufsteller vor dem Zoogeschäft in der Stuttgarter Straße ist zu lesen: „Leider, schweren Herzens, müssen wir unser Geschäft aus gesundheitlichen Gründen zum 15. August schließen … Wir nehmen nicht nur geschäftliche Erinnerungen mit, sondern auch echte Freundschaften. Herzlichen Dank für Ihre Treue in 97 Jahren. Ihnen, Ihren Familien und Ihren Tieren wünschen wir alles Gute.“

Zoo Schreiter befindet sich in der Stuttgarter Straße 51 in Fellbach, Telefon 0711/618278. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, Samstag, 9.30 bis 18 Uhr.