Die Gäubahn soll auf den Fildern in einen langen Tunnel verlegt werden Foto: Stefanie Schlecht, Lichtgut/Leif Piechowski

Beim Lenkungskreis einigen sich die Stuttgart-21-Partner auf eine neue Variante für die Gäubahn am Flughafen und sichern den Erhalt der Panoramabahn.

Der Stuttgarter Bahnknoten bekommt ein anderes Gesicht als ursprünglich beim Projekt „Stuttgart 21“ unterstellt. Darauf haben sich die Projektpartner von Bahn, Land, Stadt und Region bei einer Sondersitzung des Lenkungskreises verständigt. Nach der Sitzung war viel von großen Schritten, guten Entscheidungen und weitreichenden Veränderungen die Rede.

 

Zusätzlicher Abzweig Richtung Feuerbach

Der Pfaffensteigtunnel zwischen Böblingen und Flughafen wird gebaut, der Panoramaabschnitt der Gäubahn zwischen Vaihingen und Nordbahnhof bleibt erhalten und der Cannstatter Tunnel von S 21 mit einem zusätzlichen Abzweig Richtung Feuerbach versehen. Für all das wurden nach der Runde in Stuttgart Erklärungen unterzeichnet.

Der Paffensteigtunnel, für den 270 Millionen Euro als Anschubfinanzierung aus dem Stuttgart-21-Budget umgeschichtet werden, soll dabei den Auftakt für einen weiteren Ausbau der Gäubahnstrecke Richtung Schwarzwald, Bodensee und Schweizer Grenze bilden. Insgesamt kostet das Vorhaben rund eine Milliarde Euro, die der Bund aufbringen muss. Das Geld wolle der Bund „zeitgerecht vorbehaltlich der Verfügbarkeit entsprechender Haushaltsmittel“ bereit stellen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, kritisierte die Entscheidung. Der Tunnel löse „ein Problem, das mit dem Dogma der Flughafenanbindung erst entstanden ist“. Die Führung der Gäubahn über den Flughafen ist ein „integraler Bestandteil von Stuttgart 21“, unterstrich Airport-Chef Walter Schoefer.

Bau des Tunnels soll 2026 beginnen

Erstmals nannte die Bahn auch konkretere Jahreszahlen zum Tunnelbau, von dem viele Landwirte im Flughafenumfeld Beeinträchtigungen befürchten. Von 2026 an soll an den beiden parallelen, gut elf Kilometer langen Röhren, gearbeitet werden, die Bahn peilt an, dass 2032 dort Züge fahren werden. Die Pläne müssen aber noch genehmigt werden. Weil es formal ein Vorhaben des Bundes ist, seien die Klagemöglichkeiten auf eine Instanz beschränkt, erklärte S-21-Chef Olaf Drescher. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verwies darauf, dass der Tunnel der teuerste Abschnitt beim Ausbau der Gäubahn darstelle. „Es wäre absurd, wenn man danach nicht mit den kleineren Maßnahmen weitermachen würde.“ Im weiteren Verlauf soll die Strecke für höheres Tempo ertüchtigt werden. Der Minister stellte zufrieden fest, dass die „Panoramabahn gerettet ist“. Diesen Abschnitt der Gäubahnstrecke auf Stuttgarter Gemarkung wird die Bahn im Zuge der S-21-Bauarbeiten im Sommer 2025 im Bereich des Nordbahnhofs kappen und wollte infolgedessen die Strecke bereits in Vaihingen aufgeben. Stattdessen wollen die Projektpartner eine neue Organisation gründen, die die Strecke übernimmt. An ihr hält die Bahn zunächst 49 Prozent und scheidet aus dem Konstrukt aus, wenn die Gäubahnführung über den Flughafen fertig ist. Beim Nordbahnhof soll die Strecke einen neuen Bahnsteig, den sogenannten Nordhalt, bekommen. Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) hofft darauf, dass der bis 2025 fertig ist, auch wenn das „ehrgeizig“ sei. Hermann nannte 2027 als Fertigstellungsdatum, bis dahin müssten sämtliche Gäubahnzüge in Vaihingen enden. Die Zwischenzeit wolle man aber nicht ungenutzt verstreichen lassen, sagte Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Bahn für das Land, sondern sie nutzen, um die Panoramastrecke zu sanieren. Ein von Hermann vorgelegtes Gutachten attestiert der Strecke ein hohes Fahrgastpotenzial.

Streit über Unterbrechung schwelt weiter

Nicht beigelegt ist aber der Streit um die Folgen der Gäubahnunterbrechung, gegen die sich Kommunen entlang der Strecke wehren. Sie hat zur Folge, dass Fahrgäste in Vaihingen – oder später am Nordhalt – umsteigen müssen. Bopp wies daraufhin, dass von 2025 an 16 S-Bahnen je Stunde die Verbindung zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof sicherstellen. Zu einer Annäherung der Positionen soll ein Faktencheck beitragen. OB Frank Nopper beließ es bei der Feststellung, dass auch Stuttgart Gäubahnanrainer sei. Die Stadt fürchtet um ihre städtebaulichen Möglichkeiten, wenn Gleise auch nach S 21 oberirdisch in Betrieb bleiben.

Der Lenkungskreis hat sich zudem darauf geeinigt, dass erste Arbeiten an einem Abzweig aus dem Cannstatter Tunnel von S 21 in Richtung Feuerbach vorgenommen werden. Der Bau dieser sogenannten P-Option hat allerdings zur Folge, dass von den zwei Tunnelröhren zwischen City und Bad Cannstatt zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 nur eine zur Verfügung stehen wird.