Bisher war Zeit hier Geld. Künftig zahlt man für die gelieferte Strommenge. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die EnBW stellt die Abrechnung für ihre Ladestationen für Elektrofahrzeuge grundlegend um. Die Tarife werden für die Kunden einfacher.

Stuttgart - Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ändert zum 1. März ihre Konditionen für das Laden von Elektrofahrzeugengrundlegend. Der Energiekonzern war vor Jahren in der Landeshauptstadt in Vorleistung gegangen und hatte auf öffentlichen Stellplätzen über einen Gestattungsvertrag der Stadt ein Ladenetz mit rund 200 Stationen aufgezogen. Nimmt man die Region dazu, betreibt die EnBW 263 Stationen. Sie hat sich damit eine starke Stellung gesichert.

Wer künftig sein E-Auto oder den Plug-in-Hybrid an den EnBW-Säulen lädt, zahlt nicht mehr einen Stunden- oder Minutenpreis, sondern für die abgenommene Strommenge. Die neuen Preise: An den Wechselstromsäulen (AC) zahlt man künftig 29 Cent pro Kilowattstunde (kWh) , an den Schnellladern einheitlich 39 Cent pro kWh. An den wenigen Schnelladesäulen (DC) gibt es keinen Preisunterschied mehr für die einzelnen Ladesteckerarten.

Zurzeit zahlt man nur eine Euro

Die Zähler an den weit verbreiteten Wechselstromsäulen seien für die Umstellung bereits geeicht und auf die dritte Nachkommastelle genau, es fehle „lediglich das offizielle Siegel der Landeseichbehörde“, so ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Eichrechtskonforme Lösungen für die sehr schnell ladenden DC-Säulen, die vorwiegend an der Autobahn stehen, befänden sich in der Zertifizierungsphase.

Die alten Tarife der EnBW galten bis Mitte November 2018. Zurzeit zahlt man bei EnBW durch die Aktion „Voll auf E“ pro Ladevorgang unabhängig von Zeitdauer und Strommenge einen, an den Schnellladesäulen zwei Euro. Mit der Umstellung der Abrechnungen zum 1. März wolle man den „Ladetarifdschungel einfacher gestalten“, heißt es bei der EnBW. Bezahlt werde nur noch die tatsächlich geladene Strommenge, es gebe „keine weiteren versteckten Kosten“, sondern ein einfaches und transparentes Preismodell, das die Wirtschaftlichkeitsplanung für den Nutzer erleichtere. Die neuen Preise für die Kilowattstunde gelten durch Kooperationen auch in Österreich und der Schweiz an insgesamt 25 000 Ladepunkten, die mit einer EnBW-Ladekarte oder der App erschlossen werden können, Auslandsgebüren entfallen. Mit der Umstellung werden die zwei Tarifarten Standard (ohne Grundgebühr) und Viellader beibehalten. Die Grundgebühr beim Viellader-Tarif sinkt von 7,90 auf 4,99 pro Monat. Rechnet man die bisherigen reinen Stundenpreise um (AC-Viellader: drei Euro pro Stunde), können sich je nach Fahrzeug Aufschläge, aber auch Einsparungen ergeben. So kostete die Kilowattstunde im Viellader-Tarif an der AC-Säule zum Beispiel im besten Fall, wenn das Auto mit Maximalleistung lädt, umgerechnet 14 Cent, an einer DC-Station mit CCS-Anschluss umgerechnet 30 Cent pro Kilowattstunde.

Ein Vergleich der Tarife ist schwierig

Allerdings laden E-Fahrzeuge zur Batterieschonung nicht durchgängig mit höchster Leistung, die Zeittarife können daher nur eingeschränkt mit den neuen Tarifen verglichen werden. Von einer Preiserhöhung durch die neue Abrechnungsmethode will man bei der EnBW nicht sprechen. Ausbau und Betrieb der Infrastruktur sind eine Investition ohne schnelle Rendite. Man rechne angesichts der geringen Anzahl an E-Autos in Deutschland mit „einem durchschnittlichen Zeitraum von mehr als zehn Jahren“ bis zur Amortisation. Ziel sei, kostendeckend zu arbeiten. Mit den neuen Tarifen liege man „im Marktumfeld“ und im Vergleich mit den Treibstoffpreisen günstiger.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: