Oberpaur-Geschäftsführer Patrick Brosius (links) und Architekt Frank Dittel haben viel vor: Ab Oktober 2026 können Kunden auf 1200 Quadratmeter mehr einkaufen. Foto: Simon Granville

Das Modehaus Oberpaur in Ludwigsburg baut um und an. Was erwartet die Kunden auf 1200 Quadratmeter mehr Ladenfläche? Und was passiert mit der Kinderabteilung?

Das Modehaus Oberpaur im Herzen von Ludwigsburg vergrößert sich. Auf 1200 Quadratmeter mehr sollen Kunden ab Oktober 2026 einkaufen können. Der Um- und Anbau ist in fünf Bauabschnitten geplant und läuft während des laufenden Betriebs.

 

„Es wird viel über Leerstand und aussterbende Innenstädte geredet“, sagt Architekt Frank Dittel bei einer Vor-Ort-Begehung. Dass das Unternehmen eine zweistellige Millionensumme investiere,habe eine Signalwirkung, dass dem nicht so sei. Welche Neuerungen warten auf die Kunden?

1) Aufenthaltsqualität soll steigen

„Wir wollen Gastgeber sein“, sagt Geschäftsführer Patrick Brosius. Er steht im zweiten Obergeschoss, durch das Glasdach fällt selbst an diesem trüben Tag viel Licht. Hinter ihm stehen Kleiderständer, auf den Bügeln und Schaufensterpuppen hängen die Marken Joos und Marc Cain. „In die Richtung“, er deutet Richtung Ecke Körnerstraße, „soll es künftig einen Bereich mit Cocktailkleidern geben“. Dazu soll das Premium-Segment vergrößert und die persönliche Shopping-Beratung von Verkäufern ausgebaut werden. Der Abschnitt der Asperger Straße würde sich mit den umliegenden Geschäften, dem Juwelier Hunke und dem gastronomischen Angebot, als „High-End Straße Ludwigburgs“ herauskristallisieren – und Oberpaur wird künftig einen größeren Teil davon ausmachen.

Der Betrieb läuft während der eineinhalb Jahre dauernden Bauphase weiter. Foto: Simon Granville

Auf künftig 6600 Quadratmeter Fläche ist in Zukunft viel Platz für die Ideen von Geschäftsführer Patrick Brosius: Wiederkehrende, aber auch überraschende Veranstaltungen wie Shopping-Nights beispielsweise – zugeschnitten auf die unterschiedlichen Kundengruppen. „Kunden mit einer Vorteilskarte sollen zudem Vortritt haben“, sagt Brosius. Derzeit sind 60 000 davon im Umlauf. Nahe der Rolltreppe plant Oberpaur regelmäßig wechselnde Aktionsflächen, passend zur Saison.

Wenn man die Zielgruppe zwischen 25 und 50 Jahren frage, was sie mit Oberpaur verbinden, würde häufig das Wort Familie fallen, berichtet Patrick Brosius. Jung und alt würden gemeinsam einkaufen, „das löst bei uns Gänsehaut aus, weil es das nicht mehr so häufig gibt“. Bei Oberpaur sei man stolz auf Stammkunden, man wolle aber auch neue Kunden hinzugewinnen – auch aus der Region. Dafür wächst das Markenangebot.

Künftig soll es im zweiten Obergeschoss eine Abteilung mit Cocktailkleider geben. Foto: Dittel Architekten

2) Kinderabteilung zieht um

Die Oberpaur-Kinderabteilung wechselt ihren Standort. Zum 1. Juni zieht sie in die Wilhelmstraße 20. Auf zwei Etagen und 300 Quadratmeter sollen Familien dort weiterhin fündig werden.

3) Neue Wohnungen, neuer Energiestandard

Neben der Erweiterung des Ladenbereichs kommen durch den Umbau 220 Quadratmeter Wohnfläche hinzu. Die drei Wohnungen in den Dachgeschossen sollen ebenfalls im Oktober 2026 bezugsfertig sein. Die sechs Gebäude in der Asperger und Körner Straße werden in den eineinhalb Jahren saniert und fast vollflächig mit einer PV-Anlage versehen. Dadurch soll Oberpaur nur noch an wenigen Tagen im Jahr auf Gas angewiesen sein. „Wir bekommen durch die Dämmung der Dächer, die PV-Anlage und Wärmepumpe eine Altbaustruktur mit Neubaustandard“,erklärt Architekt Frank Dittel.

Seit Januar ist die Baustelle in vollem Gange. Foto: Simon Granville

Doch wie beeinträchtigen die Umbauarbeiten in den nächsten eineinhalb Jahren den laufenden Betrieb? „Wir versuchen, die lärmintensiven Bauarbeiten in die Zeitfenster vor und nach Ladenschluss zu verlegen“, sagt Dittel. Auch zu Nachtarbeiten könne es in seltenen Fällen kommen. Durch eine doppelte Staubschutzwand soll der Baudreck draußen gehalten werden. In der Zwischenzeit ziehen einige Abteilungen vorübergehend um: die Taschenabteilung ins Untergeschoss, die Herrenmode vom ersten ins zweite Obergeschoss. Was logistisch alles im Hintergrund passiere – davon würden die Kunden aber gar nichts mitbekommen, versichert Brosius.