15,99 Euro kostet der After-Eight-Adventskalender von Nestlé (links). Die gleiche Menge Süßwaren in der Standardpackung kostet 4,98 Euro. Der Nimm-2-Kalender von Storck kostet 9,99 Euro. In der Standardpackung sind die Bonbons und Fruchtgummis für 2,36 Euro zu haben. Foto: Montage/StN

In fertigen Adventskalendern aus dem Supermarkt kosten die gleichen Süßigkeiten bis zu viermal mehr als im normalen Verkauf.

In fertigen Adventskalendern aus dem Supermarkt kosten die gleichen Süßigkeiten bis zu viermal mehr als im normalen Verkauf.

Hamburg - Wenn Eltern oder Großeltern den Kindern mit einem Adventskalender eine Freude machen wollen, lassen sie sich das gern etwas kosten. Zumindest wer einen fertig abgepackten Süßigkeiten-Kalender kauft, bezahlt dafür aber oft Wucherpreise. Denn die Süßwaren in Kalenderform kosten bis zu viermal so viel, als wenn sie in normaler Verpackung gekauft werden. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs von zehn Kalender bekannter Marken, den die Verbraucherzentrale Hamburg vorgenommen hat.

Demnach wird für den Kalender der Marke Nimm 2 von Storck der höchste Zuschlag verlangt: Mit 9,99 Euro zahlt man für den Adventskalender 323 Prozent mehr, als wenn die Bonbons und Fruchtgummis normal zum Preis von 2,36 Euro gekauft werden. Und die Verbraucherschützer haben noch mehr zu bemängeln:

Der Preisauszeichnung: In den Supermärkten werden Adventskalender mit anderen ­Weihnachtsprodukten häufig auf Sonderflächen verkauft. „Manchmal gab es dort aber gar kein Preisschild, und bei der Hälfte der Kalender war die Preisauszeichnung nicht korrekt, weil die Grundpreisangabe fehlte“, sagt Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. So könne der Kunde die Preise schwer ­vergleichen.

Die Preisunterschiede: Die Verbraucherschützer haben die Preise der zehn Kalender in sieben verschiedenen Supermärkten verglichen – und dabei für die gleichen Produkte Unterschiede von bis zu 60 Prozent entdeckt. „Wer einen solchen Fertigkalender kauft, sollte zumindest in mehr als einen Supermarkt gehen und die Preise vergleichen“, sagt Armin Valet. Die Inhalte: „In den meisten Kalendern waren nur die Standardprodukte verpackt, die es von den jeweiligen Herstellern das ganze Jahr über gibt“, sagt Valet. In einem Produkt gab es spezielle Weihnachtskugeln, in zwei Kalendern zwei zusätzliche Überraschungen (kleine Papierspiele, Sticker, Magnet).

Die Werbung: Der Herstellernamen stand auf allen Kalendern relativ groß vorn auf dem Kalender, bei drei Modellen waren ­zusätzlich weitere Produkte der Marke ­abgebildet. „So hängt für vier Wochen eine ­Dauerwerbung im Kinderzimmer, das ist für die Hersteller Markenbindung zum Sonderpreis“, sagt Valet.

Die Verpackung: In Adventskalendern werden die Süßigkeiten aufwendiger verpackt, als wenn sie als normale Ware im Regal liegen. „Dieser höhere Verpackungsaufwand rechtfertigt aber nicht den hohen Mehrpreis der Produkte. Nach grober Schätzung liegen diese Mehrkosten bei maximal zwei Euro“, sagt Verpackungsexperte Bernd Sadlowsky von der Hochschule HAW Hamburg, mit dem die Verbraucherschützer zusammengearbeitet haben. Die Verpackung täuscht ­Valet zufolge durch Größe und Form zudem oft mehr Inhalt vor, als tatsächlich in den ­Kalendern steckt „und am Ende bleibt ein großer Müllberg übrig“.

Fazit: Verbraucherschützer Armin Valet rät, genau abzuwägen, ob einem ein fertig befüllter Kalender im Schnitt zweieinhalb Mal mehr wert ist als die Produkte im normalen Einkauf – oder ob man die Ware nicht lieber einzeln kauft und damit oder mit anderen Inhalten selbst einen Adventskalender befüllt.

Eine Tabelle mit allen Testergebnissen gibt es unter www.vzhh.de

.