Die ADAC-Tester werteten beim Fernbus-Bahnhof in Stuttgart positiv, dass das Terminal komplett überdacht ist, Reiseinfos mehrsprachig angezeigt und Durchsagen gemacht werden Foto: dpa

Die Fernbus-Branche boomt, Reisen in den großen Fahrzeugen sind im Trend. Wie sieht es eigentlich an den Bahnhöfen aus? Diese Frage haben sich ADAC-Tester gestellt - und auch im Südwesten nachgeschaut.

Stuttgart - Der Stuttgarter Fernbus-Bahnhof schneidet in einem bundesweiten ADAC-Test am besten ab. In einem Ranking mit zehn begutachteten Haltestellen kommt er auf Platz eins, wie der Autoclub am Mittwoch mitteilte. Die ADAC-Tester werteten positiv, dass das Terminal komplett überdacht ist, Reiseinfos mehrsprachig angezeigt und Durchsagen gemacht werden. Auch ein zentraler Ticketschalter sowie Duschen und Baby-Wickelplätze sind vorhanden.

Negativ schlug allerdings der Standort am Flughafen vor den Toren Stuttgarts zu Buche, also fernab der Hauptzielpunkte von Reisenden, so der ADAC. Mannheim kam mit der Note „ausreichend“ auf Platz fünf des Rankings.

Nur wenige Stationen sind laut ADAC kundenfreundlich

Insgesamt stellte der ADAC Deutschlands Fernbus-Bahnhöfen hingegen ein schlechtes Zeugnis aus. An vielen Stationen fehlten elektronische Anzeigetafeln und Dächer über den Bahnsteigen, hieß es in dem ADAC-Bericht. Der Bürgersteig sei oft zu schmal für Rollstuhlfahrer, zudem mangele es in den Bahnhöfen an Service-Einrichtungen und automatischen Türen.

Nur wenige Fernbus-Stationen seien kundenfreundlich, so der ADAC. „Der Fernbusmarkt hat sich in den letzten Jahren schneller entwickelt als die dazugehörige Infrastruktur“, sagte der für Verbraucherschutz zuständige Geschäftsführer Alexander Möller. „Die Angebote der Städte bilden derzeit nicht die Mobilitätsbedürfnisse und Wünsche der Fahrgäste ab.“ Daher sollte dringend nachgebessert werden.

Der Autoclub hatte zehn Fernbus-Bahnhöfe getestet, von denen sechs nur die Note „ausreichend“ oder schlechter bekamen. Die Fernbus-Bahnhöfe in Göttingen und Bremen wurden gar mit „sehr mangelhaft“ bewertet, Dortmund mit „mangelhaft“. Mannheim, Berlin-Südkreuz und Rostock bekamen die Note „ausreichend“. „Gut“ schnitten hingegen München, Hannover, Hamburg Bus-Port sowie der Testsieger Stuttgart ab. „Sehr gut“ war keiner.

Der ADAC-Bericht verdeutlich ein Dilemma

Der ADAC-Bericht verdeutlich ein Dilemma: Vor allem Neubauten in der Peripherie von Städten schnitten gut ab. In Stuttgart beispielsweise fährt die S-Bahn eine knappe halbe Stunde von der Stadtmitte zum Fernbusbahnhof, der 2016 in Betrieb ging. Anlagen im Zentrum anderer Städte hingegen sind häufig veraltet, etwa in Göttingen direkt am Hauptbahnhof.

Die Fernbus-Firma Flixbus ist nicht allzu gut zu sprechen auf den Stuttgarter Fernbahnhof. Der Halt liege „ein wenig ungünstig“, so ein Unternehmenssprecher. Die Anfahrt sei lang und das Nahverkehrsticket verteuere den Fahrpreis. „Die Fahrgastzahlen - und damit auch Besucherzahlen für die Stadt Stuttgart - leiden unter dem fehlenden Innnenstadt-Halt.“ Man sei aber in Gesprächen mit der Stadt, um eine Lösung zu finden.

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