Was ein echter Schrauber ist, der bringt auch ein Rad wieder in Gang. Foto: dpa/Jan Woitas

KNITZ findet es bemerkenswert, dass der größte Verkehrsclub Europas auch ein Herz für Radler hat.

Zugegeben, KNITZ ist bei dem Thema befangen. Er war schon ADAC-Mitglied, da konnte man mit dem Vorzeigen eines Ausweises bei Trägern von lila Latzhosen, also irgendwann in den Spätsiebzigern des vergangenen Jahrhunderts, Schnappatmung auslösen. „Diese Vollgas-Lobbyisten“, bekam er dann zu hören. „Wie kannst du nur so einen Verein unterstützen!“

 

KNITZ blieb hart. Nicht nur aus Eigensinn, sondern auch aus Eigennutz. Die meiste Zeit seines Autofahrerlebens bewegte er betagte Wagen, die zwar grundsolide waren, aber mit zunehmendem Alter unter einer gewissen Gebrechlichkeit litten.

Bei jeder Panne was gelernt

Würde KNITZ all die Pannen aufzählen, mit denen er schon liegen blieb – oder erst gar nicht von der Stelle kam –, diese Kolumne würde locker die Länge eines soliden Abschleppseils erreichen. Insofern kam ihm der Verein gerade recht.

Die Herrschaften in den gelben Fahrzeugen (bisher waren es bei KNITZ tatsächlich nur Männer) nahmen sich nicht nur des Wagens an. Wenn man mit ihnen ins Gespräch kam, wussten sie hübsche Anekdoten zu erzählen – und KNITZ, der interessierte Laie, lernte stets auch was dazu.

Unlängst erklärte ihm ein Pannenhelfer, dass moderne Automobile nach einer mehrwöchigen Betriebsunterbrechung oft deshalb nicht ansprängen, weil die elektronischen Helferlein an Bord im Stand-by-Modus die Batterie geleert hätten.

Oder neulich, bei einem 200er Diesel war die Batterie leer, weil jemand versehentlich die Innenraumbeleuchtung angelassen hatte. Bevor der ADACler zur Starthilfe schritt, musterte er den Wagen. Seine Augen blieben an einer kleinen Roststelle am Radkasten hängen. Dann sagte er: „Den müssen Sie pflegen. Solche soliden Autos baut man heutzutage nicht mehr.“ Da schlägt das Chauffeursherz höher.

Pannenhelfer beim Radmarathon

Umso schöner findet es KNITZ, dass ein Verkehrsclub, der einst „Freie Fahrt für freie Bürger“ propagierte, sich inzwischen der Mobilität im Allgemeinen verpflichtet fühlt und auch ein Herz für gestrandete Radler hat. KNITZ fiel das bei einem Radmarathon auf der Ostalb auf. Der ADAC trat nicht nur als Sponsor in Erscheinung, sondern war mit seinen Pannenhelfern auch bei den Verpflegungsstationen zur Stelle.

Als sich neulich die FDP um den städtischen Stauraum sorgte und ein „deutschlandweites Flatrate-Parken, ähnlich dem 49-Euro-Ticket“ forderte, hielt der ADAC nicht nur still, sondern sogar dagegen. Er erinnerte die Liberalen daran, dass auch Fahrradstraßen einen Beitrag leisten würden, „um die Verkehre stärker zu trennen und so die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen“. Aber gut, der ADAC muss auch nicht fürchten, bei Wahlen im Osten an der Fünfprozenthürde zu scheitern.

Liebe ADACler, noch weiß KNITZ, wenn ihm am Rad mal die Luft rausgeht, sich selbst zu helfen. Aber weil seine alten Wagen nicht jünger werden, baut er weiterhin auf euch. Und käme bei der nächsten Panne mal eine Frau vorbei, wäre KNITZ vollends davon überzeugt, dass ihr dem Fortschritt dient.

Womöglich ist KNITZ altmodisch, aber Gelber Engel hat für ihn ohnehin eine weibliche Note.