Ein Anziehungspunkt an diesem Wochenende: Messe Comic Con. Foto: dpa

Rollende Steine und Schauspieler sind in der Stadt. Doch Stuttgart liefert auch so großes Kino, findet Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - „. . . und Action!“ In Stuttgart geht’s gerade zu wie am Filmset. Überall passiert was. Speziell an diesem Wochenende: Action-Legende Chuck Norris war angekündigt, über den bekanntlich die irrwitzigsten Geschichten kursieren („Chuck Norris isst keinen Honig, er kaut Bienen!“). Bedauerlicherweise hat der Alleskönner dann seinen Flug verpasst, was auf der Messe Comic Con zu langen Gesichtern führte. Dafür war Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau alias Jaime Lannister pünktlich, bei dem die Fans von „Games of Thrones“ in Verzückung geraten, außerdem Pilou Asbek alias Euron Graufreud, ein anderer bekannter Charakter aus der Fantasys-Serie. Und das ist noch nicht alles: Die Rolling Stones sind am Freitag im eigenen Flieger gelandet – standesgemäß mit rausgestreckter Zunge. Am Samstagabend werden Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts in der Mercedes-Benz-Arena auftreten. Ja Leute, sind wir denn in Hollywood? Joe Bauer, stadtbekannter Kolumnist unserer Zeitung, hat es schon immer geahnt. Er nannte Stuttgart einst „Cleverly Hills“.

Ein neuer Stuttgart-Film entsteht

Dabei werden am Nesenbach normalerweise kleine Brötchen gebacken, die man brav mit Stadthonig bestreicht. Stuttgarter Action-Einlagen bestehen aktuell darin, dass sich aufbruchwillige Bürger mit 1000 Stühlen als Requisiten auf die Stadtautobahn B 14 setzen, um diese demonstrativ in die lange ersehnte Kulturmeile zu verwandeln. Wie filmreif diese für den 8. Juli geplante Aktion ist, bleibt dem Urteil der Stuttgarter überlassen. Oberbürgermeister Fritz Kuhn, eigentlich der Regisseur dieser Stadt, muss allerdings langsam aufpassen, dass ihm das Stuttgart-Drehbuch nicht aus der Hand genommen wird.

Stuttgart als Filmkulisse. So weit ist das gar nicht hergeholt, auch wenn Glamour vermutlich nie ein Merkmal dieser Stadt sein wird. Jenseits von roten Teppichen und außerhalb des Scheinwerferlichts arbeitet das hier ansässige Haus des Dokumentarfilms derzeit an einem neuen Stuttgart-Film. Im September soll er präsentiert werden. Darin taucht zwar kein Chuck Norris auf, niemand kaut Bienen oder erobert fremde Reiche, es spielen darin auch keine ­Stones. Der Film zeigt Stuttgart, wie es war – und ist gerade deshalb großes Kino.

jan.sellner@stzn.de

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